„Dramatischer Aufstieg der AfD“ – internationale Presse ordnet Wahlergebnis ein
Die internationale Presse kommentiert das deutsche Wahlergebnis – und gibt einen Ausblick, was das Land nach dem CDU-Wahlsieg nun braucht.
Europa und die Welt blicken auf das Ergebnis der Bundestagswahl in Deutschland. Die internationale Presse ordnet das Wahlergebnis dabei sehr unterschiedlich ein.
Wahlergebnis bei Bundestagswahl: Guardian sieht „dramatischen Aufstieg der rechtsextremen AfD“
Der britische Guardian sieht einen „dramatischen Aufstieg der rechtsextremen Alternative für Deutschland“. Außerdem verweist die Zeitung auf den nächsten Nato-Gipfel, bei dem die Forderung im Raum stehen wird, dass die Nato-Länder ihre Verteidigungsausgaben auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. „Solche Forderungen werden den Druck verstärken, die deutsche Schuldenbremse zu reformieren.“ In der Migrationspolitik geht das Blatt davon aus, dass „radikale Ideen aus dem Wahlkampf“ zurückgenommen werden. „Strenge Kontrollen würden den Beziehungen zu Deutschlands Nachbarn schaden.“
Die französische Zeitung Le Monde spricht mit Blick auf die Union von einem Sieg, der „weniger komfortabel als erwartet“ ist. Dennoch sei der Wahlsieg eine Revanche für Friedrich Merz gegen seine „ewige Rivalin“ Angela Merkel. Deutschland drohe, durch die Koalitionsbildung in den nächsten Wochen gelähmt zu werden, während die Trump-Regierung für eine Abkehr von der Unterstützung der Ukraine sorgt. Der Aufstieg der AfD habe viele im Land verblüfft.
Internationale Presse ordnet Wahlergebnis ein: Deutschland zu lange im Dornröschenschlaf
Politiken, eine der größten Zeitungen in Dänemark findet: Deutschland hat viel zu lange im Dornröschenschlaf gelegen. Die Bundesrepublik müsse Mut, Entschlossenheit und politisches Geschick einbringen, um gemeinsam in Europa die aktuellen Krisen zu lösen. „Friedrich Merz ist nicht gerade für seine politische Flexibilität bekannt, aber jetzt wird es entscheidend sein, dass es ihm gelingt, die notwendigen Kompromisse zu schließen.“ Als erstes müsse die nächste Regierung die Schuldenbremse abschaffen.
Die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza sieht im Nachbarland Deutschland Weimarer Verhältnisse und schreibt: „Die Weimarer Republik war eine Zeit der endlosen Krisen. Das Ergebnis der Bundestagswahl gibt keinen Anlass zu Optimismus. Vor allem das hohe Ergebnis von fast 20 Prozent für die rechtsextreme AfD.“ Zu sehr habe man sich daran gewöhnt, die Demokratie als selbstverständlich hinzunehmen. „Vieles in Europa wird davon abhängen, mit wem Merz regiert und wie er regiert. Ein schwaches Deutschland bedeutet eine schwache EU. Genau darauf setzen Putin und Trump.“
Bundestagswahl-Wahlergebnis: Schockierendes AfD-Resultat
Es sei zwar absehbar, aber deswegen nicht weniger schockierend, schreibt die Washington Post: Die AfD habe das beste Ergebnis einer rechtsextremen Partei seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingefahren. „Ein Ergebnis, das in einem Land, das so unausweichlich von der Schande und den Traumata des Nationalsozialismus geprägt ist, einst undenkbar war.“ Die Rückkehr zu einer großen Koalition aus Union und SPD „mag für Merz die naheliegendste Option sein, wird aber viele unzufriedene Deutsche nicht begeistern, vor allem nicht die jungen Wähler, die ihre Stimme in großer Zahl für Parteien ganz rechts und ganz links abgeben“, schreibt das Blatt weiter. Eine „unbeholfene Establishment-Koalition“ könne den Populismus der AfD weiter befeuern.
„Die deutsche Politik ist zunehmend gespalten“, findet die South China Morning Post. „Während die Zahl der Parteien zunimmt, ist es für die Parteien in der Mitte immer schwieriger geworden, eine stabile Regierung zu bilden und tiefgreifende Reformen durchzusetzen.“ Auch diesmal könne die Koalitionsbildung Monate dauern, wenn über politische Details und Ämter gestritten wird. Die Rückkehr zu einer großen Koalition erwecke allenfalls den „Anschein von Stabilität“: nötig seien umfassende Reformen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare