Eppinger Gartenschau ist attraktives Ausflugsziel für Schulen
In Eppingen bietet das grüne Klassenzimmer noch bis Ende der Schau ein umfassendes Bildungsprogramm für alle Klassenstufen.

Raus aus dem Unterrichtsraum und ab auf die grüne Wiese - das ist das Motto des Grünen Klassenzimmers. Also genau das Richtige für die Zweitklässler aus Flein: "Wir haben ein Ausflugsziel gesucht, wo man dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht werden und dabei noch etwas lernen kann", sagt Stephanie Jonas, während ihre 2a spielerisch die vielen Baumarten im Wald kennenlernt. Das Angebot auf der Gartenschau in Eppingen kam Jonas und ihren Kolleginnen gerade recht. Schließlich sei die auch praktisch mit Bus und Bahn zu erreichen.
Die Umwelt in jeder Hinsicht kennenlernen
Was die Kinder hier lernen, muss nicht unbedingt mit der Natur zu tun haben, so wie im Kurs von Peter Kämmer vom landkreisweiten Waldnetzwerk. Die Parallelklassen machen heute eine Fantasiereise nach Afrika mit dem EPiZ, dem Entwicklungspädagogischen Informationszentrum Reutlingen, oder sie begleiten einen Ehrenamtlichen der Eppinger Heimatfreunde zum Thema "Es brennt in der Altstadt". Hauptsache, es geht um Themen, "die die Umwelt der Kinder betreffen", erklärt Alexander Pieh.
Der Diplom-Biologe, der Umweltpädagogik schon als zweites Standbein mit studiert hat, leitet das Projekt Grünes Klassenzimmer auf baden-württembergischen Gartenschauen seit 2002. Derzeit flitzt der 57-Jährige zwischen seinem Büro in Ostfildern, der Gartenschau in Eppingen und der Landesgartenschau in Neuenburg am Rhein hin und her.
Eppinger Heimatfreunde stemmen Großteil des Programms
Während die Kooperation mit überregional arbeitenden Partnern wie dem Heilbronner Waldnetzwerk greift, sind die Themen, die nur lokal angeboten werden, ortsspezifisch. Etwa 30 Prozent des Programms in Eppingen, schätzt Pieh, stemme Christoph Waidler von den örtlichen Heimatfreunden.
Es geht im Grünen Klassenzimmer dem Projektnamen zum Trotz also auch um technische, politische und historische Themen, und zwar für alle Klassenstufen, einschließlich der gymnasialen Oberstufe. Am besten angenommen wird es aber von den unteren Klassen. Die meisten der schon 254 Buchungen in Eppingen kommen aus dem Grundschulbereich.
Eichhörnchen finden alle süß
So wie die aus Flein. "Juhu, ein Eichhörnchen", rufen die Schüler von Stephanie Jonas verzückt, als Peter Kämmer das Plüschtier hochhält. Ein idealer Aufhänger, um die Aufmerksamkeit der Sieben- bis Achtjährigen auf Waldbäume zu lenken. Denn was fressen die possierlichen Tierchen?
Schon bald gehen Walnüsse, Haselnüsse, Eicheln und Bucheckern, an denen Eichhörnchen geknabbert haben, durch die Hände der Kinder. Sie brauchen jetzt nicht erfahren, dass die Nagetiere bevorzugt Vogeleier vertilgen. Nüsse sammeln sie für ihre Wintervorräte. Wichtiger ist, dass aus den Waldfrüchten neue Bäume wachsen.
Buchstaben kommen von der Buche
Um diese an den Blättern erkennen zu können, hat Kämmer viel Laub mitgebracht. Etwa von der Rosskastanie, deren Blatt wie aus fünf einzelnen Blättern zusammengewachsen aussieht. Oder vom Spitz-, Berg- und Feldahorn. Ein Junge weiß, dass ein Ahornblatt Kanadas Flagge schmückt. "Von einer Art", erklärt Kämmer, "die nicht bei uns in Deutschland wächst."
Nebenbei lernen aufmerksame Zuhörer Kulturelles. Etwa, dass Buchstaben so heißen, weil sie in früheren Zeiten aus Buchenholz geschnitzt wurden.
Die Kinder müssen sich nicht alles merken. Aber nachdem sie in Gruppen je eine Deutschland-, eine Baden-Württemberg- und eine Heilbronner-Land-Karte zusammengepuzzelt haben, haben sie ein Bild vor Augen, wie viel Wald es bei uns gibt: Etwa ein Drittel der Fläche, in der Region Heilbronn etwas weniger, ist grün. Und sie werden den einen oder anderen Baum nun sicher beim Waldspaziergang wiedererkennen.
Programm und Infos
Fördergesellschaft setzt sich für Schutz natürlicher Ressourcen ein
Das grüne Klassenzimmer ist ein Projekt der Fördergesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen (BWgrün) in Ostfildern. Hinter BWgrün stehen wiederum der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen und die baden-württembergischen Landesverbände der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbauer, des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten und des Fachverbands Deutscher Floristen.
Die BWgrün-Experten stehen den Kommunen im Land seit 1987 bei der Planung und Durchführung von Gartenschauen zur Seite. Auf den Schauen ist die Gesellschaft mit dem Treffpunkt Baden-Württemberg und, seit 2002, dem Grünen Klassenzimmer vertreten. Im Grünen Klassenzimmer sollen Schüler ihr Umweltwissen vertiefen und ihr Bewusstsein für die Notwendigkeit des Schutzes natürlicher Ressourcen stärken und durch eigenständiges Forschen und Entdecken begreifen. Alexander Pieh ist von Anfang an Projektleiter und Fachreferent fürs Grüne Klassenzimmer.
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