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Polen will sich nach Drohnenabschuss mit Nato-Verbündeten beraten

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Nachdem Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sind, hat Polen Nato-Konsultationen beantragt. Es soll zu mindestens 19 Verletzungen des Luftraums gekommen sein.

Von red/dpa

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Mehr als ein Dutzend Drohnen sind während russischer Angriffe auf die Ukraine in den Luftraum über Polen eingedrungen. Die Regierung in Warschau zieht daraus Konsequenzen und hat Konsultationen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags mit den Verbündeten beantragt. Das sagte Regierungschef Donald Tusk im Parlament in Warschau.

Polen beantragt nach Drohnenabschuss Nato-Konsultationen

„Wir erwarten deutlich mehr Unterstützung bei der Verteidigung des polnischen Luftraums“, betonte Tusk. Diese Provokation überschreite die bisherigen Grenzen. Der Artikel 4 des Nato-Vertrags sieht Beratungen vor, wenn sich ein Nato-Staat von außen gefährdet sieht.

Konkret heißt es darin: „Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“ Konkrete Konsequenzen müssen die Konsultation der Artikel-4-Beratungen nicht haben. Theoretisch könnte aber etwa in Folge die Luftraumüberwachung über die Nato verstärkt werden.

Feuerwehrleute sichern Teile einer beschädigten, von polnischen Behörden abgeschossenen Drohne auf einem Gelände in Czosnówka in der Nähe von Biala Podlaska.
Feuerwehrleute sichern Teile einer beschädigten, von polnischen Behörden abgeschossenen Drohne auf einem Gelände in Czosnówka in der Nähe von Biala Podlaska.  Foto: Piotr Pyrkosz

Der Artikel wurde seit Gründung des Bündnisses 1949 sieben Mal in Anspruch genommen – zuletzt am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine. Beantragt wurde das damals von Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechien und der Slowakei. 

Nach Drohnenabschuss über polnischen Luftraum – bisher keine Berichte über Verletzte

Dass Polen nach dem Vorfall um militärische Unterstützung der Allianz nach Artikel 5 bittet, galt als sehr unwahrscheinlich – auch weil dies ein erhebliches Eskalationsrisiko bergen würden. Artikel 5 des Nato-Vertrags regelt die Beistandsverpflichtung in der Allianz und besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere Alliierte als ein Angriff gegen alle angesehen wird.

In der Nacht auf Mittwoch waren während eines massiven russischen Angriffs auf die Ukraine mehrere Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen. Nach Angaben von Tusk handelte es sich um russische Drohnen. Insgesamt seien mindestens 19 Verletzungen des polnischen Luftraums in der Zeit zwischen 23.30 Uhr und 6.30 Uhr festgestellt worden. Drei Drohnen seien abgeschossen worden, möglicherweise auch eine vierte. Viele der unbemannten Flugobjekte seien direkt aus dem Nachbarland Belarus gekommen. Belarus ist ein enger Verbündeter Russlands im Ukraine-Krieg.

Bisher gibt es keine Berichte über Verletzte. Im ostpolnischen Dorf Wyriki wurde das Dach eines Wohnhauses von Trümmern einer abgeschossenen Drohne getroffen. Weitere Trümmerteile wurden in der Nähe des ostpolnischen Biala Podlaska gefunden. Polizei und Militär sind weiterhin auf der Suche nach Drohnen oder Drohnenteilen. Der Generalstab rief die Bevölkerung auf, sich gefundenen Trümmerteilen nicht zu nähern, sondern den Notruf zu wählen und die Polizei über den Fund zu informieren.

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