Chipfabriken verkauft man jetzt nicht nach China
Die Entscheidung des Wirtschaftsministers, den Deal zu stoppen, ist richtig. Trotzdem gilt: Das Verhältnis zu China ist wichtig. Man sollte deshalb künftig nicht so viel Porzellan zerschlagen, findet unser Autor.
Vor ein paar Jahren wäre der Verkauf einer kleinen deutschen Chipfabrik an ein chinesisch geführtes Unternehmen kein großes Problem gewesen. Gern sieht man solche Verkäufe von deutscher Seite zwar nie, doch gibt es in der Regel einen Grund für den Verkauf. Neben dem Geld gibt es mit solchen Transaktionen auch Zugang zum chinesischen Markt und damit positive Entwicklungsperspektiven. Diesmal sieht das anders aus. Deshalb hat Wirtschaftsminister Habeck recht, wenn er solche Geschäfte in einer neu geordneten Welt auch neu bewertet.
Erpressungsmöglichkeit für 85 Millionen?
Konkret sind die Chips aus Dortmund nicht auf dem neuesten Stand und somit kein Grund, nervös zu werden. Doch die meisten dieser Halbleiter gehen an die Automobilindustrie, und dort sind sie momentan gefragt wie nie. Mit der Fabrik hätten die Chinesen wohl die Möglichkeit, die deutsche Schlüsselindustrie zu erpressen. Damit wäre der Deal kaum die läppischen 85 Millionen Euro wert, die er in die Kassen von Elmos spült.
Wer ernst genommen werden will, in China, muss klare Signale senden
Es werden noch viele solcher Entscheidungen anstehen, heikle Entscheidungen. Dann kommt es darauf an, dass die Bundesregierung ihre Differenzen nicht auf offener Bühne austrägt und dann auch noch mit Geheimdienst-Empfehlungen argumentiert.
Solche Verhandlungen müssen entweder sauber durchgewunken oder gegebenenfalls freundlich lächelnd unterbunden werden. Nur so wird man in China ernst genommen, nur so wird kein Porzellan zerschlagen, das bei einer weiteren wirtschaftlichen Zusammenarbeit dringend gebraucht wird. Freiwillig auf diese Zusammenarbeit zu verzichten, ist derzeit keine Option.


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