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Alte Zöpfe abschneiden

  
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Jahrzehntelang war die Telefonzelle nicht aus dem öffentlichen Leben wegzudenken. Nun ist ihr Ende beschlossene Sache. Das mag vor allem für Nostalgiker bedauerlich sein, rein wirtschaftlich ist die Entscheidung der Telekom absolut nachvollziehbar, meint unser Autor.

  

Jede Technik hat ihre Zeit. Oder wann haben Sie zuletzt ein Fax verschickt, einen Farbfilm für eine Analogkamera gekauft oder Tetris auf dem Gameboy gespielt? Diese Frage können wohl höchstens Menschen mit einer ganz speziellen Leidenschaft oder einem Hang zur Nostalgie beantworten, ohne groß nachdenken zu müssen. Nostalgische Gefühle sind es auch, die viele, sofern sie ein gewisses Alter erreicht haben, mit dem öffentlichen Fernsprecher verbinden. Weil immer irgendwo eines der gelben oder grauen Häuschen in der Nähe war und weil man ganz spezielle Erinnerungen mit ihrer Benutzung verbindet.

Internet und Handy beschleunigen den Niedergang 

Doch Internet und Mobilfunk haben die Telefonzelle unerbittlich immer weiter in die Nutz- und Bedeutungslosigkeit gedrängt. Nach Angaben der Telekom wurde an mehr als einem Viertel aller noch verbliebenen Standorte in Deutschland im vergangenen Jahr kein einziger Cent umgesetzt. Rein unternehmerisch gesehen ist die Entscheidung, alte Zöpfe abzuschneiden und endgültig einen Strich unter die immerhin mehr als 140 Jahre währende Geschichte der Telefonzelle in Deutschland zu machen, daher absolut nachvollziehbar. Kein Unternehmen möchte und kann sich Dienste leisten, die ungleich mehr Kosten verursachen, als sie einbringen – Nostalgie hin oder her.


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