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Pro & Contra: Soll Alfred Gislason Handball-Bundestrainer bleiben?

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Bundestrainer Alfred Gislason hofft auf eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags. Wäre das passend? Unsere beiden Kollegen sind unterschiedlicher Ansicht.

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Handball-Bundestrainer Alfred Gislason: Bleibt er im Amt?
Handball-Bundestrainer Alfred Gislason: Bleibt er im Amt?  Foto: Tom Weller/dpa

DHB-Sportvorstand Axel Kromer bekräftigte bezüglich der Zukunft des Isländers Gislason: "Wir werden mit Alfred nach der EM hundertprozentig in die Gespräche gehen." Die Heim-Europameisterschaft beendete die deutsche Nationalmannschaft, mit dem Horkheimer Sebastian Heymann, nach der Niederlage gegen Schweden im kleinen Finale auf Platz vier. Soll Gislason weitermachen? 

Pro
Von Lars Müller-Appenzeller

Die gefühlte Leistungssteigerung der deutschen Handball-Männer lässt sich in der Turnierbilanz unter Alfred Gislason ablesen: WM-Zwölfter 2021, Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen 2021, EM-Siebter 2022, WM-Fünfter 2023 und nun also EM-Vierter 2024. Der ziemlich genau vier Jahre amtierende Bundestrainer ist den "steinigen Weg des Umbruchs gegangen", hat "eine komplett neue und sehr junge, talentierte Mannschaft aufgebaut", wie er selber sagt. Das ist richtig – und zweifelsohne auch Werbung in eigener Sache. Denn spätestens nach dem olympischen Sommer läuft Gislasons Vertrag aus; verpasst seine Mannschaft Mitte März die Spiele in Paris, endet der Vertrag sofort.

Richtig ist auch dieser Satz des Bundestrainers: "Uns fehlen Erfahrung und Geduld." Erfahrung hat vor allem einer: Alfred Gislason. Der Erfahrungsschatz des 64-Jährigen dürfte in der momentanen Situation der Nationalmannschaft - die oft überzeugt, aber nicht oft genug gewonnen hat – wertvoller sein als ein Feuerwerk innovativer Impulse eines Jungdynamikers an der Seitenlinie. Gislason kann diese junge Truppe noch besser machen, Gislason will das auch. Die Frage ist, was der Deutsche Handballbund will.

Contra
Von Stephan Sonntag

Das Erreichen des Halbfinals bei der Heim-EM war das zwar nicht öffentlich erklärte, aber intern gesetzte Ziel des Deutschen Handballbundes (DHB). Insofern hat Bundestrainer Alfred Gislason das Soll absolut erfüllt. Die überraschende Nominierung von vier U21-Weltmeistern in den endgültigen EM-Kader war ebenfalls ein überraschender, aber wegweisender Schritt. Dennoch wäre nach den Olympischen Spielen in Paris, für die sich die DHB-Auswahl im März erst noch qualifizieren muss, der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel auf dem Bundestrainer-Posten.

Denn Gislason besitzt zwar einen riesigen Erfahrungsschatz als Trainer und hat unzählige Erfolge errungen, doch der 64-Jährige ist mehr Bewahrer als Entwickler, wichtige Innovationen sind von ihm nicht zu erwarten. Im Vergleich zu den drei Top-Nationen, aber auch zu aufstrebenden Teams wie der Niederlande oder Portugal, ist das deutsche Team taktisch limitiert. Es fehlt eine gleichwertige offensive Deckungsvariante zur klassischen 6:0-Formation, das Spiel Sieben gegen Sechs wird praktisch nie praktiziert. Der ideale Kandidat wäre Bennet Wiegert, der den SC Magdeburg zum besten Club Europas entwickelt hat.

 
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