Gasversorgung: Deutschland ist ohne Puffer, ohne Alternativen
Jetzt wird das Gas in den Speichern knapp. Das hat viele Gründe. Es ist aber in jeden Fall ein Argument gegen Nord Stream 2, keines dafür, meint unser Autor
Die Gasspeicher in Deutschland sind ziemlich leer. Kalt sollte es diesen Winter also nicht mehr werden, sonst haben viele Menschen ein Problem, das fast nur noch Putin und Gazprom lösen können. Zu welchem politischen und finanziellen Preis, das darf sich jeder schon mal grob selbst ausrechnen.
Die Ölpreisbindung war verlässlich, aber oft teuer
Preise. Darum geht es beim Gas seit langem. Einst war der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt, was nur dann erfreulich war, wenn der in den Keller rauschte. Das passierte bloß nicht so oft.
Also löste man die Bindung und suchte nach neuen Mechanismen. Gehandelt wurde Gas also beispielsweise an der "günstigen Energiebörse" in Leipzig. Die russischen Anbieter hatten viel Zeit zu lernen: Je mehr Gas dort zur Verfügung steht, desto günstiger werden die kurzfristigen Kontrakte, und desto weniger Interesse gibt es an teuren langfristigen Verträgen.
Und dann begannen die Europäer auch noch, Flüssiggas-Terminals zu bauen und so die Konkurrenz aus dem Nahen Osten und den USA auf den Kontinent zu lassen.
Putin und Gazprom manövrieren sich in eine gute Verhandlungsposition
Für Russland steht also viel auf dem Spiel. Als Putin vor kurzem gefragt wurde, ob Gazprom dafür verantwortlich sei, dass in Europa das Gas knapp wird, sagte er: Gazprom liefere das gesamte Volumen, das im Rahmen der Verträge angefordert wird, und sogar noch mehr.
Richtig, aber auch der größte deutsche Gasspeicher, der von Gazprom betrieben wird, ist fast leer. Kommt ein harter Winter, kommt es zum Krieg in der Ukraine, das Gas wäre immer ein Faustpfand.
Weitere Pipelines aus Russland wie Nord Stream 2 würden daran nichts ändern. Ausgerechnet jetzt wackelt der Bau des geplanten Flüssiggas-Terminals in Brunsbüttel. Solche Alternativen braucht Deutschland, will es sich Putin und Gazprom nicht ausliefern.
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