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Bundesrat will strengere Regeln
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„Jugendliche werden abgezockt“: Neckarsulmer Politiker begrüßt Beschluss zu Lootboxen

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Der Bundesrat hat strengere Regeln für Lootboxen in Computerspielen gefordert. Der Neckarsulmer Grünen-Politiker und Verbraucherschutz-Sprecher Armin Waldbüßer hält das für richtig – würde aber noch weiter gehen.

In vielen Handyspielen gibt es sogenannte Lootboxen: Schatztruhen, aus denen Spieler zufällige Gegenstände erhalten können. Die Lootboxen können mit Echtgeld gekauft werden. Verbraucherschützer stufen das als Glücksspiel ein.
In vielen Handyspielen gibt es sogenannte Lootboxen: Schatztruhen, aus denen Spieler zufällige Gegenstände erhalten können. Die Lootboxen können mit Echtgeld gekauft werden. Verbraucherschützer stufen das als Glücksspiel ein.  Foto: Sina Schuldt

Sie haben es in fast jedes Computerspiel oder Mobile Game geschafft: Lootboxen. Das sind virtuelle Schatztruhen oder Kisten, aus denen die Spieler Gegenstände wie Waffen, Kleidung oder Rohstoffe erhalten.

Der Inhalt ist zufällig und man kann sich Truhen erspielen – deutlich schneller geht es aber durch Bezahlen mit Geld. Da oft noch eine virtuelle Währung wie Kristalle oder Gold zwischengeschaltet ist, wird verschleiert, wie viel eine Lootbox tatsächlich in Euro kostet.

Bundesrat will Altersüberprüfung für Spiele mit Lootboxen

Genau das sehen die Bundesländer kritisch und haben nun beschlossen, dass es strengere Regeln für Lootboxen geben soll. Der entsprechende Entschließungsantrag fand am Freitag eine Mehrheit im Bundesrat und geht nun an die Bundesregierung. Eine Pflicht zum Handeln gibt es dadurch allerdings nicht.

Konkret will der Bundesrat prüfen lassen, ob die Lootboxen als „glücksspielähnliche Mechanismen“ erst ab 18 Jahren zugelassen sein sollen. Spieler müssten dann ihr Alter verpflichtend nachweisen, wenn ein Spiel Lootboxen enthält. 

Neckarsulmer Landtagsabgeordneter Armin Waldbüßer begrüßt Lootboxen-Vorstoß

Der Neckarsulmer Landtagsabgeordnete und Verbraucherschutz-Sprecher seiner Fraktion Armin Waldbüßer begrüßt den Vorstoß. „Die Forschung hat eindeutig herausgefunden, dass Lootboxen für problematisches Gaming verantwortlich sind.“ Die Spieler würden oft nicht merken, welche Kosten anfallen, wenn sie die virtuellen Beutekisten kaufen. Die Spielemacher würden das ausnutzen. „Man kann sagen, die Jugendlichen werden abgezockt.“

Bereits im vergangenen Jahr hat Waldbüßer das Thema Lootboxen gemeinsam mit Baden-Württembergs Verbraucherschutzministerium bei der Konferenz der zuständigen Minister aufgeworfen. „Politische Prozesse brauchen manchmal lang“, sagt Waldbüßer, „aber wir sind froh, dass das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern das Thema nochmal platziert haben“.

Altersprüfung für Lootboxen als sinnvoller erster Schritt

Aus Sicht des Grünen-Politikers ist es richtig, dass Lootboxen erst mal eingängig überprüft werden und über eine Altersbeschränkung nachgedacht wird. „Es ist gut, dass man erstmal langsam anfängt.“ Waldbüßer selbst könnte sich jedoch deutlich strengere Regelungen vorstellen, bis hin zu einem Verbot. 

Für dringend notwendig hält Waldbüßer außerdem, dass die Kosten nicht mehr verschleiert werden können. So müsse neben virtuellen Währungen wie Kristallen oder Gold immer angegeben werden, wie viele diese in Euro kosten. „Diese Transparenz ist auch für erwachsene Spieler wichtig.“

Bekannte Beispiele für Lootboxen sind die Packs in EAs Fußball-Spiel FC (früher Fifa), mit denen Nutzer zufällig unterschiedlich starke Spieler erhalten können. Im Spiel Fortnite können Gegenstände wie besondere Kleidung nur mit der virtuellen Währung V-Bucks gekauft werden, die wiederum mit Euro gekauft wird. Auch in Bethesdas Mobile-Ableger Diablo Immortal gibt es verschiedene Währungen und Gegenstände, die nur durch Lootboxen erhältlich sind. In Belgien wurden Lootboxen gesetzlich verboten, weshalb etwa Diablo Immortal dort nicht erschienen ist. Untersuchungen zeigen jedoch, dass viele Spieleanbieter das Verbot ignorieren.

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