Das Umweltministerium in Stuttgart kennt die Gründe, warum viele Städte und Gemeinden die Daten nicht rechtzeitig liefern können – ob fehlende Abrechnungen oder Personalmangel. „Dies ist nachvollziehbar, aber keine Entschuldigung dafür, überhaupt keine Meldung vorzunehmen“, kritisiert eine Sprecherin. Die Vorgabe, dass Strom- und Wärmeverbrauch erfasst werden müssen, gelte seit Jahren und sei leicht zu erfüllen. „Die Frist wird großzügig gehandhabt und es gibt mehrere Erinnerungsschleifen.“ Trotzdem bleibe eine „nicht geringe Anzahl“ an Kommunen, die gar keine Meldung machen. Ziel der Vorgabe sei es, Einsparpotenziale aufzuspüren, kommunale Gebäude energieeffizienter zu machen und so den Energieverbrauch zu senken, so die Sprecherin.
Warum viele Kommunen in der Region ihren Stromverbrauch nicht ans Land geschickt haben
Nur gut die Hälfte der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg hat Daten zum Strom- und Wärmeverbrauch an das Land übermittelt. Welche Kommunen in der Region darunter sind und welche Gründe das hat.

Einmal im Jahr müssen alle Städte, Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg melden, wie viel Strom und Wärme sie im Vorjahr verbraucht haben. Das sieht das Klimaschutzgesetz vor, das die grün-schwarze Landesregierung 2020 beschlossen hat. Die Daten sollen dafür sorgen, dass Kommunen ihren Energieverbrauch kennen und im nächsten Schritt senken. Ein niedrigerer Energieverbrauch ist eine der wichtigsten Maßnahmen, wie Kommunen zum Klimaschutz beitragen können.
Das Problem: Bis zum Stichtag Ende Juli hatten hunderte Kommunen diese Daten nicht an die zuständige Landesenergieagentur (KEA-BW) geschickt. Genauer haben nur 681 von 1136 Kommunen und Landkreise die Energieverbrauchsdaten für 2024 fristgerecht übermittelt, bis Ende Juli waren es dann 774. Im Jahr zuvor sah es kaum besser aus, damals schickten weniger als die Hälfte der Kommunen die Daten rechtzeitig. Auch in der Region fehlten die Daten aus zwölf Städten und Gemeinden zum Stichtag. Woran liegt das?
Fehlende Daten zu Strom- und Wärmebedarf in der Region: Woran das liegt
Anfragen unserer Redaktion zeigen, dass das unterschiedliche Gründe haben kann. „Es ist richtig, dass unsere Daten noch fehlen“, erklärt etwa Christian Tretow, Bürgermeister von Untereisesheim, auf Anfrage. „Wir sind aber gerade in der Umstellung unseres kommunalen Energiemanagements und daher werden die Daten zukünftig übermittelt werden.“ Ein genaues Datum stehe noch nicht fest.
Ähnlich ist es in Erlenbach, dort wird das kommunale Energiemanagement gerade aufgebaut, sagt Kämmerin Ina Krone. Diese erstmalige Erfassung sei ein hoher Aufwand, viele Belege und Akten müssten gesichtet und eine Datenbank aufgebaut werden. Ziel sei es, bis Ende des Jahres alle Daten zu liefern. „Die laufende Erfassung der Daten in den künftigen Jahren wird schneller gehen“, sagt Krone.
Personalwechsel sind ebenso in Mulfingen der Grund, warum die Daten bisher nicht gemeldet wurden, informiert Kämmerin Sabine Menikheim-Metzger. „Statistische Daten sind immer Aufwand, haben jedoch erledigt zu werden.“
Unbesetzte Stellen und Personalmangel sorgen für Probleme
Dass die Daten aus Oberstenfeld fehlen, liegt daran, dass die nötigen Abrechnungen noch nicht vorliegen, erklärt Bauamtsleiter Kai Kraning. „Zudem ist die zuständige Stelle derzeit unbesetzt, weshalb sich der Bearbeitungsprozess verzögert.“ Eigentlich sei es kein Problem, die Daten rechtzeitig zu liefern und das sei in den Vorjahren auch so gewesen. „Der dafür erforderliche Personalaufwand hält sich in Grenzen und ist nicht exakt zu beziffern.“ Generell sei es hilfreich, einen aktuellen Überblick über den Energieverbrauch der Gemeinde zu haben.
Personalprobleme gibt es ebenfalls in Lehrensteinsfeld, wie Bürgermeister Benjamin Krummhauer mitteilt. „Durch einen längerfristigen krankheitsbedingten Ausfall des für uns zuständigen Mitarbeiters ist die Meldung noch nicht erfolgt.“ Die Gemeinde hat die Klimaschutzagentur des Landkreises beauftragt, einen Energiebericht zu erstellen und die Daten an das Land zu melden. Es sei durchaus ein „größerer Aufwand“, die Zählerstände in allen kommunalen Gebäuden abzulesen und aufzubereiten, sagt Krummhauer, das passiere aber ohnehin, um Energie zu sparen. „Daher hätte es aus meiner Sicht keine gesetzliche Verpflichtung benötigt.“
Ilsfeld ist ebenfalls unter den Gemeinden, deren Strom- und Wärmedaten bisher fehlen. Das solle bald nachgeholt werden, erklärt Bürgermeister Bernd Bordon. Bis zum Stichtag sei die Datenerfassung aber nicht zu schaffen, weil noch Abrechnungen fehlen. Die reine Datenerfassung habe keinen Nutzen, erklärt Bordon, sondern es brauche ein systematisches Energiemanagement, um Energie einzusparen. Die Daten habe man sich aber bereits vorher angeschaut.
Manch einer muss Energieverbrauchsdaten nachreichen
„Es gab wohl zuerst Schwierigkeiten, die Daten auf die Seite hochzuladen“, betont Bettina Müller, Leiterin des Bürgeramts in Hardthausen. Anfangs wurde die Gemeinde mit roter Farbe gelistet als Zeichen, dass die Daten fehlen. Inzwischen habe es aber geklappt. Im ersten Jahr der Erfassung sei der Aufwand hoch gewesen. „Jetzt beläuft sich der Zeitaufwand auf ein bis zwei Stunden.“
In Eberstadt wird momentan das Bauamt neu besetzt, außerdem arbeite man an der kommunalen Wärmeplanung, erklärt Bauamtsleiterin Linda Hirschmugl-Weik. Deshalb gebe es derzeit keine aussagekräftigen Daten. Ebenfalls keine Daten übermittelt haben laut KEA-BW außerdem Roigheim, Bretzfeld, Löwenstein, Wüstenrot und Widdern.
Selbst manche Städte haben bisher keine Daten geliefert, darunter Pforzheim und Karlsruhe. Ein Sprecher der Karlsruher Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage, dass ein Teil der Daten zum Strom- und Wärmeverbrauch immer erst im Herbst vorliegt. „Ab dem Berichtsjahr 2023 wurde daher mit der KEA-BW vereinbart, die Frist für die Datenabgabe bis Ende September zu verlängern.“ Die badische Stadt erstellt ohnehin einen eigenen Energiebericht und veröffentlicht diesen auf ihrer Webseite. Die Pressestelle der Stadt Pforzheim ließ Fragen unserer Redaktion unbeantwortet.

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