Vom Bundespräsidenten verwechselt: Sebastian Heymann zieht seine Bilanz der Handball-EM
Vom Eröffnungsspiel vor 50.000 Fans bis zur Enttäuschung gegen Schweden: Das war die Heim-EM des Horkheimers Sebastian Heymann.

Die Enttäuschung stand Sebastian Heymann am Sonntag nach dem verlorenen kleinen Finale ins Gesicht geschrieben. So gerne hätten der 25-Jährige und seine Nationalmannschaftskollegen eine Medaille von der Heim-EM der Superlative mitgenommen.
Im Stimme-Gespräch zieht der Horkheimer sein persönliches Fazit des Turniers, spricht über die Rückendeckung durch die Familie und verrät, was ihm der Bundespräsident nach dem Spiel ins Ohr gesagt hat.
Sebastian Heymann, der Traum einer Medaille bei der Heim-EM hat sich nicht erfüllt. Was geht Ihnen durch den Kopf?
Sebastian Heymann: Erst einmal sind wir alle wahnsinnig enttäuscht. Nicht nur für uns, sondern für das gesamte Team drumherum, alle Helfer in den Hallen und jeden einzelnen Zuschauer, die uns hier drei Wochen gnadenlos unterstützt haben. Gleichzeitig ist angesichts der Atmosphäre hier in der Halle der Wunsch präsent, unbedingt noch einmal bei einem großen Turnier um die Medaillen spielen zu dürfen.
Gegen Schweden war der Sechs-Tore-Rückstand zur Pause eine zu große Hypothek, oder?
Heymann: Wir wussten vor der zweiten Hälfte, dass wir nichts mehr zu verlieren haben und haben einfach nochmal alles reingeschmissen, wieder einen wahnsinnigen Kampf abgeliefert, die Fans mitgerissen und sind ja sogar noch einmal auf ein Tor herangekommen. Es sollte aber einfach nicht sein.
Waren Sie auch enttäuscht, dass Sie in der zweiten Hälfte praktisch keine Spielzeit mehr bekommen haben?
Heymann: Ich würde natürlich am liebsten immer spielen. Handball ist aber ein Mannschaftssport, und der Bundestrainer entscheidet darüber, wer wann spielt. Die Enttäuschung über die Niederlage ist größer als die über meine Spielanteile.
Allein die Teilnahme an der Heim-EM war für Sie nach der langen Verletzungspause ja schon ein persönlicher Erfolg und das Ergebnis harter Arbeit in der Rekonvaleszenz.
Heymann: Ja, das Turnier lag schon in weiter Ferne. Ich bin Ende vergangenen Jahres noch rechtzeitig in Form gekommen und habe mich während des Turniers gesteigert. Gerade im wichtigen Spiel gegen Ungarn konnte ich der Mannschaft Impulse geben. Insofern bin ich mit dem Turnier zufrieden. Dass es nach so einer langen Pause immer auch mal schwächere Spiele gibt, gehört dazu.
Wie fühlt sich der Körper nach neun Spielen in 18 Tagen an?
Heymann: Den Rhythmus, alle zwei Tage zu spielen, bin ich nach meiner langen Verletzungspause überhaupt nicht gewöhnt, zumal ich ja mit Göppingen in dieser Saison nicht im Europapokal spiele. Angesichts dessen fühlt sich alles noch verhältnismäßig gut an. Natürlich bin ich müde.
Diese EM hat Erinnerungen fürs ganze Leben beschert, oder?
Heymann: Es war ein Wahnsinnserlebnis. Allein das Eröffnungsspiel vor mehr als 50 000 Fans in Düsseldorf werde ich nie vergessen. Die Hallen waren alle voll. Wenn wir ins Hotel zurückkamen, standen da die Leute und haben uns applaudiert, uns gratuliert oder uns nach Niederlagen aufgemuntert. Das miterleben zu dürfen, darauf bin ich echt stolz.
Eine Delegation von Freunden, Familie und Verwandten war bei jedem Spiel live vor Ort. Wie wichtig war das für Sie?
Heymann: Das bedeutet mir extrem viel, so einen Zuspruch aus der Heimat zu bekommen. Ich bin ja ohnehin ein starker Familienmensch, und es gibt mir Kraft, dass alle da sind, mir den Rücken freihalten.
Beim Public Viewing an Ihrer alten Wirkungsstätte in der Stauwehrhalle des TSB Horkheim waren regelmäßig mehr als 100 Fans dabei.
Heymann: Der Olli Löschner (Hallensprecher des TSB Horkheim, Anm. d. Red.) hat schon dafür gesorgt, dass ich das mitbekomme (lacht). Der Zuspruch der Leute bedeutet mir sehr viel. Ich habe eine ganz, ganz besondere Beziehung zum TSB, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Wenn es sich ergibt, komme ich immer sehr gerne in die Halle.
Was hat Ihnen eigentlich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach dem Spiel gegen Schweden ins Ohr gesagt?
Heymann: Er hat mich mit Renars Uscins verwechselt und mich gefragt, ob ich lettische Eltern habe. Ich habe gesagt: Nein.




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