Nach Eklat um Wolfsgruß bei EM: Werden die "Grauen Wölfe" in Deutschland verboten?
In Deutschland werden die Rufe lauter, die rechtsextreme türkische Bewegung Graue Wölfe zu verbieten. Doch bisher ist wenig geschehen.

Der Wolfsgruß der türkischen Fans bei der Europameisterschaft sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Die Rufe nach einem Verbot des Erkennungszeichens der rechtsextremistischen Grauen Wölfe wird lauter. Doch das ist gar nicht so einfach.
Die Grauen Wölfe haben in Deutschland rund 12.500 Mitglieder
Vor, während und nach dem EM-Viertelfinale der Türkei gegen die Niederlande am Samstagabend, das die Türken mit 2:1 verloren, zeigten erneut viele türkische Fans den Wolfsgruß. Die Geste steht für die türkisch-rechtsextremistische Ülkücü-Bewegung, die in der Öffentlichkeit als Graue Wölfe bekannt ist.
Die Bewegung entstand Mitte des 20. Jahrhunderts und hat das Ziel, ein großes Reich mit allen Turkvölkern zu schaffen. In diesem Bestreben werden andere Völker und Kulturen herabgewürdigt, insbesondere Juden, Armenier und Kurden.
Experten zufolge nimmt die Bewegung direkten Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland. Die Grauen Wölfe haben nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Deutschland rund 12.500 Mitglieder.
In Österreich sind die Grauen Wölfe und der Wolfsgruß verboten
Verboten sind die Grauen Wölfe und damit auch der Wolfsgruß in Deutschland nicht. In Österreich ist die Geste dagegen seit 2019 verboten. Hierzulande ist nach den Vorfällen bei der Europameisterschaft eine Diskussion über ein Verbot der Gruppierung und der rassistischen Geste entbrannt.
Dazu müssten die Grauen Wölfe beziehungsweise die hinter der Bewegung stehenden Vereine verboten werden. Das ist laut Gesetz möglich, wenn die Zwecke des Vereins "oder seine Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder dass er sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richtet".
Seit 2020 prüft die Bundesregierung ein Verbot der Grauen Wölfe
Um das zu prüfen, hatte der Bundestag bereits 2020 eine entsprechende Aufforderung an die Bundesregierung adressiert. Seither wird ein mögliches Verbot der Grauen Wölfe geprüft, ein Ergebnis gibt es aber bis heute nicht.
Die für ein Verbot zuständige Bundesinnenministerin Nancy Faeser äußerte sich auch nach den jüngsten Vorfällen nicht zu einem Verbot der Grauen Wölfe und des Wolfsgrußes. Der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) erklärte auf der Plattform X zum Wolfsgruß: "Bitter, dass auch so viele Fans diese nationalistische und rassistische Geste aufnehmen." Verschiedene Politiker von FDP und Linke hatten zuletzt ein Verbot der Grauen Wölfe gefordert.
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