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Bad Friedrichshall

Neuem B27-Anschluss bei Kochendorf fällt viel Natur zum Opfer

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Der Bad Friedrichshaller Gemeinderat berät über den Bebauungsplan für den Umbau der Straßen am Schwarz-Projekt-Campus. Zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen sind notwendig. Warum der Eingriff in die Natur groß sein wird.

Um den Anschluss der Kreisstraßen an die B27 am Schwarz-Campus in Bad Friedrichshall zu optimieren, ist ein großflächiger Umbau notwendig.
Foto: Ralf Seidel
Um den Anschluss der Kreisstraßen an die B27 am Schwarz-Campus in Bad Friedrichshall zu optimieren, ist ein großflächiger Umbau notwendig. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Die B27-Kreuzungen am Schwarz-Projekt-Campus (SPC) in Bad Friedrichshall sind nicht ausreichend leistungsfähig, wenn der Verkehr dort in Zukunft erheblich zunimmt. Um ein Verkehrschaos zu vermeiden und die Anschlussstelle Kochendorf Süd entsprechend umbauen zu können, ist ein Bebauungsplan notwendig. Der Gemeinderat hat das Verfahren nun einen Schritt vorangebracht. Als nächstes erfolgt die öffentliche Auslage der Planunterlagen und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.

Bevor die Stadträte den Vorschlägen zustimmten, wie mit eingegangenen Stellungnahmen während der frühzeitigen Beteiligung umgegangen werden soll, trugen Marius Bergmann vom Büro IFK und Jana Wittemaier von Baader Konzept die erarbeiteten Änderungen und Maßnahmen vor. 25 Behörden haben Stellungnahmen abgegeben. Viele davon beschäftigen sich mit Naturschutzbelangen, weshalb auch der Fokus in den Vorträgen auf diesem Thema lag.

Viele Stütz und Brückenbauwerke sind geplant

Der Eingriff in die Landschaft wird enorm sein, da für den Umbau der B27 aufgrund der schwierigen topografischen Lage eine Vielzahl von Stütz- und Brückenbauwerken benötigt werden, heißt es in der Sitzungsvorlage. Dort ist auch zu lesen, dass in der ersten Ausbaustufe eine direkte Anbindung der K 2117 an die K 2000 und die Schaffung neuer Auf- und Abfahrrampen in alle Fahrtrichtungen auf die B27 vorgesehen ist.

Da unter anderem in geschützte Biotope eingegriffen wird und Rebflächen mit Trockenmauern wegfallen, sind Ausgleichsmaßnahmen erforderlich, die bereits mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Heilbronn abgestimmt sind, sagte Marius Bergmann. Jana Wittemaier stellte ein Maßnahmenkonzept dafür vor.

 


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Schlingnatter kommt wahrscheinlich in den Rebflächen vor

Sie berichtete, dass die Arbeiten unter ökologischer Baubegleitung umgesetzt werden, auf insektenschonende Beleuchtung sowie Schutz der Flora geachtet werde. Um angrenzende Biotope zu schützen, werde ein Zaun aufgestellt. Die Weinbergmauern würden schonend abgetragen - also Stein für Stein. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dort Schlingnattern leben. Zudem sollen Gehölze und Hecken erhalten bleiben, wo es möglich ist, auf 2000 Quadratmetern ist die Aussaat von regionalem Saatgut vorgesehen - ebenso wie die Anlage von Verkehrsgrünflächen und Entwässerungsmulden.

Ausgleichsmaßnahmen werden größtenteils direkt im Ausbaugebiet umgesetzt. So ist laut Wittemaier geplant, die Trockenmauern wieder aufzubauen sowie weitere punktuelle Maßnahmen zu ergreifen. Das Wichtigste sei, dass der Fundelweinberg optimiert werde. Das heißt, dass anstelle der Rebflächen hochwertiger Magerrasen kultiviert wird, der Lebensraum für Tiere ist. Auch Nistkästen werden aufgestellt. Weitere Ersatzpflanzungen erfolgen 500 Meter östlich vom Ausbaugebiet beim Recyclinghof. Dort sind Feldhecken und -Gehölze vorgesehen sowie die Erweiterung einer Streuobstwiese.

 


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Stadt will Grundstücke kaufen

"Der Eingriff ist groß", betonte Bürgermeister Timo Frey. Zahlreiche Grundstücke seien betroffen, mit deren Eigentümern die Stadt bereits im Gespräch sei. Die Stadt wolle die Grundstücke kaufen. So ist es mit den Baulastträgern (Regierungspräsidium Stuttgart und Landkreis Heilbronn) abgestimmt, erläuterte Timo Frey.

In Stellungnahmen werde zudem darauf hingewiesen, dass Straßen stellenweise im Überschwemmungsgebiet HQ extrem liegen - bei der Unterführung der K2000 sowie bei der Hasenmühle, sagte Marius Bergmann. Auch bei starkem Regen sei dieser Bereich betroffen. Diese Situation müsse in die Alarm- und Einsatzpläne der Feuerwehr eingearbeitet werden. Im Ausbaubereich befänden sich außerdem Bunkeranlagen der Neckar-Enz-Stellung. Der Erhalt werde aber nicht wichtiger eingestuft als der Bau der Straße.

 


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Langfristig soll die B27 vierspurig ausgebaut werden

Das Bebauungsplanverfahren "Anschlussknoten Kochendorf Süd" ersetzt ein Planfeststellungsverfahren, erklärte Josef Klug, Geschäftsführer Standortentwicklung bei der Schwarz-Gruppe, in der Sitzung. Dass sich die Stadt darauf eingelassen hat, sei nicht selbstverständlich, bedankte er sich. Hätte sie abgelehnt, hätte man warten müssen, bis das Regierungspräsidium Stuttgart Kapazitäten für ein Planfeststellungsverfahren hat. Bis dahin wären möglicherweise Jahre vergangen. Der Verkehrsanschluss solle aber bis Ende 2025 funktionieren. Langfristig ist der vierstreifige Ausbau der B27 zwischen der Autobahn und der Ortsdurchfahrt im Stadtteil Jagstfeld vorgesehen, informiert die Stadt in der Sitzungvorlage. Dieser Ausbau soll im nächsten Bundesverkehrswegeplan verankert werden. Der Umbau der Anschlussstelle Kochendorf Süd werde so ausgeführt, dass der vierspurige Ausbau zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden kann.


Dieser Artikel wird in unserem Nachrichten-Podcast AbendSTIMME erwähnt - für weitere Nachrichten aus der Region können Sie hier den ganzen Podcast anhören.

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