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Schienenausbau: Bund hat Kriterien verbummelt

Hohenlohebahn voll elektrifizieren? Kochertalbahn oder Zabergäubahn reaktivieren? Der Bund liefert die neuen Bewertungskriterien zum wirtschaftlichen Ausbau kommunaler Schienenstrecke viel zu spät, meint unser Autor.

Ralf Reichert
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Lesezeit 1 Min

Hat die Hohenlohebahn eine Chance, vollständig elektrifiziert zu werden? Und ist es möglich, die Kochertalbahn zu reaktivieren? Antworten auf diese Fragen stehen weiterhin aus. Die Machbarkeitsstudie muss überarbeitet werden. Was umso ärgerlich ist, als sie eigentlich schon fertig war.

 

Diese Ehrenrunde hätte man sich sparen können

Natürlich kann der Hohenlohekreis mit dieser Verzögerung leben. Denn am Ende könnte das Ergebnis nun positiv oder noch positiver ausfallen. Doch zur Wahrheit gehört auch: Diese Ehrenrunde hätte man sich getrost sparen können. Dass der Bund die zentralen Bewertungskriterien erst jetzt geändert hat, ist ein Unding. Schließlich standen die geplanten Neuerungen schon seit zwei Jahren genau so auf dem Papier. Aber sie blieben allzu lange reine Theorie. Die Akteure in der Region hingen so allzu lange in der Luft. In Hohenlohe genauso wie im Kraichgau, wo man sich große Hoffnungen macht, die Zabergäubahn wieder aufs Gleis zu setzen.

Nicht nur die Fahrgastpotenziale sind entscheidend

Seit Anfang Juli steht nun also ganz offiziell fest: Nicht nur die Fahrgastpotenziale sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit eines Schienenprojekts, ohne die eine Förderung des Landes unmöglich ist. Sondern auch Faktoren wie der Klimaschutz und die besonderen Bedingungen ländlicher Räume, wo per se viel weniger Menschen wohnen, die mehr Bahn fahren könnten.

Kreise müssen krasses Missmanagement ausbaden

Im Februar 2020 hatte der Bund den Ländern endlich mehr Geld für den Schienenausbau in Aussicht gestellt: gerade im ländlichen Raum. Doch es dauert bis Juli 2022, ehe die neuen Bewertungskriterien spruchreif waren. Dieses krasse Missmanagement müssen die Kreise jetzt ausbaden. Zum Glück kam die Nachricht gerade noch rechtzeitig, um die Studie in Hohenlohe anpassen zu können. Und zum Glück zieht das Land voll mit, das zunächst aufs Tempo drückte, um den Wettbewerb der Kreise um potenzielle Reaktivierungsstrecken anzuheizen, nun aber besonnen auf die Bremse tritt. Nun heißt es: Abwarten. Und hoffen, dass sich das unnötige Warten am Ende doch gelohnt hat.

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