Stimme+
Scharfe Kritik der Winzer
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

USA erhöhen auch Zölle für Weinimporte aus Europa

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Trumps Politik trifft auch Winzer. Die USA wollen ab 9. April 2025 Zölle in Höhe von 20 Prozent auf Weine aus der EU erheben. Der Verband der Deutschen Weinexporteure (VDW) verurteilt den Handelsstreit auf dem Rücken des Weinsektors scharf.  

Für deutsche Winzer sind die USA der wichtigste Weinexportmarkt.
Für deutsche Winzer sind die USA der wichtigste Weinexportmarkt.  Foto: DWI

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Der amerikanische Weinmarkt ist mit Abstand der bedeutendste Markt für den europäischen und deutschen Weinexporteure. Im Jahr 2024 waren die USA mit Weinimporten aus der EU im Wert von 4,88 Milliarden Euro weiterhin der größte Exportmarkt für EU-Weine, 28 Prozent des Gesamtwerts der EU-Weinexporte. Die US-Geschäfte sind auch für deutsche Weinerzeuger – trotz sinkender Tendenz – nach wie vor ein wichtiges Standbein im Export mit 133.000 Hektolitern im Jahr 2024 und einem Exportwert von rund 63 Millionen Euro.

Bricht der US-Markt für europäischen Wein zusammen, dürfte das die durch Übermengen sowieso schon angespannte Lage hierzulande weiter verschärfen.

Württemberger halten sich traditionell mit dem Export zurück, die Quote liegt insgesamt bei rund drei Prozent. Punktuell machen aber auch Wengerter aus der Region Heilbronn Geschäfte in den USA, etwa die Weingärtner Stromberg-Zabergäu und das renommierte Weingut Dautel aus Bönnigheim. Sie schauen sich bereits nach neuen Märkten um, zumal die Lage vor der Haustür auch schwieriger geworden ist.

Satte 35 Prozent seines Gesamtumsatzes macht der Global Player Christian Dautel mit Exportgeschäften, immerhin fünf bis zehn Prozent mit den Vereinigten Staaten. Schon in der vorherigen Amtsperiode habe Trump die Zölle um 25 Prozent erhöht. „Damals haben wir uns die Zusatzkosten mit dem Importeur geteilt, um unseren Markt nicht zu verlieren. Aber kurz darauf war der Spuk mit Biden vorbei.“  Für Graf Kilian von Bentzel-Sturmfeder aus Ilsfeld-Schozach sei der USA-Export schon während Trumps erster Legislaturperiode „zusammengebrochen“. „Davor lagen wir bei 1200 Flaschen im Jahr. Aber man muss auch viel tun, dass sich dort was dreht. 

„Im Februar haben wir Gott sei Dank noch einen Container mit 9000 Flaschen auf die Reise geschickt“, berichtet Bernd Kost von den Weingärtnern-Stromberg-Zabergäu, die als eine der wenigen Württemberger Genossenschaften stark auf Export setzt und dabei in Amerika vor allem mit Riesling und Spätburgunder gut ankommt. Kost, der immer wieder mit Betrieben aus anderen Regionen auf Messen und Reisen die Fühler nach neuen Märkten ausstreckt, weiß, dass es „manche Kollegen ganz hart trifft“.

Zölle auf EU-Weine: Auch die USA werden durch den Handelsstreit verlieren

Ursprünglich hatte der unberechenbare US-Präsident mit Zöllen auf Wein von 200 Prozent gedroht, nun sind es "nur" 20 Prozent. Dies werde die deutschen und europäischen Weinunternehmen hart treffen und insgesamt zur Verstärkung der wirtschaftlichen Unsicherheit führen. "Durch die Strafzölle wird es erneut zu einem Einbruch im Exportgeschäft für unsere Weinunternehmen kommen. Zölle in dieser Höhe können nicht an den Konsumenten weitergegeben werden“, so Gerhard Brauer, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Weinexporteure.

„Aber auch für die USA werden Investitionstops, Preiserhöhungen und eine damit verbundene höhere Inflation die Folge sein. Europäische Weine ins Visier zu nehmen, wird auf beiden Seiten des Atlantiks nur Verlierer hervorbringen. Wir fordern eindringlich, dass sich dieser Handelsstreit nicht weiter hochschaukelt! Der amerikanische Weinmarkt ist mit Abstand der bedeutendste Markt für den europäischen und deutschen Weinsektor – es gibt keinen alternativen Weinmarkt, der den Verlust des US-Marktes ausgleichen könnte.“, fährt Brauer fort.

EU-Reaktion: Ursula von der Leyen spricht von einem „schweren Schlag“

Als Reaktion auf diese Zölle äußerte sich die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sehr besorgt und nannte den Schritt einen „schweren Schlag“ für die Weltwirtschaft. Sie bekräftigte die Bereitschaft der EU zu Verhandlungen, bestätigte aber, dass Gegenmaßnahmen in Vorbereitung seien. Die Zeit für Verhandlungen ist sehr knapp, da die Zölle der USA bereits am 9. April in Kraft treten werden. Der Verband Deutscher Weinexporteure hält in jedem Fall seine Forderung aufrecht, dass im Falle von Gegenmaßnahmen US-Weine aus der EU-Liste möglicher Produkte, die Gegenstand künftiger Vergeltungsmaßnahmen sein könnten, gestrichen werden. 

Chile, Argentinien, Neuseeland und Australien sind im Vorteil

„Die Tatsache, dass die EU stärker betroffen ist als andere Handelspartner, zeigt wieder die geopolitische Dimension dieses Handelskonflikts. Im Ergebnis sind Konkurrenten auf dem US-Weinmarkt wie Chile, Argentinien, Neuseeland und Australien nur einem Strafzoll von 10 Prozent ausgesetzt und daher im Vorteil “, so VDW-Geschäftsführer Christian Schwörer.

Die Weinsektoren der EU und der USA arbeiten seit Jahren eng zusammen und unterstützen nachdrücklich den freien und fairen Handel und offene Märkte für Wein. „Die Einführung gegenseitiger Zölle auf den transatlantischen Weinhandel erscheint nicht gerechtfertigt, wenn man bedenkt, wie gering der Unterschied zwischen den Zöllen der EU und der USA auf Weinprodukte ist. Gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen hat unserer europäischer Dachverband CEEV sich konsequent gegen die Einführung von Zöllen auf Wein in der ganzen Welt ausgesprochen und die Abschaffung der auf unseren Märkten geltenden Zöllen gefordert“, fasst Schwörer zusammen. „Die EU und die USA müssen sich erneut um eine Verhandlungslösung bemühen, die die Anwendung von Zöllen auf Weinerzeugnisse verhindert. Diese Lösung könnte in Form eines fairen und auf Gegenseitigkeit beruhenden Handelsabkommens für Wein erfolgen“, fordert der VDW-Vorsitzende Gerhard Brauer abschließend.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben