Antragsstau programmiert: Behörden sind für Zuwanderungsboom nicht gerüstet
Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz werden große Probleme sichtbar, warnt unser Autor.
Das Gesetz ist überfällig. Schon vor mehr als 20 Jahren galt das Punktesystem des Einwanderungslands Kanada als Vorbild für Deutschland - zumindest für all jene, die neben einer humanitären Aufnahme von Flüchtlingen auch die Anwerbung von (aus-)gebildeten Fachkräften befürworteten. Jetzt wird die Unterscheidung zwischen Arbeits- und Fluchtmigration auch mit einem Gesetz unterlegt. Endlich.
Da bringt allerdings ein Problem mit sich. Die Botschaften und Behörden sind darauf nämlich nicht vorbereitet. Im vergangenen Jahr wurden 1,5 Millionen Visaanträge bearbeitet – Tendenz steigend. Mit dem neuen Gesetz könnte eine noch größere Zahl an Anträgen für eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis dazukommen. Das wäre auch notwendig, will man die Lücke an Fachkräften, die jetzt schnell wächst, auch nur ansatzweise schließen.
Bekannte Probleme wie die lange nicht in Angriff genommene Digitalisierung in Behörden
Doch damit drohen die jetzt schon bestehenden Flaschenhälse in der Bürokratie zu verstopfen. Der Wunsch nach einer neuen, zentralen Superbehörde, die all diese Probleme löst, ist nachvollziehbar, doch er gleicht dem Wunsch nach einer Fee, wenn man keinen anderen Ausweg mehr sieht.
Bekannte Probleme werden durch zusätzliche Belastungen nur überdeutlich: Effizientes Arbeiten in Behörden wird derzeit in der Regel nicht belohnt und nicht ermöglicht. Die Digitalisierung wurde zwanzig Jahre lang von allen Regierungsparteien verschlafen. Effizientes Arbeiten lässt sich auch kaum verordnen. Deshalb müssen jetzt, mitten in der beginnenden Krise, Strukturen und Prozesse optimiert werden. Immerhin: Der Druck, es zu tun, ist jetzt da.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare