Sichtungen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Suche nach Ostsee-Wal geht weiter: Retter bitten Bevölkerung um Hilfe

   | 
Lesezeit  4 Min
Erfolgreich kopiert!

Der Wal, der seit Montag am Timmendorfer Strand festgesteckt hatte, konnte sich befreien. Doch solange er sich in der Ostsee befindet, ist er nicht in Sicherheit. Die Retter bitten die Bevölkerung deshalb um Mithilfe.

Von red/dpa

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Nach der überraschenden Rettung des Wals vor Timmendorfer Strand machen sich Experten weiter Sorgen um den Meeressäuger. Das Jungtier war seit Montag auf einer Sandbank in der Lübecker Bucht gefangen. Mit Baggern, Tauchern und Booten hatten Helfer seitdem versucht, den Wal zu befreien. Erst in der Nacht zu Freitag konnte sich das Tier selbst befreien und in eine tiefere Rinne – diese wurde von den Baggern zuvor gegraben – schwimmen. Jetzt muss er seinen Weg ins offene Meer finden Zeugen, die den Wal sichten, können den Rettern helfen.

Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen.

Suche nach Wal geht weiter – auch Sportboote könnten helfen

Am Freitagnachmittag war der Wal zunächst aus der Lübecker Bucht in Richtung Mecklenburg geschwommen, allerdings in Küstennähe. Er sei vor Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) gesehen worden, sagt eine Sprecherin von Sea Shepherd. Mitglieder der Meeresschutzorganisation sowie von Greenpeace begleiteten das Tier mit Schlauchbooten. Nach mehreren Stunden beendeten sie die Beobachtung. 

Am Samstagmorgen hat ein Polizeiboot die Suche nach dem Buckelwal vor der Ostseeküste fortgesetzt. Zudem ist das Boot "Walfisch" auf Streife unterwegs. "Das Seegebiet ist ziemlich riesig, das ist eine große Fläche für ein Boot, das ist schon Glückssache", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Suche setze man auch auf Sportboote, "die melden das dann auch an die Behörden, wenn die unterwegs sind und was sehen", sagte der Sprecher.


Den Meeressäuger jetzt zu finden sei auch "Glückssache". Seit der Beobachtung am Freitag waren zunächst keine neuen Sichtungen gemeldet worden. Auch eine Greenpeace-Sprecherin bittet die Bevölkerung, mitzuhelfen, indem Walsichtungen gemeldet oder in den sozialen Medien gepostet werden. 

Hilfe der Bevölkerung bei Walsichtung: Über Soziale Medien oder bei Behörden melden

Nach den Worten des Biologen Robert Marc Lehmann kommt es darauf an, dass das Tier im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik. 

Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hatte sich das Tier in der Nacht selbst von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne freigeschwommen. Der Buckelwal war am Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden. 

Wal am Timmendorfer Strand nach Rettungsaktion mit Kurs auf flaches Wasser

Am Freitag sei er zeitweilig wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagt ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser gerate. Man versuche, ihn irgendwie weiter in tieferes Wasser der Ostsee zu geleiten. Die Helfer hätten auch verhindert, dass der Wal in Stellnetze gerate, sagt die Meeresexpertin von Greenpeace, Daniela von Schaper.

Zu den Chancen des Wals sagt Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten. Technisch lässt sich der Kurs des Meeressäugers nicht verfolgen. An dem Tier sei kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei, erklärt Groß. 

Die vorläufige Rettung in Timmendorfer Strand löst bei allen Beteiligten große Freude aus. „Ich bin unglaublich erleichtert und sehr, sehr froh und zufrieden, wie der Einsatz abgelaufen ist“, sagt Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke. Er lobt die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Rettungsdiensten und Experten. 

Rettungsaktion von Wal am Timmendorfer Strand: Kosten bei rund 40.000 Euro

Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückt laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankt den Helfern vor Ort. Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion schätze der Bürgermeister auf 40.000 Euro. Das Land Schleswig-Holstein werde sich an den Kosten beteiligen.

Das Schicksal des Wals hatte ganz Deutschland und auch das Ausland bewegt. Viele Menschen hatten die Rettungsaktion aus der Ferne vom Strand beobachtet und bei jedem Schritt mitgefiebert. Partheil-Böhnke sagt zu der Anteilnahme und dem erst mal guten Ausgang: „Das, glaube ich, brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Das ist das eine gute Nachricht und alleine, das ist schon ein Grund, sich zu freuen.“

Wal in der Ostsee gestrandet – die Chronologie der Rettungsaktion

In einem Instagram-Video, auf dem Lehmann an Bord eines Schiffes zu sehen ist, sagt der Biologe, der Großwal mache „Sperenzchen – Zickzack hin und her“. Man versuche, das völlig erschöpfte Tier in Richtung Fehmarn und an der Küste bei Neustadt vorbeizumanövrieren. Das Ziel sei Dänemark. Dafür stehe man auch schon in Kontakt mit den dortigen Polizeibehörden und Einsatzkräften. Am späten Nachmittag hielt sich das Tier allerdings weiter vor der Küste nördlich von Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) auf. 

Tagelang hatten Helfer versucht, das Tier zu befreien. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Biologe Lehmann stand dabei im Neoprenanzug neben dem Wal und versuchte, ihn zu beruhigen. Auch konnte er dem Baggerführer zeigen, wie weit oder nah seine Schaufel an den Wal herankam.

Am Donnerstagabend hatten die Helfer versucht, den Wal mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich. Am Ende hätten nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagt Bürgermeister Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Am Freitagmorgen hatte es der Wal dann aber geschafft und sich befreit. 

Wal vor Timmendorfer Strand: Gründe für Auftauchen noch unbekannt

Warum der Wal vor Timmendorfer Strand aufgetaucht war, ist bislang unklar. Forscherin Stephanie Groß sagt, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.

Nach Angaben von Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der zuvor bereits mehrfach vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war und Anfang März durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt hatte.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben