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Handelskrieg mit den USA
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Trump droht mit Strafzöllen auf Wein: Winzer aus der Region Heilbronn wären betroffen

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Deutsche Winzer blicken mit großer Sorge in die USA. Präsident Trump droht, Zölle extrem zu erhöhen. Was Erzeuger aus dem Raum Heilbronn dazu sagen.


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Donald Trump sorgt auch bei manchen Winzern für Sorgenfalten. Der unberechenbare US-Präsident droht Europa mit Zöllen auf Wein von 200 Prozent. Eine Flasche aus der alten Welt würde in der neuen dann dreimal soviel kosten als bisher. Trump setzt damit zum Gegenschlag auf europäische Zölle von 50 Prozent auf amerikanischen Whisky an, was seitens der EU wiederum nur eine Reaktion auf Einfuhrzölle von Stahl- und Aluminiumprodukten in Höhe von 25 Prozent ist.

Heilbronner Weingut G.A. Heinrich hat nach Trumps Wahl postwendend reagiert

Auch Winzer aus der Region wären betroffen, zum Beispiel das Heilbronner Weingut G.A. Heinrich, das durch verwandtschaftliche Beziehungen – Martin Heinrichs Schwester Bärbel lebt mit ihrer Familie an der Ostküste – immer wieder Wein über den großen Teich schickt.

Ein Bild mit Symbolcharakter: US-Präsident Donald Trump droht, die Hürden für Weinexporte aus Europa enorm zu erhöhen.
Ein Bild mit Symbolcharakter: US-Präsident Donald Trump droht, die Hürden für Weinexporte aus Europa enorm zu erhöhen.  Foto: DWI

„Wir haben schon mit sowas gerechnet und gleich nach Trumps Wahl 1500 Flaschen aufgegeben,“ berichtet Björn Heinrich. Das dürfte dem großen Freundeskreis, der vom bisher „sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis begeistert ist“, zwei Jahre reichen. „Aber insgesamt ist das für uns natürlich eine kleine Nummer“, im Gegensatz zu manch anderem Kollegen in der Pfalz, im Rheingau oder in Rheinhessen. Der gesamte Wein-Export aus Württemberg hält sich bis auf punktuelle Ausnahmen sowieso mit insgesamt ein, zwei Prozent des Gesamtumsatzes in Grenzen.

Christian Dautel hat insgesamt eine hohe Exportquote 

Ausnahmen bilden einige Spitzenbetriebe. Satte 35 Prozent seines Gesamtumsatzes macht der Global Player Christian Dautel aus Bönnigheim mit Exportgeschäften, immerhin fünf bis zehn Prozent mit den Vereinigten Staaten. Schon in der vorherigen Amtsperiode habe Trump die Zölle um 25 Prozent erhöht. „Damals haben wir uns die Zusatzkosten mit dem Importeur geteilt, um unseren Markt nicht zu verlieren. Aber kurz darauf war der Spuk mit Biden vorbei.“

Aktuell hat Dautel „erstmal 2500 Flaschen gecancelt, wir müssen abwarten, keiner weiß so recht, ob Trump Ernst macht.“

Bentzel-Sturmfeder aus Ilsfeld-Schozach ist schon nach Trumps erster Wahl abgesprungen

Für Graf Kilian von Bentzel-Sturmfeder aus Ilsfeld-Schozach sei der USA-Export schon während Trumps erster Legislaturperiode „zusammengebrochen“. „Davor lagen wir bei 1200 Flaschen im Jahr. Aber man muss auch viel tun, dass sich dort was dreht. Früher lief das alles besser.“ Immerhin: Durch gute Kontakte darf Bentzel-Sturmfeder bald eine Woche lang am US-Supermarkt vor der Sindelfinger Panzerkaserne einen Weinstand platzieren.


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„Im Februar haben wir Gott sei Dank noch einen Container mit 9000 Flaschen auf die Reise geschickt“, berichtet Bernd Kost von den Weingärtnern-Stromberg-Zabergäu, die als eine der wenigen Württemberger Genossenschaften stark auf Export setzt und dabei in Amerika vor allem mit Riesling und Spätburgunder gut ankommt. Kost, der immer wieder mit Betrieben aus anderen Regionen auf Messen und Reisen die Fühler nach neuen Märkten ausstreckt, weiß, dass es „manche Kollegen ganz hart trifft“.

Die USA sind für Deutschland wichtigster Weinexportmarkt

Bricht der US-Markt für europäischen Wein zusammen, dürfte das die durch Übermengen sowieso schon angespannte Lage hierzulande weiter verschärfen. Die USA sind für Deutschland wichtigster Weinexportmarkt, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI).

2024 hätten die deutschen Weinexporteure rund 13 Millionen Liter Wein ausgeführt und damit 63 Millionen Euro erlöst. Der Durchschnittspreis habe sich 2024 im Schnitt um 22 Cent pro Liter auf 4,75 Euro je Liter gesteigert. Trotz eines Rückgangs der Menge von fünf Prozent, sei der Exportwert dadurch bei 63 Millionen Euro stabil geblieben. Dies sei immerhin ein Sechstel des Gesamtexportwerts von 384 Millionen Euro. „Die Zölle würden die Branche daher sehr heftig treffen“, erklärt Büscher. 2019 hätten die Strafzölle Wertverluste von über 20 Prozent für die deutschen Weinexporteure zur Folge gehabt. „Strafzölle von 200 Prozent würden den Export in die USA wahrscheinlich komplett ausbremsen.“

Deutsche Weinexporte sind 2024 insgesamt gestiegen

Deutschland hat 2024 1,2 Millionen Hektoliter Wein exportiert. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus Zahlen hervorgeht, die das Deutsche Weininstitut (DWI) auf der Messe ProWein 2025 veröffentlicht hat. Der Exportwert blieb dabei stabil bei 384 Millionen Euro, der Durchschnittserlös sank entsprechend um 11 Cent/Liter auf 3,24 Euro/Liter.  „Wir beobachten derzeit weltweit den Trend zu einem verstärkten Weißweinkonsum. Als traditionelles Weißweinland mit einem Anteil von 69 Prozent weißer Rebsorten im Anbau sind wir für diese Entwicklung gut aufgestellt“, erklärte DWI-Geschäftsführerin Monika Reule. 

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