Ostern im Zeichen des Krieges: Geflüchtete aus der Ukraine erklärt Bräuche aus ihrer Heimat
Wie Geflüchtete aus der Ukraine, die im Hohenlohekreis Zuflucht gefunden haben, die Feiertage verbringen. Auch hier pflegen sie die Bräuche aus ihrer Heimat. Dazu gehört das Backen des traditionellen Paska-Kuchens.

Eine Woche später und wichtiger als Weihnachten: Ostern in der Ukraine, wo die Menschen orthodoxen Kirchen angehören, nennt sich Pascha-Fest, einer der wichtigsten Tage im Jahr mit ganz anderen Bräuchen. Eins haben Deutschland und das Land in Osteuropa gemeinsam: Freunde und Familien begehen das Fest der Auferstehung zusammen. In diesem Jahr sind es oft die ukrainischen Frauen und Kinder, die an den Feiertagen fernab der Heimat in Deutschland sind. Die Männer sind in den zum Teil umkämpften Gebieten.
Deutsche Osterbräuche kennenlernen
Auch Maryna Pietushkova gehört mit ihrer Mutter und ihrer Tante zu den Menschen, die in der Region Schutz gefunden haben. Die Dolmetscherin arbeitet derzeit als Unterstützung im Landratsamt und lebt in einer WG in Künzelsau zusammen mit ihrer Mutter und dem Kater, den sie mitgebracht hat, und drei Mitbewohnern. Das ukrainische Fest nach Hohenlohe zu holen, ist schwierig, findet sie. "Ich würde gerne die deutschen Osterbräuche kennenlernen", meint sie.
Einer der wichtigsten Osterrituale aus ihrer Heimat ist das Backen des Paska-Kuchens. Insgesamt dauert die Arbeit in der Küche zwei Tage, "so lange können wir die in der WG nicht blockieren", erklärt die 38-Jährige weiter. Das grämt sie aber nicht. Vielmehr ist die Ukrainerin "endlich dankbar", ein Fest in Frieden und Sicherheit zu verbringen. Wer in ihre freundlichen, offenen Augen blickt, würde nie ahnen, welche Strapazen hinter der Frau aus Odessa liegen. Ihr Mann, viele Freunde und ihre "Brüder", so nennt sie ihre Cousins, sind noch in der Stadt am Schwarzen Meer. Die stehe zwar noch nicht unter Beschuss, trotzdem regiere wie überall die Angst.
Kirchenbesuch und Familienfest

Trost und Tradition ist deshalb für Pietushkova und ihre Familie der Glaube, der ohnehin ein wichtiger Bestandteil des Lebens in der Ukraine ist. "Gott ist in jeder Kirche", ergänzt sie. "Ich hoffe, ich kann eine Messe besuchen." Sie berichtet weiter: An Ostern in der Ukraine stehe die Familie zum Teil um vier Uhr morgens auf, um gemeinsam in die Kirche zu gehen. Dorthin nehme man einige Lebensmittel mit. "Es ist so eine unglaubliche Menge von Leuten, die zur Kirche geht, und eine unglaubliche freundliche Stimmung." Speck, Wasser, Eier oder das Traditionsgebäck würden dort gesegnet. Im Anschluss gebe es Geschenke und die Familie besuche sich. Statt Osterhasen werde das Gebäck auch unter den Kindern verteilt. Die spielten gern Eier zocken. Dabei kullern die Eier aufeinander und der, dessen Ei zerbricht, scheide aus. Auf dem österlichen Speiseplan in der Stadt am Schwarzen Meer stehe zum Beispiel Schaschlik.
Die Küche wird geschmückt Sicher fehlen den Frauen ihre Lieben, doch den Kopf hängen lassen, das passt nicht zu ihnen. Dankbarkeit und Demut überwiegen. Deshalb gibt es Ostern auf deutsch. "Wir haben Blumen gekauft, schmücken die Küche und kaufen Osterhasen, die es bei uns ja nicht gibt."
Vor "Frohsinn und Mut trotz dieser unglaublichen Tragödie" hat Manfred Bertleff Respekt. Der Waldenburger hat vielen Menschen über die Grenze geholfen. Seine ukrainische Frau und er sind wenige Tage vor Ostern auf der Autobahn unterwegs. Allerdings um sich eine Auszeit zu nehmen. "Wir sind aber immer erreichbar", betont er. Die Nachrichten, die das Paar über soziale Netzwerke erreichen, seien unfassbar. "Butscha ist nichts gegen diese Bilder, die wir gesehen haben."
Trotz Auszeit erzählt Irina Bertleff gerne von den Osterbräuchen ihrer Heimat. Etwa, wenn die ganze Familie mit Eier malen beschäftigt sei. Die Bilder auf den Eiern seien Symbole. Ein Haus zum Beispiel bedeute Frieden.
Rezept Paska-Kuchen
Zutaten:
450 bis 500 Gramm (g) Weizenmehl
150 ml Milch
9 bis 10 g (drei Teelöffel) Trockenhefe
150 g Zucker
100 g Saure Sahne 15 Prozent
100 g Butter
zwei Eigelb, ein Ei eine Zitrone (Schale)
150 g Rosinen
100 g kandierte Früchte
20 g Vanillezucker
30 ml Pflanzenöl (für Teig)
ein Drittel Teelöffel Salz
Zubereitung:
1. Milch auf 38 bis 40 Grad erhitzen, Hefe darin auflösen, einen Esslöffel Zucker, 0,5 Kilo Mehl zugeben, glatt rühren, warm stellen.
2. Die Schüssel mit dem Teig mit einem Handtuch abdecken und 30 Minuten ruhen lassen. In dieser Zeit verdoppelt sich die Masse. Die Butter aus dem Kühlschrank nehmen und an einen warmen Ort stellen, damit sie ganz weich wird.
3. Eigelb trennen, mit Zucker und Salz schaumig schlagen, mit Teig vermengen. Fügen Sie weiche Butter hinzu und schlagen Sie die Masse mit einem Mixer.
4. Eiweiß separat vermengen und zur Gesamtmasse hinzufügen. Rosinen, Muskat hinzufügen und erneut mischen.
5. Den Teig mit dem restlichen Mehl umrühren. Der Teig sollte nicht zäh sein, aber auch nicht an den Händen kleben. Den Teig eine Stunde in Ruhe lassen. 6. Den Teig rühren, damit den dritten Teil der Form füllen und ihn etwa zehn Minuten in der Form aufgehen lassen. (Man kann die Formen mit einem Handtuch abdecken). 35 bis 40 Minuten bei einer Temperatur von 180 Grad backen.
7. Glasur aus dem Pulver und dem Eiweiß machen. Mit Figuren dekorieren.
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