Kfz-Zulassung online: Das ist ein digitales Trauerspiel
Obwohl seit zig Jahren zig Millionen Steuergelder in die Umsetzung der "internetbasierten Kfz-Zulassung" gesteckt wurden, ist der Output jämmerlich, meint unser Autor.
Treffen die beiden Wortungetüme Digitalisierung und Bürokratieabbau aufeinander, macht es nicht etwa einen lauten Knall und anschließend läuft alles viel einfacher und schneller, weil der überschüssige Ballast endlich von reinigender Energie befreit worden ist. Nein, es gibt unzählige Fälle, in denen Digitalisierung zum Zwecke des Bürokratieabbaus diesen wohlmeinenden Prozess zusätzlich verlangsamt hat. Sich beide Sujets also nicht befruchten und befeuern, sondern lähmen und im Wege stehen.
Rattenschwanz an Unzulänglichkeiten
Ein besonders krasses Beispiel ist die digitale Kfz-Zulassung. Was mit dem plakativen Schlagwort "iKfz" so simpel klingt, ist in der Praxis ein Rattenschwanz an Unzulänglichkeiten. Das gesamte Projekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur von vorne bis hinten falsch angepackt und vermarktet. Es wurde schlecht strukturiert und kommuniziert. Und es wurde nicht vom Kunden und Nutzer her konzipiert, sondern aus der Sicht überforderter Verwaltungsbeamter, die der verworrenen Rechtslage einfach nicht Herr wurden. Sie strickten die von 2015 bis 2019 in drei Trippelschritten verfügbar gemachten Anwendungen viel zu kompliziert und rissen die Starttermine überdies in schöner Regelmäßigkeit.
Verwirrender und teurer als analog? Kein Wunder, dass keiner klick macht
Die Landratsämter konnten einem da fast schon leid tun, denn sie sind ja nur die Ausführenden und mussten sich immer wieder mit technischen Problemen herumschlagen. So kam es, wie es kommen musste: Obwohl seit zig Jahren zig Millionen Steuergelder in die Umsetzung der "internetbasierten Kfz-Zulassung" gesteckt wurden, ist der Output jämmerlich. So wurden im Hohenlohekreis von 2016 bis Mitte 2023 nur 0,3 Prozent aller Meldevorgänge online erledigt.
Kein Wunder, wenn dies nicht nur verwirrender, sondern auch teurer ist als der analoge Gang zum Amt, und die Bürger selbst gewaltig hinterherhinken, wenn sie sich digital ausweisen sollen. Ab 1. September soll alles viel leichter und günstiger werden, wenn die vierte Stufe - als hoffentlich letzte - zündet. Allein: Uns fehlt der Glaube, dass iKfz ausgerechnet jetzt die Kurve kriegt.
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