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Politik-Influencer David Matei: "Habe Feinde und Unterstützer auf beiden Seiten"

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Ab Freitag treffen sich Staatenlenker in München, um über die Krisen unserer Zeit zu sprechen. Dabei ist auch der der Stuttgarter Influencer David Matei. Wie er jungen Menschen Weltpolitik näherbringen will.

Politik verständlich erklären und damit Fake News entgegentreten: Das versucht Content Creator David Matei auf Plattformen wie Tiktok und Instagram. Im Hauptberuf ist er Jugendoffizier bei der Bundeswehr in der Region Stuttgart.
Politik verständlich erklären und damit Fake News entgegentreten: Das versucht Content Creator David Matei auf Plattformen wie Tiktok und Instagram. Im Hauptberuf ist er Jugendoffizier bei der Bundeswehr in der Region Stuttgart.  Foto: privat

Die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) gilt als die weltweit bedeutendste Konferenz zu Fragen der internationalen Sicherheit. Ab 14. Februar kommen Staatschefs aus aller Welt, Militärexperten und Meinungsführer drei Tage lang im Bayerischen Hof zusammen, um über Krieg und Frieden, Demokratie und Klimaschutz zu diskutieren.

David Matei aus Stuttgart ist zum ersten Mal dabei. Der Soldat ist Content Creator und darf hinter die Kulissen blicken. Die MSC mitzuerleben sei schon seit Jahren sein Traum, sagt der 31-Jährige im Interview.

Was bedeutet die Einladung zur Münchner Sicherheitskonferenz für Sie?

David Matei: Ich empfinde die Einladung als riesige Wertschätzung meiner Person und meiner Arbeit. Seit Anfang 2024 gebe ich so richtig Gas mit meinen Inhalten auf Tiktok und anderen Plattformen. Mein Ziel war es, innerhalb eines Jahres so gut zu werden, dass man auf mich aufmerksam wird. Und es hat funktioniert. Im Juli wurde ich nach Washington zum Nato-Gipfel eingeladen und durfte unter anderem ins Weiße Haus und Interviews führen, jetzt kam die Einladung nach München. Dass Leute wie ich Zugang bekommen, bedeutet auch, dass eine neue Zielgruppe, die Generation Z, erreicht wird.

In Deutschland haben Parteien erst mit der Europawahl erkannt, dass sie den Rechtsextremen nicht die Sozialen Medien überlassen dürfen. Was ist Ihre Herangehensweise?

Matei: Mir geht es bei meiner Arbeit darum, Desinformation und Fake News jeglicher Art entgegenzutreten und den Raum nicht extremen, ideologischen oder demokratiefeindlichen Gruppierungen zu überlassen – unabhängig von deren politischer Ausrichtung. Der frühere Nato-Chef Jens Stoltenberg, der eigentlich schon als neuer Chef der Sicherheitskonferenz feststand, hat das Content-Creator-Programm mit nach München gebracht (jetzt wurde bekannt, dass Stoltenberg das Amt nicht antritt und stattdessen Finanzminister in seiner Heimat Norwegen wird, Anm. d. Red.). So bekommen ungefähr fünf von uns ungefilterten Zugang zur MSC. 

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Sie sind in Ihrem Beruf Jugendoffizier bei der Bundeswehr im Großraum Stuttgart. Privat erklären Sie Sicherheitsthemen in Videos und Podcasts. Wie kam es dazu?

Matei: Ich habe mich schon immer gern mit Politik beschäftigt, die Münchner Sicherheitskonferenz verfolge ich seit vielen Jahren, sie ist für mich das Thermometer der Weltpolitik. Und ich breche in meinem Job gerne komplexe Sachverhalte für junge Menschen herunter. Als Jugendoffizier bin ich quasi täglich in Schulen und an Unis unterwegs und spreche dort über Themen wie den Ukraine-Krieg, die transatlantische Partnerschaft und die Rolle der Bundeswehr. Das Interesse junger Menschen an Politik ist groß, gleichzeitig haben viele Angst vor einem Krieg. Das führt zu vielen Fragen. Irgendwann habe ich mich dann entschieden, das Wissen aus meinem Job quasi doppelt zu nutzen, um politische Inhalte für die sozialen Medien zu erstellen.

Welche Reaktionen bekommen Sie?

Matei: Die gesamte Bandbreite. Mein Ziel ist es, Leute so gut zu informieren, dass sie sich selbst eine Meinung bilden können. Deshalb endet auch fast jedes meiner Videos mit einer polarisierenden Frage. Das funktioniert, die Inhalte werden in den Kommentaren teils sehr kontrovers diskutiert. Und ich habe Feinde und Unterstützer auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Konservative sagen mir: „Ich mag dich ja, aber du bist so eine linke Socke.“ Aus dem linken Lager höre ich dagegen manchmal den Vorwurf, ich sei „ein Nazi“. Das zeigt mir, dass meine Beiträge insgesamt ganz ausgewogen sein müssen. 

Ins Visier russischer Staatsmedien sind Sie auch schon geraten.

Matei: Ja, die große russische Zeitung Prawda hat über Jugendoffiziere bei der Bundeswehr berichtet und damit die Behauptung verknüpft, wir seien eloquent und gutaussehend, und das sei die Strategie, um westliche Propaganda zu verbreiten. 

Welches Gefühl hat das bei Ihnen ausgelöst?

Matei: Ich dachte mir, okay, jetzt wissen sie auch über mich Bescheid. Gleichzeitig musste ich schmunzeln über die Kategorien „gutaussehend und eloquent“. Besonders spannend war für mich zu beobachten, wie durch das Verdrehen oder anders Darstellen meiner Tätigkeit Stimmung gegen uns gemacht wird. Ich konnte Desinformation quasi von ihrer Entstehung bis zu ihrer Verbreitung am eigenen Leib nachvollziehen.

Geben Sie uns einen Ausblick: Was bekommen wir aus München von Ihnen zu sehen?

Matei: Mich interessiert die Atmosphäre vor Ort. Wie fühlt es sich an, hautnah dabei zu sein, wenn große Politik gemacht wird? Wie ist es, wenn sich die Leute in den Gängen des Bayerischen Hofes aneinander vorbeischieben? Welche besonderen Gäste kommen: Kommt eine syrische Delegation der neuen Machthaber, kommt US-Präsident Donald Trump? Ein Newsticker ist von mir nicht zu erwarten, das machen andere schon. Mir geht es eher um die Hintergründe, auch darum, was im Medienzentrum und an den unterschiedlichen Veranstaltungsorten passiert. 

David Matei (31) ist politischer Content Creator. So werden Menschen bezeichnet, die Inhalte für Soziale Medien wie Tiktok, Instagram oder X produzieren. Seine Hauptplattform ist sein Kanal @sicherheitspolitik bei Tiktok mit über 190.000 Followern. Mit einem Podcast erreicht er zweimal pro Woche etwa 10.000 Abonnenten. Diese Jobs macht Matei als Privatperson. In seinem Hauptberuf ist er Jugendoffizier bei der Bundeswehr. Er lebt im Raum Stuttgart. 

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