Trumps Wut auf Kanzler Merz hat Folgen für Deutschland
Der US-Präsident verhängt nach seiner Attacke gegen Kanzler Merz de facto Sanktionen gegen die Bundesrepublik. Keine Tomahawk-Lieferungen, Truppenabzug und Zölle – das transatlantische Verhältnis ist mehr als nur angespannt.
Wieder einmal kämpft der US-Präsident Donald Trump mit seiner Impulskontrolle. Was er gegen Deutschland plant, sieht sehr nach einem Rachefeldzug aus. Zuvor hatte er Bundeskanzler Friedrich Merz scharf attackiert, weil dieser Kritik an den Strategien der USA im Iran-Krieg geübt hatte. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Warum will Donald Trump 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen?
Der geplante Abzug ist nach Angaben des Pentagons das Ergebnis „einer Überprüfung der Truppenpräsenz in Europa und der Bedingungen vor Ort“. Experten vermuten aber, dass Trump damit auf die Kritik antworten will, die Bundeskanzler Friedrich Merz am Iran-Krieg geübt hat. Merz hatte gegenüber Schülern im Sauerland gesagt, dass „die Iraner stärker sind, als gedacht“, es den USA „an einer überzeugenden Strategie fehlt“ und die iranische Führung „eine ganze Nation demütigt“.
Welche Stützpunkte werden betroffen sein?
Das hat die US-Regierung noch nicht konkretisiert. Unter Militärexperten ist umstritten, ob Trump die Pläne wie angekündigt in sechs bis zwölf Monaten umsetzen wird.Auch glauben einige, dass wichtige Stützpunkte wie die Kommandozentralen in Stuttgart und Wiesbaden, der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr und Ramstein, welches ein wichtiges Drehkreuz für die US-Luftwaffe ist, weitgehend verschont bleiben könnten.
Ist der Zoff mit dem Kanzler auch der Grund für die Anhebung der Autozölle von 15 auf 25 Prozent?
Offiziell heißt es, dass die höheren Abgaben eine Reaktion auf die schleppende Umsetzung des „Turnberry-Abkommens“ aus dem Juli vergangenen Jahres sind.Als Gegenleistung für eine Senkung der Zollsätze von 25 Prozent auf 15 Prozent hatte sich die EU verpflichtet, von den USA Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen und 600 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Inoffiziell bestätigen Regierungsvertreter aber, dass die verschärften Sanktionen ebenfalls eine Folge von Trumps Zorn auf Merz sind.
Verbietet das jüngste Urteil des Supreme Court nicht eine Anhebung der Zölle?
Nein, Das Urteil bezog sich auf die sogenannten „reziproken Zölle“, die Trump im April 2025 angeordnet hatte. Diese setzen eine Gefahr für die nationale Sicherheit voraus, die nach Ansicht des Gerichts nicht vorlag. Die Autozölle beruhen auf einem Gesetz aus dem Jahr 1962. Dieses ermächtigt den Präsidenten, Sanktionen zu verhängen, wenn sein Handelsminister eine Sicherheitsgefahr sieht.
Werden sich die Wogen zwischen Trump und Merz wieder glätten?
Gegen eine baldige Aussöhnung spricht die Tatsache, dass Trump am Wochenende nachlegte. Drei Tage nach den Merz-Äußerungen schrieb Trump auf Truth Social, dass der Kanzler „sich um sein kaputtes Land kümmern soll, anstatt sich in die Angelegenheit anderer Länder einzumischen“.Außerdem kündigte der US-Präsident an, sogar deutlich mehr als 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Ebenfalls von erheblicher Bedeutung: Die versprochenen Tomahawk-Raketen sollen nicht nach Deutschland gebracht werden.
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