Pflanzenschutz-Entwurf: Farbe bekennen
Die EU-Politik sollte Umweltschutz und Weinbau nicht gegeneinander ausspielen, beides passt unter einen Hut, meint unser Autor
Eigentlich wollte der Weinbauverband den Ball flach halten. Kein Wunder, Spritzmittel sind ein Reizthema. So hat man, als die EU im Herbst ihren Pflanzenschutz-Entwurf ins Spiel brachte, zunächst nach außen hin Zurückhaltung geübt und auf die politische Schiene gesetzt. Doch nun zeigt sich: Von erhofften Kompromissen scheint man weit entfernt zu sein. Zudem klingt der in Württemberg sozialisierte grüne Agrarminister Cem Özdemir nicht wie ein Verbündeter, wenn er pauschal von Pestiziden spricht und weniger von Pflanzenschutz. Höchste Zeit, dass der Weinbauverband jetzt Alarm schlägt.
Die meisten Winzer haben wenig Grund, mit der Spritzfrage hinterm Berg zu halten. Gegenüber den Wirtschaftswunderjahren hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen. Der Weinberg wird als Öko-System behandelt, als Lebensgrundlage für alle. Wildkräuter sind keine Feinde mehr, Herbizide bald tabu. Insektizide sind biotechnischen Methoden gewichen. Nur gegen Pilzkrankheiten ist noch kein Kraut gewachsen. Ihr totales Verbot würde für viele historische Lagen, für die dortige Flora und Fauna, für Ausflugsziele, für weite Teile der Kulturlandschaft − nicht zuletzt für Winzer das Aus bedeuten, auch für Bio-Betriebe.
Dies kann niemand wollen, gerade ein Agrarminister nicht. Deshalb wäre es höchste Zeit, für den Grünen hier Farbe zu bekennen. Seine Heimat Baden-Württemberg kann er dabei in den Verhandlungen mit der EU zum Vorbild nehmen. Schon im Nachhall der Pro-Biene-Initiative fanden die Beteiligten eine tragbare Lösung − übrigens mit einer grün-schwarzen Landesregierung.
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