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„Wir wurden pulverisiert“ – SPD und FDP suchen nach Wahl-Debakel neuen Kurs

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SPD nur knapp über der Fünfprozenthürde, FDP raus: Das sagen Kandidaten aus den Wahlkreisen in der Region Heilbronn und Hohenlohe zum Landtagswahl-Debakel ihrer Partei.

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Lange Gesichter bei Vertretern von SPD und FDP in den Wahlkreisen der Regionen Heilbronn und Hohenlohe am Tag nach der Landtagswahl. „Es war ein furchtbarer Wahlabend“ kommentiert Rainer Hinderer aus Heilbronn, Landesgeschäftsführer der SPD. Seine Parteigenossen hätten einen „sehr engagierten Wahlkampf gemacht“. Das Wahlergebnis entspreche nicht der Stimmungslage, die die Wahlkämpfer an den Infoständen und bei Veranstaltungen gespürt hätten.

„Es war eine Zuspitzung auf die Personen Hagel und Özdemir“, wiederholt Hinderer die Einschätzung der Parteispitze vom Wahlabend. „Wir wurden pulverisiert, der FDP und den Linken ging es genauso.“

SPD mit deutlichen Verlusten in den Wahlkreisen in der Region Heilbronn

Die SPD ziehe aus dem schlechten Abschneiden ihre Schlüsse. Auf Landesebene hat die SPD mit 5,5 Prozent gerade so den Einzug ins Landesparlament geschafft. In den Wahlkreisen Heilbronn, Eppingen, Neckarsulm und Hohenlohe musste die SPD Abschläge zwischen 5,3 und 6,7 Prozent gegenüber der vorangegangenen Landtagswahl hinnehmen.

Die Landespartei werde sich neu aufstellen, kündigt Hinderer an. Dass die SPD auf die falschen Themen setzte, glaubt der Landesgeschäftsführer nicht: „Wirtschaft, Transformation, Sicherung von Arbeitsplätzen, Wohnen, Pflege: Das sind doch die Themen, die viele Menschen betreffen.“

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Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter Juratovic: „Vielleicht sind wir ein wenig abgenutzt“

Josip Juratovic, der 20 Jahre lang – bis 2025 – für die SPD im Bundestag saß, ringt nach Antworten. „Wenn man einer Volkspartei angehört und das erlebt, muss man sich Gedanken machen, was ist mit dieser Partei los.“ Viele potenzielle SPD-Wähler hätten ihre Stimme den Grünen gegeben, um eine CDU-Führung zu verhindern, ist der Gundelsheimer überzeugt. Die SPD im Land habe von der Regierungsbeteiligung auf Bundesebene nicht profitiert, eher im Gegenteil: „Vielleicht sind wir ein wenig abgenutzt“, wägt der Politik-Routinier ab. Und so hofft Juratovic,  dass sich seine Partei in der Opposition regeneriert: „Wir müssen jetzt in Ruhe nachdenken.“

SPD: Niederlage eine Frage der Kommunikation der eigenen Themen

Der Kandidat der SPD im Hohenlohekreis, Jonas Aberle, ist am Montagvormittag in Schöntal unterwegs und hängt Wahlplakate ab. An der Einschätzung vom Wahlabend, das Ergebnis sei desaströs, „hat sich nichts geändert“, sagt er im Telefongespräch mit unserer Redaktion. Auch er sei überzeugt, dass die SPD auf die richtigen Themen im Wahlkampf gesetzt habe. „Die anderen Parteien haben sie übernommen.“ Insbesondere die kostenfreie Kita, die „Grüne und CDU in der Regierung immer abgewehrt“ haben. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wie wir die Themen besser kommunizieren können.“

Seltener als von den beiden Parteien erhofft haben die Menschen im Land ihre Kreuze bei FDP und SPD gemacht. Die Kandidaten blicken am Tag danach in die Zukunft.
Seltener als von den beiden Parteien erhofft haben die Menschen im Land ihre Kreuze bei FDP und SPD gemacht. Die Kandidaten blicken am Tag danach in die Zukunft.  Foto: Thomas Kienzle

Dass Andreas Stoch nun seinen Rücktritt angekündigt hat, „verdient Respekt“, kommentiert Jonas Aberle. Wie umfassend der Umbruch in der Partei nun sein muss, müsse diskutiert werden. Er will seine Ämter als SPD-Kreisvorsitzender in Hohenlohe und Stadtrat in Öhringen behalten. „Wir müssen jetzt noch energischer und mit Elan vor Ort arbeiten.“

FDP in der Krise: Hohenloher Kandidat Pfaller fordert klaren liberalen Neuanfang

Es müsse sich „alles ändern“ in der FDP, urteilt Finn Pfaller, FDP-Kandidat in Hohenlohe. „Die FDP kann nur Erfolg haben, wenn sie Wirtschaftsliberale und Sozialliberale vereint.“ Die Partei müsse „selbstbewusst unsere liberalen Inhalte kommunizieren“, und wegkommen vom Image des Juniorpartners der CDU. Zum Beispiel beim Thema Bürgerrechte habe die FDP „enorme Unterschiede“ zur CDU.

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Grundsätzlich seien neue Gesichter an der Spitze und eine andere Geisteshaltung in der Kommunikation der liberalen Themen wichtig. Dass das erfolgreich sein kann, habe die Linke auf Bundesebene bewiesen. Wichtig sei, dass die Partei nun nicht auseinanderfällt. „Die Menschen, die sich dem Liberalismus verpflichtet fühlen, müssen bei uns ihre Heimat finden.“ Diese Haltung zu kommunizieren sei nun auch die Aufgabe an der Basis. 

Eppinger FDP-Kandidat Georg Heitlinger will nicht mehr antreten

Georg Heitlinger, der für die FDP im Wahlkreis Eppingen angetreten war, zeigt sich über das Ausscheiden seiner Partei aus dem Landesparlament mit nur 4,4 Prozent der Stimmen enttäuscht. „Ich hätte gerne weitergemacht.“ Er werde auf Landesebene nicht mehr kandidieren. Dass die FDP ein einstimmiges Ergebnis einfahren würde, habe er erwartet, „aber dass wir so rausfliegen ...“ Im Wahlkampf sei eine allgemeine Unzufriedenheit über die FDP spürbar gewesen, so der Eppinger. „Besonders über das Ampel-Aus. Das hat man nicht gutgemacht“, stellt Heitlinger fest.

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Heilbronner FDP-Kandidat Weinmann: Themen „zu gering-pointiert rübergebracht“

Auch FDP-Mann Nico Weinmann aus Heilbronn zeigt sich enttäuscht: „Wir waren in Umfragen ja stabil bei sechs Prozent plus.“ Am Ende sei es um die persönliche Zuspitzung zwischen den Ministerpräsidenten-Kandidaten gegangen. „Inhalte haben da kaum mehr eine Rolle gespielt.“ Seine Partei stelle sich auf einen strukturellen und inhaltlichen Erneuerungsprozess ein. Weinmann zeigt sich besorgt, dass im neuen Landtag neben einer geschwächten SPD nur die AfD als Opposition übrigbleibt.

Das Totenglöckchen will Weinmann seiner Partei nicht läuten. Schließlich sei deren Markenkern auch in Zukunft gefragt. „Freiheit, Eigenverantwortung, Leistungsorientierung.“ Speziell die Unternehmen benötigten weniger Staat und mehr Freiheit. „Vielleicht haben wir das zu gering-pointiert rübergebracht.“

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