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AfD-Erfolg bei jungen Wählern: Auch in Brandenburg stärkste Kraft bei unter 30-Jährigen

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Die AfD wird auch in Brandenburg bei den unter 30-Jährigen stärkste Kraft. Experten sehen verschiedene Gründe für den Erfolg.


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In den sozialen Medien ist keine Partei so präsent wie die AfD. Damit erreicht sie die jungen Menschen zielgenauer als die anderen Parteien. Das gilt als einer der Gründe für den Erfolg bei jungen Wählern, der sich bei den Landtagswahlen in Brandenburg vergangenen Sonntag erneut bestätigt hat. Es gibt allerdings noch weitere.

Landtagswahl in Brandenburg: Die Wahlergebnisse im Überblick

Bei der Wahl wurde die Partei bei den unter 30-Jährigen mit Abstand stärkste Kraft. In der Gruppe der 16- bis 24-Jährigen kam die AfD laut infratest dimap auf 31 Prozent, ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zu den Wahlen 2019. Bei den 25- bis 34-Jährigen lag das Ergebnis bei 33 Prozent, ein Plus von 3 Prozent. Auf Platz zwei landete in beiden Gruppen die SPD mit jeweils 19 und 20 Prozent, auf Platz drei lag mit 9, beziehungsweise 11 Prozent die CDU.

Dramatisch waren die Verluste bei den Grünen: Die Partei kam bei den 16- bis 24-Jährigen lediglich auf 6 Prozent, ein Verlust von 21 Prozent im Vergleich zu 2019. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen lag das Ergebnis bei 6 Prozent, was ein Minus von 9 Prozent zu den letzten Wahlen bedeutet. 

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen vor drei Wochen. Auch hier war bei den unter 30-Jährigen keine Partei erfolgreicher als die AfD. In Sachsen kam sie auf 29, in Thüringen auf 35 Prozent und das, obwohl die beiden Landesverbände vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft sind, in Brandenburg ist der Landesverband ein rechtsextremer Verdachtsfall. 

Radikalisierung im Netz: Soziale Medien wirken als Katalysator

Einer der Gründe für den Erfolg der rechtsaußenstehenden Partei sehen Lehrerverbände im Einfluss rechtspopulistischer Kräfte in sozialen Medien. Online-Netzwerke könnten "gerade zu Beginn einer Radikalisierung wie ein Katalysator wirken", sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Brand warnt, dass man hier schnell in einen "Sumpf aus gefährlicher Weltanschauung und Selbstbestätigung" komme. Es brauche mehr und bessere Medienbildung an Schulen, Schüler müssten befähigt werden, Inhalte kritisch zu hinterfragen.

Gründe für AfD-Erfolg: Allgemeine Verunsicherung über die Zukunft

Keine Partei ist in den sozialen Medien, besonders auf TikTok, so erfolgreich wie die AfD. Maximilian Krah, ehemaliger Europa-Spitzenkandidat der AfD, verlor seine Ämter aufgrund revisionistischer Aussagen über die SS. Auf TikTok ist er weiterhin ein Star, seine Videos werden millionenfach geklickt.

Zuletzt beteiligte er sich am Wahlkampf für die AfD in Brandenburg, sein Social-Media Stratege sagte über den Einfluss auf die Jugend: Durch TikTok habe man „90 Minuten am Tag ein Fenster in deren Gehirn, wo man reinsenden kann“.

Experte: "AfD nutzt Verunsicherung gezielt aus"

Dass die sozialen Medien eine zentrale Rolle spielen, bestätigte auch Experte Johannes Hillije gegenüber dem ZDF. Hinzu komme eine allgemeine Verunsicherung über die eigene Zukunft, Inflation, Migration, Klimakrise würden junge Menschen belasten. 

„Für all das finden sie bei den etablierten Parteien offenbar keine adäquaten Antworten, die für sie und ihr Leben passen und diese Verunsicherung nutzt die AfD sehr gezielt aus“, sagt Hillije. Bereits bei den Europawahlen im Juni war die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen erfolgreich und wurde mit 16 Prozent zweitstärkste Kraft, knapp hinter der CDU.

Politologe sieht Parallelen zwischen Nationalsozialismus und AfD

Der Politologe Jürgen Falter beschäftigt sich in seiner Forschung insbesondere mit der Massenmobilisierung im Nationalsozialismus und sieht Parallelen zwischen Strategien und Erfolg der AfD heute und der NSDAP damals. „Der Vergleich lohnt“, erklärte er im Gespräch mit dem „Spiegel“, auch die NSDAP sei mit Abstand die Partei mit dem jüngsten Altersschnitt gewesen. Besonders Kriegskinder, geboren zwischen 1900 und 1915, hätte es zu der rechtsextremen Partei gezogen. 

Nicht eindeutig sei aufgrund fehlender Daten allerdings inwiefern junge Wähler maßgeblich zum Erfolg der NSDAP beigetragen haben. Parallelen gebe es auch in der Art der politischen Propaganda, in der „Verächtlichmachung des politischen Gegners“.

Generationenforscher: AfD-Erfolg nicht überraschend

Der Generationenforscher Rüdiger Maas vom Augsburger Institut für Generationenforschung bewertete nach den Wahlen in Sachsen und Thüringen das Ergebnis bei den jungen Wählern als nicht überraschend. Es finde eine „Normalisierung der Partei“ statt, junge Menschen würden nicht mehr im klassischen Links-Rechts-Spektrum unterscheiden, erklärte er gegenüber dem ZDF.

Den anderen Parteien wirft der Experte eine Mitschuld vor. AfD-Themen seien stark aufgegriffen worden, wodurch viele AfD-Wähler sich bestätigt fühlten, im richtigen Spektrum zu sein.

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