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Künzelsau

Fulminantes Neujahrskonzert der Würth-Philharmoniker im Zeichen der Liebe

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Die Würth-Philharmoniker mit Lana Kos, Joseph Calleja und Ramón Tebar begeisterten ihr Publikum beim Neujahrskonzert. Die Voraussetzungen dafür waren nicht gegeben, weil Lana Kos erst kurzfristig für die erkrankte Christiane Karg eingesprungen war.

Von Leonore Welzin
Ganz im Zeichen der Liebe stand das Neujahrskonzert der Würth-Philharmoniker mit Lana Kos und Joseph Calleja.
Ganz im Zeichen der Liebe stand das Neujahrskonzert der Würth-Philharmoniker mit Lana Kos und Joseph Calleja.  Foto: Ufuk Arslan

Mit zwei Zugaben klingt das Neujahrskonzert der Würth-Philharmoniker unter Leitung von Ramón Tebar im Carmen-Würth-Forum aus: Zunächst entdecken Mimi und Rodolfo in Puccinis "La Bohème" ihre Zuneigung, die sie sich im Duett beteuern: "O soave fanciulla" ("O liebliches Mädchen, o süßes Antlitz") - singend verlassen sie die Mansarde, um ihren Künstlerfreunden ins Quartier Latin zu folgen.

Formvollendet durchkomponiert und gesanglich vom Feinsten, treffen sich bei Puccini die beiden Protagonisten auch stimmlich in höchster Höhe. Allem Anfang wohnt ein Zauber inne, möchte man Hermann Hesse zitieren, denn nur wenige Monate später stirbt Mimi an Tuberkulose. Eine Oper des Verismo mit tragischem Ausgang.

Ganz anders die Operette "Die Lustige Witwe" (Franz Lehár), aus der die zweite Zugabe stammt: "Lippen schweigen, "s flüstern Geigen, hab mich lieb. Jeder Druck der Hände deutlich mir"s beschrieb, er sagt klar"s ist wahr, du hast mich lieb". Und so tanzt bei jedem Walzerschritt auch die Seele mit. Machte der Standesunterschied zwischen Graf Danilo und Hanna, dem Mädchen vom Lande, eine Verbindung unmöglich, findet sich das Paar - dem Libretto sei Dank - als Hanna zur wohlhabenden Witwe wird.

Gefühlslage intuitiv erfasst

Fantastisch, wie Lana Kos und Joseph Calleja in den, aus dem Kontext der Oper isolierten Duetten die jeweilige Gefühlslage - offensichtlich intuitiv - erfassen. Für Proben war kaum Zeit, denn die kroatische Sopranistin war kurzfristig für die erkrankte Christiane Karg eingesprungen.

Mal dramatisch aufgeladen in "La Bohème", mal augenzwinkernd flirtend in der "Lustigen Witwe", was Kos und Calleja auf kleinster Fläche darstellerisch wie gesanglich an Energie generieren, was sie an Nuancen, Intensität und Einfühlungsvermögen umsetzen und bis in die Galerie transportieren, ist einfach großartig. Vom ersten bis zum letzten Ton überzeugen die Würth-Philharmoniker unter dem frischen Schwung des spanischen Maestro. Unterschiedlichste Stimmungslagen vermitteln sich durch den ganzen Körper, komprimieren sich in der tiefen Hocke, entladen sich in weiten Flügelschlägen der Arme. Der Taktstock schnellt durch den Raum - doch nicht etwa um dem Stier den Todesstoß zu versetzen, nein, nur um die Musiker noch ein wenig mehr zu animieren, das Belcanto der Stars im Zusammenspiel mit den Instrumenten noch etwas mehr glänzen zu lassen.

Immergrünes Duett der Liebenden

Vom ersten Wort "L"Amour!" des Romeo wie dem Seufzer der Juliette "Ah! Je veux vivre" (Charles Gounod) über Rezitativ und der Arie der Micaela "C"est des contrebandiers" sowie dem Duett "Parle-moi de ma mère", beides aus "Carmen" (Georges Bizet) bis zu den Hits aus dem Musical West Side Story (Leonard Bernstein) "I feel pretty" (Song der Maria), dem Schmachtfetzen "Maria" (Song des Tony) und "Tonight", dem immergrünen Duett der Liebenden aus unterschiedlichen Lagern, scheint alles in diesem Konzert im Zeichen der Liebe zu stehen.

Selbst die Farbwahl der ausladenden Abendroben von Kos folgen der Liebeslogik: Reines Weiß vor der Pause, danach feurige Rottöne sprechen für das Spektrum von jungfräulicher Unschuld bis heiß entflammter Leidenschaft.

Leidenschaftlich ist bereits der Anfang, quasi ein musikalischer Startschuss, ein knallender Korken, gar ein Doppelwumms? Welches der Instrumentalstücke - die Farandole aus der "Arlesienne Suite Nr.2" von Bizet, die Ouvertüre der "Fledermaus", eine beschwipst turbulente Verwechslungskomödie von Johann Strauß (Sohn) oder dessen Ouvertüre der Operette "Der Zigeunerbaron" - wohl das Zeug zum Doppelwumms hätte? Der Applaus im ausverkauften Carmen-Würth-Forum deutet auf die Farandole. Musikalisch von Ramón Tebar rasant in Szene gesetzt, wird aus dem provenzalischen Volkstanz ein veritables Feuerwerk. Erst trumpft die Farandole marschartig auf, doch dann verwandelt sie sich in schnellem 6/8-Takt in einen heiter friedlichen Reigen. Welch gutes Omen für das Jahr 2023.

 

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