Grenzgänger zwischen Baden und Württemberg
Dass Baden und Württemberg seit 70 Jahren gemeinsam ein Bundesland sind, heißt natürlich nicht, dass es hüben wie drüben keine Ressentiments gegen den Partner in dieser gut gealterten Mischehe gibt, meint unser Autor.
Das ist so ungewöhnlich nicht: Man nehme Ortschaften, die dank der Gemeindereform mehr oder minder unfreiwillig unter ein Dach gepfercht wurden - Liebe auf den ersten Blick sieht definitiv anders aus, nachbarschaftliche Konflikte der Vergangenheit hallen oft bis heute nach. Und so ist es logischerweise auch zwischen "Schwobe" und "Badensern". Die ganz große Abneigung mag bei den meisten bis heute nachgelassen haben, zumindest ein wenig Frotzelei darf aber gerne weiter sein. Anlässe dafür gibt es wahrlich genug.
Verwirrendes Geflecht
Als Grenzgänger hat man es vor diesem Hintergrund doppelt schwer. Das Kind badischer Eltern, durch häufige Besuche in deren und der Großeltern Heimatort - der sich, um die Verwirrung komplett zu machen, am Rande des Kraichgaus der Kurpfalz zugehörig fühlt - mundartlich vorgeprägt, aber im württembergischen Landesteil geboren und aufgewachsen, schließlich als Teenager doch noch nach Baden verpflanzt - "komischer Dialekt" ist einer der netteren Kommentare, die man mit dieser mehrfachen Migranten-Biografie hier wie dort zu hören kriegt. "Spätzle" finden die Kurpfälzer Kumpel auf Anhieb einen furchtbar lustigen Spitznamen, während sich die Schwaben über den typisch badischen Singsang amüsieren, der sich einfach nicht aus dem Tonfall vertreiben lassen will.
Spott und Sprüche
Das bisschen Spott ist natürlich auszuhalten, kein Problem. Und Sprüche wie "Über Baden lacht die Sonne, über Schwaben die ganze Welt" sind halt auch einfach lustig, oder etwa nicht? Unterm Strich also gelebte Integration, die später durch einen Arbeitsplatz in Hohenlohe sogar noch zu toppen war.
Fast wie ein Weltbürger
In Zeiten, in denen für manche Menschen Grenzen leider wieder wichtiger zu werden scheinen, fühlt man sich da doch schon fast als echter Weltbürger. Der aber trotzdem ganz gerne das "Badnerlied" mitsingt - auch im Fußballstadion in Karlsruhe oder Sinsheim, aber dann im Gästeblock unter den verwunderten Blicken vieler Nicht-Badener. Einfach kann schließlich jeder. Und die nicht-offizielle Zeile "Schwobe raus" bekommt bei diesem Hintergrund doch gleich eine ganz neue Bedeutung.
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