Umweltbundesamt fordert das Ende der Holzheizung
Gefährlicher Feinstaub: Mit neuen Grenzwerten würden viele Kaminöfen vor dem Aus stehen. Die Pelletheizung darf wohl weiter genutzt werden, doch Bestandsanlagen wären nicht grundsätzlich geschützt.

Das Umweltbundesamt plädiert für neue Grenzwerte, die vielen Kaminöfen den Garaus machen könnten. Das UBA empfiehlt zudem, bei Neuanlagen ganz auf Holzheizungen zu verzichten.
Es geht darum, Feinstaubwerte zu reduzieren. Zwar sinken die Zahlen seit Jahren. Die EU-Grenzwerte wurden mit großen Anstrengungen im Verkehrssektor zuletzt endlich unterschritten. Allerdings empfiehlt das UBA nun, diese Grenzwerte an die neueren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO anzupassen.
Klimafreundlichkeit zählt nicht mehr
Wer viel Geld in einen Pellet- oder Scheitholzofen investiert hat, tat dies in der Vergangenheit häufig mit dem guten Argument im Rücken, auch etwas für den Klimaschutz zu tun. Vor zehn Jahren erklärten Experten noch unzweideutig: "Unbestritten ist die Klimafreundlichkeit beim Heizen mit Holz, weil es einigermaßen CO2-neutral verbrennt."
Das sieht das Umweltbundesamt heute anders und wünscht sich aus Klimaschutz-Überlegungen einen Umstieg auf Wärmepumpen, die mit grünem Strom betrieben werden.
Das Holz soll im Wald bleiben
Den Einsatz von Holzheizungen lehnt sie auch ab, weil das "nachhaltig verfügbare Potenzial an Holz ausgeschöpft" sei, erklärt das UBA auf Anfrage unserer Zeitung. "Im schlimmsten Fall" würde den Wäldern mehr Holz zum Heizen entnommen als nachwächst, was die Klimabilanz der Holzheizungen drastisch verschlechtern würde.
Allerdings räumt das UBA auch ein, dass Wärmepumpen, die mit dem aktuellen Strommix betrieben werden, gut sieben mal mehr CO2 verursachen als eine Pelletheizung.
Holz verursacht beim Verbrennen viel Feinstaub
Entscheidend für die kritische Sicht auf den nachwachsenden Energieträger Holz ist allerdings nicht die CO2-Bilanz der Öfen, sondern der bei der Verbrennung entstehende Feinstaub.
Dabei hat das UBA insbesondere den besonders feinen Feinstaub im Blick, dessen Partikel einen Durchmesser von unter 2,5 Mikrometer haben und damit besonders weit in die Lunge vordringen. Holz produziert besonders viel von diesem PM2,5-Feinstaub, insbesondere, wenn es beim Abbrand wegen zu viel Feuchtigkeit im Holz oder zu geringer Luftzufuhr qualmt.
Dem Trend zum Pellet- oder Kaminofen etwas entgegensetzen
Die Nachfrage nach Holzheizungen nimmt zu. Auch dieser Entwicklung will das Umweltbundesamt offenbar nicht länger tatenlos zusehen. Nach bereits kräftigen Zuwächsen in den Vorjahren legte der Verkauf von Pelletheizungen auch 2021 um gut 50 Prozent zu, meldet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).
Im Gegensatz zu den langfristig steigenden Öl- und Gaspreisen schienen Pelletpreise relativ stabil zu sein. Schließlich werden die kleinen Presslinge aus dem Holzabfall der Sägeindustrie hergestellt.
WHO halbiert den relevanten Grenzwert
Hinzu kommt, dass die WHO erst vor wenigen Monaten ihre ohnehin schon strengen Empfehlungen für bessere Luftqualität überarbeitet hat. Dabei wurden die Maximalwerte für PM2,5-Feinstaub auf fünf Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt. Der EU-Grenzwert liegt bei 25 Mikrogramm.
"Der für PM2,5 empfohlene Maximalwert wird fast überall in Deutschland überschritten. Daher sind weitere Anstrengungen nötig, um die Freisetzung von Feinstaub und seinen Vorläufersubstanzen weiter zu reduzieren", erklärt das UBA dazu.
Damit begründet das UBA die Empfehlung, bei Neuanlagen ganz auf Holzheizungen zu verzichten. Ein "generelles Betriebsverbot bestehender Anlagen" sei derzeit nicht vorstellbar, betont das Amt.
Einschränkungen durch EU möglich
Die Aussage hat es allerdings in sich. Ein Betriebsverbot in belasteten Zonen oder zu gewissen Zeiten scheint damit nicht ausgeschlossen zu sein. Zudem, so heißt es explizit, könnten sich Einschränkungen für den Betrieb von "Komfortkaminen" ergeben, also beispielsweise Kaminöfen, die nicht alleinige Wärmequelle für eine Wohneinheit sind. In Stuttgart etwa gab es bei Feinstaub-Alarm schon bisher ein Betriebsverbot für Kaminöfen. Wenn nun die Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft verschärft werden, könnten solche Verordnungen vielerorts zur Geltung kommen. Die Novellierung der EU-Luftqualitätsrichtlinien steht an.
Neuer Chef im Umweltbundesamt
Hintergrund der Warnung vor Holzheizungen ist laut Umweltbundesamt zwar die neue Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Auffällig ist dennoch, dass sich die Einschätzung des Umweltbundesamts zur Feinstaubproblematik in Deutschland vor drei Jahren noch ganz anders las. "Von Smogverhältnissen wie in Peking kann in Deutschland keine Rede sein, auch in Gegenden mit einem hohen Anteil an Holzeinzelfeuerungen", heißt es in einer Mitteilung von Dezember 2018.
Möglicherweise hat die neue Sichtweise mit einem Wechsel an der Spitze der Behörde zu tun: Seit Januar 2020 ist Dirk Messner neuer Chef des Umweltbundesamts. Bei der Pressekonferenz zur Luftqualität verwies er zuletzt auf Zahlen der Europäischen Umweltagentur EUA, wonach es 2019 in der EU hochgerechnet 307.000 Todesfälle allein durch Feinstaub gab, davon 53.800 in Deutschland.
"Jedes Mikrogramm Luftbelastung weniger ist gut für unsere Gesundheit", sagte Messner dort. Und: "Holz sollte im Wald verbleiben oder in langlebigen Produkten verarbeitet werden."




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