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Projekt Landwirtschaft macht Schule

Staunende Schüler vor Melkrobotern – Projekt will Verständnis für Landwirtschaft schaffen

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Hochschule Ludwigsburg, Akademie für Landwirtschaft und Bauernverband lassen Schüler im Projekt Landwirtschaft macht Schule am Landleben teilhaben. Davon profitieren auch Lehrkräfte und die Landwirte.

Marc Puscher arbeitet bei Familie Kieß. Gemeinsam mit den Lehramtsstudenten und angehenden Landwirtschaftsmeistern führt er über den Hof.
Marc Puscher arbeitet bei Familie Kieß. Gemeinsam mit den Lehramtsstudenten und angehenden Landwirtschaftsmeistern führt er über den Hof.  Foto: Laura Bernert

Auf dem Bauernhof von Christian und Beate Kieß im Kupferzeller Teilort Beltersrot ist viel los: Eine fünfte Klasse, etliche angehende Landwirtschaftsmeister, Lehramtsstudenten, dazu noch Vertreter der Schulen und Politiker stapfen über den Milchviehbetrieb. 180 Milchkühe haben hier ihr Zuhause. Das Leben einer solchen Milchkuh soll den Kindern mit dem Projekt Landwirtschaft macht Schule des Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems verdeutlicht werden.

Dazu arbeitet die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg eng mit der Akademie für Landwirtschaft und Hauswirtschaft in Kupferzell zusammen. Die Klasse hat vor dem Hoftag bereits in drei Doppelstunden Einblick in die Wertschöpfungskette von Milch bekommen. Auf dem Hof beschäftigen sich die Kinder in Kleingruppen begleitet von den angehenden Landwirtschaftsmeistern und Lehrkräften mit dem Futter der Tiere, Kälbern und natürlich dem Endprodukt Milch.

Projekt Landwirtschaft macht Schule ist Win-Win-Situation für Landwirte, Schüler und Lehrkräfte

"Lehrkräfte haben auf den ersten Blick nicht so viel mit Landwirtschaft zu tun", sagt Frank Rösch von der Hochschule Ludwigsburg. Vom Projekt profitieren sowohl die Studenten als auch die Landwirte. "Es schafft Verständnis und fördert unsere Leute in Kommunikationsfähigkeit", sagt Jürgen Maurer aus Feßbach, Vizepräsident des Landesbauernverbands. Es sei Wissensvermittlung in alle Richtungen.

Den Abbau von Klischees erhofft sich auch Marco Puscher. Er arbeitet als angehender Landwirtschaftsmeister bei Familie Kieß: "Kinder erzählen viel zu Hause, so können die Eltern mitkriegen, dass die Tiere nicht gequält werden."


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Automatisierung auf dem Bauernhof: Melkroboter und selbst fahrende Futterbehälter sind in Beltersrot selbstverständlich

Dass es den Kühen gut geht, davon kann sich die fünfte Klasse im Stall selbst überzeugen. Einige Kinder trauen sich und strecken den Tieren die Hände entgegen. "Nummer sieben ist ganz lieb", ermutigt Puscher einen schüchternen Jungen, der kritisch nachfragt: "Was war deine schlimmste Erfahrung?" Kühe können austreten, wenn sie Angst haben. "Ich war aber noch nie wegen einer Kuh im Krankenhaus oder beim Arzt", beruhigt Marco Puscher.

Die Kinderschar verfolgt die Leitungen, die quer durch den Stall verlaufen. Denn auf dem Hof Kieß werden die Kühe nicht mehr von Hand gemolken. Das übernehmen hier drei Melkroboter. "Das hab ich echt noch nie gesehen", staunt ein Junge. Nicht nur das Melken übernehmen in Beltersrot die Roboter, auch die Fütterung wurde automatisiert. Über dem Hof verlaufen dünne Metallschienen, an denen entlang die Fütterungsbehälter fahren. Christian Kieß nutzt die Gelegenheit und erklärt die Automatisierung den Hofbesuchern. Denn: "Menschen, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, können sich nicht vorstellen, wie die Automatisierung gehen soll."

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Zurück im Stall: Alle zwei Tage wird die Milch abgeholt. So lange wird sie in einem Tank gelagert. 14.000 Liter passen da rein. Gibt's die Milch auf dem Hof zu kaufen, fragt ein Kind. Das ist nicht möglich. Denn: "Jedes Mal wenn man Milch aus dem Tank nimmt, kommen Bakterien rein", erklärt Puscher.

Das Projekt wird zum neunten Mal durchgeführt. Obwohl laut Bauernverband jedes Mal politische und schulische Vertreter anwesend und begeistert sind, gibt es das Angebot nicht außerhalb von Kupferzell. Während der Pandemie konnte das Kooperationsprojekt nicht im selben Format ausgeführt werden. Statt es ruhen zu lassen, wurde das Angebot weiterentwickelt zu "Landwirtschaft digital für die Schule". Die angehenden Landwirtschaftsmeister erstellen Videos, die sie selbst konzipieren, aufnehmen und schneiden. Es sind auch aktivierende Elemente wie Fragen enthalten, anhand denen Lehrkräfte mit den Klassen arbeiten können. Die Videos sind auf der Internetseite abrufbar.

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