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Gegen den Schrecken der Mafia: Leoluca Orlando spricht im Künzelsauer Carmen-Würth-Forum

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Leoluca Orlando, ehemaliger Bürgermeister von Palermo, hat geschafft, was lange unmöglich schien - die süditalienische Stadt von der Macht der Kriminalität zu befreien.

Beim Gespräch im Carmen-Würth-Forum berichtet Leoluca Orlando, ehemaliger Bürgermeister von Palermo, über seinen Kampf gegen die Mafia.
Beim Gespräch im Carmen-Würth-Forum berichtet Leoluca Orlando, ehemaliger Bürgermeister von Palermo, über seinen Kampf gegen die Mafia.  Foto: Würth

Wenn man an Sizilien denkt, dann denkt man an die Sonne, an gutes Essen und Urlaub am Meer - und an die Mafia. Nirgends ist die berüchtigte kriminelle Organisation so tief verankert wie in Süditalien und nirgends wird der Kampf gegen sie erbitterter geführt.

Das weiß kaum jemand besser als Leoluca Orlando, italienischer Jurist und Politiker und ehemaliger Bürgermeister von Palermo. Von 1985 bis 2000 sowie von 2012 bis 2022 regierte er die Stadt. Durch seinen erfolgreichen Kampf gegen die Mafia wurde er international bekannt.


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Am Donnerstag war Orlando im Carmen-Würth-Forum zu Gast, um im Gespräch mit Moderatorin Bernadette Schoog seine Erfahrungen zu teilen. Aus aktuellem Anlass beginnt das Gespräch mit seiner Einschätzung zur Verhaftung des Chefs der sizilianischen Cosa Nostra, Messina Denaro. Nach 30 Jahren Flucht war er am 16. Januar 2023 in Palermo verhaftet worden. Orlando nennt das "einen wunderschöner Tag für Italien" und ist somit direkt in der Thematik.

Der Kampf gegen die Mafia war erfolgreich - fordert aber auch ihren Preis

Er erzählt aus dem Palermo der 1990er Jahre, als die Mafia Verwaltung, Politik und Wirtschaft kontrollierte und wie schwer es war, die Palermitaner selbst vom Kampf gegen die Kriminalität zu überzeugen. Doch einmal auf seiner Seite, wurde Orlando zum Helden der Stadt, er brachte den "Frühling von Palermo". Auf tausende Verhaftungen, Prozesse und Verurteilungen gegen die Mafia folgten für die Stadt wirtschaftlicher Aufschwung, mehr Sicherheit und das Ende der kriminellen Kontrolle.

Für diesen Kampf zahlte Orlando einen Preis. Jahrelang stand er ganz oben auf der Abschussliste, er lebt bis heute unter permanentem Personenschutz. Oft musste er flüchten oder zeitweise das Land verlassen. Natürlich fühle er Angst, aber gerade durch das Bewusstsein darüber könne er sich davon befreien. Seine Wortgewandtheit und sein Witz nehmen das Publikum mit. Man spürt, wie leidenschaftlich er sich der Aufgabe verschrieben hat, die kriminellen Strukturen in Italien zurückzudrängen - ein Kampf, der lange nicht vorbei ist. "Die Mafia hat das Gesicht der Polizei, des Richters - und bis wir nicht alle kennen, haben wir auch nicht gewonnen."

Sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters, der rechtskonservative Roberto Lagalla, steht der Mafia nahe, das besorge ihn zutiefst. Niedrige Wahlbeteiligungen und die neue rechtsextreme Regierung Italiens stimmen ihn nachdenklich.

Neue Herausforderungen: Auch für Geflüchtete setzt sich Orlando ein

In den letzten Jahren wurde er vor allem mit der "Charta von Palermo" bekannt, mit der er sich klar gegen die restriktive Flüchtlingspolitik der italienischen Regierung stellte. "Wenn Sie mich fragen, wie viele Migranten sind in Palermo? Dann sage ich: keine. Wer in Palermo wohnt, ist Palermitaner. Jeder ist willkommen, das ist unsere Zukunft." Orlando stellte legale Wohnungen zur Verfügung, die Möglichkeit rasch zu arbeiten, zur Schule zu gehen, Sozialhilfe sowie eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen.

Denn: "Ein Mafiaboss auf der Flucht ist unsichtbar, ein Migrant ohne Papiere ist es auch - beides ist gefährlich."

 

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