Neues Wahlsystem bei Landtagswahl: Warum die Zweitstimme wichtig ist
Endspurt für die Landtagswahl: Auch in der Region Heilbronn werben manche Kandidaten gezielt für Erst- oder Zweitststimme. Das sind die Gründe.
Bei der Landtagswahl am Sonntag, 8. März, gilt ein neues Wahlrecht, erstmals gibt es wie auch bei den Bundestagswahlen eine Erststimme für den Direktkandidaten im Wahlkreis und eine Zweitstimme für die Landesliste. Einzelne Kandidaten in der Region Heilbronn bitten Wähler, der entsprechenden Partei durch die Zweitstimme ein Kreuz zu geben – nur so käme der Kandidat in den Landtag. Andere setzen vorwiegend auf die Erststimme. Grund ist das Wahlsystem.
Der Landtag hat mindestens 120 Sitze, und 70 davon gehen an die Direktkandidaten. Ausführlich informiert die Landeszentrale für politische Bildung über das Wahlsystem. Mit der Erststimme werden die Direktkandidaten gewählt. Wer in einem Wahlkreis also die meisten Erststimmen bekommt, ist definitiv im Landtag vertreten. Das gilt übrigens unabhängig davon, ob die jeweilige Partei des Kandidaten über die Fünf-Prozent-Hürde kommt oder nicht.
Erst- und Zweitstimme bei Landtagswahl 2026: Was bedeutet Splitting?
Mit der Zweitstimme werden die Landeslisten der Parteien gewählt. Zudem entscheidet diese Stimme über die prozentuale Verteilung der Sitze zwischen den Parteien. Wahlberechtigte können mit der Erst- und Zweitstimme eine Person und deren Parteiliste wählen – oder aber sie entscheiden sich für einen Direktkandidaten einer Partei A und für die Liste der Partei B. Dieses Wählerverhalten wird Splitting genannt.
Mit der Zweitstimme wird zudem berechnet, wie viele Mandate den Parteien zustehen. Nun kann es passieren, dass eine Partei mehr Direktmandate erreicht, als ihr entsprechend der Berechnung überhaupt zustehen. Diese Sitze darf die Partei behalten (Überhangmandate). Als Ausgleich dafür bekommen die anderen Parteien ebenfalls zusätzliche Sitze (Ausgleichsmandate). Aufgrund dieses Wahlsystem befürchten Kritiker, dass der Landtag auf bis zu 200 Mitglieder anwachsen könnte.
Warum und wann die Landeslisten wichtig sind
Die Landeslisten spielen hier nun eine entscheidende Rolle: Über sie haben die Parteien geregelt, in welcher Reihenfolge Personen in den Landtag einrücken. Das gilt aber nur für den Fall, dass einer Partei mehr Sitze im Landtag zustehen, als sie Direktmandate gewonnen hat. Ist das nicht der Fall, hat die Liste keinen Mehrwert.
Für die vier Wahlkreise in der Region bedeutet das: Zwar kämpfen viele Bewerber um ein Direktmandat und stehen zugleich auf der Liste eine Partei, manche sogar weit vorn. Aber selbst ein Spitzenplatz ist kein Garant dafür, dass es ein Kandidat über die Liste in den Landtag schafft, wenn es mit dem Direktmandat nicht klappt. Anders sieht das aus bei kleineren Parteien: Wer mit keinem Direktmandat rechnet, für den ist die Platzierung auf der Liste wichtig.
So wird bei der Landtagswahl ausgezählt
Weitere Beispiele: Eine Partei holt kein Direktmandat, ihr stehen aber laut Zweitstimmen-Ergebnis zehn Sitze zu. Dann ziehen die ersten zehn Kandidaten der Landesliste ein. Wenn dieselbe Partei nun drei Direktmandate holt, kommen nur noch die Listenplätze eins bis sieben zusätzlich rein. Wenn im selben Beispiel ein Direktkandidat beispielsweise zugleich auf Listenplatz zwei steht, dann ziehen trotzdem nur die Personen von den Plätzen eins bis sieben sowie die beiden anderen Direktkandidaten ein.
Wer schafft es in den Landtag? So wurde bislang entschieden
In der Vergangenheit hat es bei den Landtagswahlen nur eine Stimme gegeben. Wer die meisten Stimmen in einem Wahlkreis auf sich vereinigte, kam als Direktkandidat in den Landtag. Zudem wurde mit dieser Stimme berechnet, wie viele Sitze den Parteien zustanden.
Unterlegene Direktkandidaten rückten ebenfalls ins Parlament ein, wenn sie im Vergleich zu anderen Kandidaten ihrer Partei besonders gut abgeschnitten hatten. Aus dem Wahlkreis Eppingen sind deshalb in der nun abgelaufenen Wahlperiode vier Abgeordnete im Parlament, aus dem Wahlkreis Hohenlohe drei, aus Heilbronn nur zwei.
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