Junge Wähler: Demokratische Parteien der Mitte müssen ihren Fokus ändern
Bei den unter 30-Jährigen haben die politischen Ränder Erfolg, die Mitte verliert. Die demokratischen Parteien der Mitte müssen endlich mit voller Kraft versuchen, dieser Entwicklung entgegenzusteuern, meint unsere Autorin.
Die Linke gewinnt bei den Bundestagswahlen deutlich – zumindest bei den unter 30-Jährigen. Laut Forschungsgruppe Wahlen kommt die Partei auf 24 Prozent, die AfD knapp dahinter auf 21. Damit entscheiden sich junge Wähler mehrheitlich für die politischen Ränder, die Mitte verliert. Diese Entwicklung ist nicht neu, sie sollte aber dringend ernst genommen werden. Dass die Inhalte bei jungen Menschen Erfolg haben, hat verschiedene Gründe und ist keine Entwicklung, die von heute auf morgen passiert ist.
Demokratische Parteien der Mitte müssen endlich den Fokus auf junge Wähler legen
Politik, Gesellschaft und Bildungsträger haben zu lange geschlafen. Unter anderem in Schulen liegt der Fokus viel zu wenig auf Demokratiebildung, Geschichtsbewusstsein und darauf, den Schülern beizubringen, Dinge kritisch zu hinterfragen. Das ist nicht von heute auf morgen aufzuholen. Weiter wurde nicht verstanden, welche Bedeutung Soziale Medien im Leben junger Menschen spielen, wie sehr sie zur Meinungsbildung beitragen und ihren Alltag bestimmen. Auch das ist etwas, was nicht in kurzer Zeit aufzuholen ist.

Die Linke ging mit der Rede von Heidi Reichinnek im Bundestag gegen Friedrich Merz viral, es folgte ein Mitglieder-Boom. Zwar zeigt das: Es ist möglich, die AfD in Sozialen Medien zu überholen. Es ist möglich Forderungen, die weder ausländerfeindlich noch rechtsextrem sind, so zu formulieren, dass sie bei der jungen Zielgruppe Anklang finden, das gibt Mut. Und trotzdem ist es fatal, wenn die demokratischen Parteien der Mitte bei unter 30-Jährigen nur noch eine kleine Nebenrolle spielen. Die Jungen sind die kleinste Wählergruppe, und trotzdem: Sie sind die Zukunft, es ist ein Fehler, wenn sich Parteien und Abgeordnete nicht endlich mehr Mühe geben, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Einfache und schnelle Lösungen wird es nicht geben, doch das sollte kein Grund sein, nicht endlich den Fokus darauf zu legen.
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