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Manuel Hagel in der Realschul-Klasse: Zum Sexismus-Skandal taugt das nicht

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Im Wahlkampfendspurt kramen die Grünen ein acht Jahre altes Stammtisch-Interview mit Manuel Hagel hervor. Das ist nicht nur inhaltlich sehr dünn, sondern schadet auch der politischen Kultur, findet unser Autor.

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Es gehört zu Wahlkämpfen, dass Parteien alles herauskramen, was dem politischen Gegner schaden könnte. Allzu zimperlich darf ein Politiker auch vor der Landtagswahl 2026 nicht sein, wenn er sich um ein hohes politisches Amt bewirbt. Doch dass eine Grünen-Politikerin aus Karlsruhe dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel nun Sexismus vorwirft, ist schäbig.

Kurz vor dem wichtigen TV-Triell der drei Kandidaten von CDU, Grünen und AfD veröffentlicht die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer Videoschnipsel eines Interviews, das Manuel Hagel im Jahr 2018 dem Lokalsender „Region TV Schwaben“ gegeben hatte. 

Beim Stammtischgespräch gab sich CDU-Politiker Manuel Hagel besonders locker

Schon das Motto des Gesprächs „Auf ein Bier mit...“ weist auf den lockeren Charakter des Interviews hin. Hagel berichtet darin, dass er eine Realschule in seinem Wahlkreis besucht hatte und die Klasse aus 80 Prozent Mädchen bestand. Für 29-jährige Abgeordnete gebe es schlimmere Termine als diesen, sagte Hagel. Wer wollte da widersprechen? Und dass er sich besonders an eine Schülerin namens Eva, mit „braunen Haaren und rehbraunen Augen“ erinnert, mag beim einen oder anderen Betrachter ein Störgefühl auslösen – sexistisch ist diese Aussage aber nicht. Hagel, so wirkt es, ist in diesem Gespräch authentisch, will deutlich machen, dass Politiker jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen und sich auch an Details erinnern.

Nicht jeder Politiker-Satz sollte auf die Goldwaage gelegt werden

Ist es verwerflich, dass einem 29-jährigen Abgeordneten das Äußere einer Gesprächspartnerin besser erinnerlich ist als der Inhalt des Gesprächs? Das ist eher eine Stil- und Geschmacksfrage, taugt aber nicht zur Skandalisierung. Hagel hat selbst eingeräumt, dass sein Gesprächseinstieg „Mist“ gewesen sei und seine Frau ihm danach den Kopf gewaschen habe. Damit sollte der Fall, der keiner ist, erledigt sein. Wenn selbst Jungpolitiker jeden Satz auf die Goldwaage legen müssen, geht jede Spontanität und Authentizität verloren, die von der Öffentlichkeit immer eingefordert wird. Dass dabei auch mal ein Satz daneben geht, liegt in der Natur der Sache. Aber jeden rhetorischen Lapsus zum Skandal hochzujazzen, gehört sich in einer Demokratie nicht und schadet der politischen Kultur.

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