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Streit um Spionageballon: Biden spielt Chinas Spielchen mit

  
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Die USA haben in der Ballon-Affäre bisher nicht den richtigen Ton getroffen, findet unser Autor. Stattdessen lässt sich der Präsident einer ehemaligen Supermacht vorführen.

  

China provoziert. Sie lassen ihren Spionage-Ballon auf überraschend geringer Höhe, gut sichtbar für Millionen von Menschen, über den amerikanischen Kontinent driften, entschuldigen sich, wenn es längst zu spät dafür ist, für ihren "unbeabsichtigten Eintritt" in den US-Luftraum und rügen dann den vorhersehbaren Abschuss.

Da in den vergangenen Jahren schon mehrere solcher Ballons in etwas höheren Sphären gesichtet wurden, braucht man kein Diplomat zu sein, um dieses Spielchen zu interpretieren. 

Das war wohl alles genau so geplant

Die Frage ist, ob Bidens scheinbar resolute Antwort die richtige war. Innenpolitisch vielleicht. Der alternde Präsident möchte kein Zeichen der Schwäche zeigen. Doch nach außen war es mit Sicherheit die falsche. Allein die Vorstellung, dass China das alles möglicherweise genau so geplant hatte, sollte alle Alarmglocken schrillen lassen.

So setzt sich das Bild fest, wie der Ballon als überdimensionale Wurst am Himmel hängt und die USA instinktgetrieben zuschnappen. Es verwundert nicht, dass sich chinesische Medien umgehend über den hollywoodreifen Einsatz von Kampfjets lustig machen.

Die ehemalige Supermacht USA wird herausgefordert und muss schleunigst ihre Rhetorik anpassen, ihre Symbolik neu justieren. Stärke demonstrieren und stark sein sind zweierlei, das weiß ihr Gegenüber natürlich und macht sich gezielt auf die Suche nach Schwachstellen. Je berechenbarer ein Präsident, desto eher wird er Opfer des chinesischen Kalküls. Da hilft agieren statt reagieren.

Die "Wetterballon"-Technik sollte Biden demnächst persönlich bei Xi Jinping abgeben - lächelnd, als Geschenk mit Schleifchen.


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