Warum Boris Palmer OB in Tübingen bleibt und kein Minister wird
Die Spekulationen sind beendet: Boris Palmer bleibt Oberbürgermeister von Tübingen. Warum diese Entscheidung kaum überrascht und politisch sogar sinnvoll sein könnte.
Besonders überraschend kommt es nicht: Boris Palmer will lieber Oberbürgermeister von Tübingen bleiben als Minister unter dem kommenden Regierungschef Cem Özdemir (Grüne) zu werden. Er hat gute Gründe dafür.
Boris Palmer: Als Tübinger OB zu bekanntestem Kommunalpolitiker Deutschlands
Die Stellung des Rathauschefs ist in Baden-Württemberg eine besonders starke. Der streitbare, nicht zuletzt deshalb auch populäre Palmer war bereits Landtagsabgeordneter, bevor er 2007 im Tübinger Rathaus eine Lebensrolle fand. In der Folge wurde er nicht nur zweimal wiedergewählt, sondern zum bekanntesten Kommunalpolitiker Deutschlands. Er kann weit über seine Stadt hinauswirken – ohne an die Kabinettsdisziplin eines Ministerpostens gebunden zu sein.
Palmer ist parteilos und in Tübingen seiner eigenen Zukunft Schmied. Der Ausgang der nächsten Landtagswahl hingegen hängt vor allem an Parteien und Bundestrends. Natürlich gibt es Phasen, in denen Menschen Veränderungswünsche entwickeln. Bei Palmer wirkten solche Bestrebungen in den vergangenen Monaten aber mehr herbeigeschrieben als nachweisbar, auch wenn der 53-Jährige wenig dafür tat, die Spekulation zu beenden.
Nach dem knappen Wahlergebnis haben die Grünen ohnehin nicht mehr so viele prominente Ressorts zu besetzen wie bisher. Für die wichtigsten werden andere Kandidaten gehandelt.

Boris Palmer kann für Cem Özdemir auch außerhalb des Kabinetts wertvoll sein
Für seinen Freund Özdemir kann Palmer als inoffizieller Brückenbauer ins konservative Milieu, als unabhängiger Ratgeber, eventuell auch in ehrenamtlicher Funktion womöglich wertvoller sein. Dem designierten nächsten Regierungschef bleibt so nicht nur Ärger mit Teilen der eigenen Partei erspart, bei denen Palmer persona non grata ist – sondern auch ein Stück Unberechenbarkeit im Kabinett.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare