Frühchen-Intensivstation im Diak in Schwäbisch Hall ist gerettet
Mehreren Frühchenstationen droht die Schließung. Sozialminister Manfred Lucha verspricht nun überraschend Unterstützung für die Haller Kinderklinik und äußert scharfe Kritik.

Damit hat keiner der Anwesenden gerechnet: Nachdem er sich ins Goldene Buch der Stadt Schwäbisch Hall eingetragen hat, erntet Sozialminister Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen) langen Applaus für ein Versprechen in Zusammenhang mit der drohenden Aberkennung der Level-1-Versorgungsstufe für Risikoschwangere, Früh- und Risikogeborene am Diakonie-Krankenhaus (Diak).
Die Entscheidung hat auch weitreichende Bedeutung für den Hohenlohekreis, denn auch im Öhringer Krankenhaus geborene Frühchen werden oft zur Behandlung nach Schwäbisch Hall geschickt.
Als Sozialminister könne er bei einer entsprechenden Beantragung eine Ausnahmeerlaubnis genehmigen. "Die Genehmigung dafür werde ich erteilen", sagte Lucha im Beisein des kompletten Vorstands des Diak-Mutterkonzerns Diakoneo im Rathaus. "Wir brauchen den richtigen Standort für das richtige Angebot", so der Minister, das sei am Diak gegeben.
Frühchenversorgung: Gesundheitsminister Lucha sucht Konfrontation mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss
Er stehe zudem der Entscheidung des GBA (Gemeinsamer Bundesausschuss, das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands) sehr kritisch gegenüber, nach dem die Mindestzahl für die Versorgung extrem kleiner Frühchen von 14 auf 25 pro Jahr zum 1. Januar 2024 angehoben werden soll - auch in seiner Funktion als derzeitiger Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz der Länder. Die GBA-Entscheidung akzeptiere er nicht.
Frühchenversorgung: Diak-Verantwortliche sind verblüfft von der raschen und klaren Entscheidung Luchas
"Das hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen", sagte Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Daniel Bullinger im Anschluss. Das bürgerschaftliche Engagement zum Erhalt der Frühchenstation habe sich mehr als gelohnt.
Ein großer Stein ist den Vertretern von Diakoneo vom Herzen gefallen. "Wir freuen uns außerordentlich, dass Minister Lucha uns die Zusage gegeben hat, die Genehmigung für die Fortführung des Perinatalzentrums Level 1 am Diak zu erteilen", sagte Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Diakoneo mit Sitz im mittelfränkischen Neuendettelsau. So könne man weiter eine qualitativ hochwertige Versorgung für die kleinsten Patienten anbieten.
Hohenloher Landrat hat Petition gegen Schließung mit unterzeichnet
Neben OB Bullinger und Schwäbisch Halls Landrat Gerhard Bauer hatte auch Matthias Neth, Landrat des Hohenlohekreises, eine Petition zum Erhalt des Perinatalzentrums unterzeichnet. 8800 Unterschriften stehen mittlerweile auf der Liste.
Wenn das Perinatalzentrum am Diak seinen Level-1-Status verliere, schließe das die Finanzierung bestimmter Behandlungen aus. Es könnten dann keine frühgeborenen Kinder, die weniger als 1250 Gramm wiegen, mehr behandelt werden.
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