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Gestrandeter Ostsee-Wal konnte sich befreien – Weg ins offene Meer ist weit

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Der gestrandete Buckelwal hat es geschafft, sich in der Nacht auf Freitag von der Sandbank vor Timmendorfer Strand zu befreien. Der Weg zurück ins offene Meer ist weit – und riskant. Boote sollen helfen.

Von red/dpa

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Der seit Tagen in der Ostsee vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Wal hat sich befreit. Fotografen und Journalisten suchten am Freitagmorgen (27. März) das Wasser und den Horizont nach dem 12 bis 15 Meter langen Meeressäuger ab und konnten das Tier nicht mehr entdecken. Später bestätigte der Biologe Robert Marc Lehmann: Der vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Buckelwal hat sich in der Nacht zum Freitag befreien können.

 "Das Tier ist in offener See", erklärt Stephanie Groß, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung in Büsum. Allerdings: Der Wal hat noch einen weiten und auch riskanten Weg vor sich. Sein natürlicher Lebensraum ist der Atlantik – nicht die Ostsee. Der Weg dorthin voller Hürden. Experten versuchen, das Tier mit Booten zu begleiten.

Robert Marc Lehmann, Meeresbiologe, spricht mit den Medien am Strand, wo in der Nähe der gestrandete Buckelwal im Wasser gelegen hatte. Der in der Ostsee vor Niendorf gestrandete Wahl hat sich offenbar befreit.
Robert Marc Lehmann, Meeresbiologe, spricht mit den Medien am Strand, wo in der Nähe der gestrandete Buckelwal im Wasser gelegen hatte. Der in der Ostsee vor Niendorf gestrandete Wahl hat sich offenbar befreit.  Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Buckelwal befreit sich in der Nacht von Sandbank – noch schwimmt er in der Ostsee

Am Freitagmorgen waren mehrere Boote, darunter auch Schlauchboote, vor Timmendorfer Strand im Wasser. Mehrere Experten versuchten, den Wal daran zu hindern, wieder ins Flachwasser zu schwimmen. Nun komme es darauf an, dass der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger im offenen Wasser bleibt und möglichst in die Nordsee schwimmt. An dem Wal selbst sei laut Groß kein Sender angebracht worden, da die Haut zu sehr erkrankt sei. 

Die Ostsee ist nur durch drei schmale Meerengen mit dem Kattegat und dem Skagerrak verbunden, die den Übergang zur Nordsee bilden. Der Wal muss den Weg zwischen den dänischen Inseln entweder durch den Kleinen oder den Großen Belt finden oder zwischen Seeland und dem schwedischen Festland durch den Öresund schwimmen, um die Ostsee zu verlassen. 

Die Ostsee ist keine natürliche Heimat für Großwale. In dem Binnenmeer herrscht ein zu geringer Salzgehalt des Wassers. Es ist in vielen Bereichen sehr flach und bietet nicht immer ausreichend Nahrung. Wie lange der Wal schon in der Ostsee schwimmt, ist nicht bekannt. Noch sei er nicht in Sicherheit, betonte Lehmann. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.  


Großwale wie Buckelwale Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen. Nach Angaben der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der bereits zuvor wiederholt auch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war und Anfang März durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt hatte.

Erleichterung über schwimmenden Wal: Bürgermeister von Timmendorfer Strand "einfach nur froh"

"Ich bin einfach nur froh", sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke. Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückte laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankte den Helfern vor Ort. 

Am Donnerstag hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Hilfe des Landes zugesagt, als er sich vor Ort selbst ein Bild der Lage machte. Sollte der Meeressäuger freikommen – wie es inzwischen der Fall ist – wolle Kiel etwa zwei Boote zur Verfügung stellen, um das Tier durch die Ostsee zu geleiten, berichtete ein dpa-Reporter vor Ort. Damit soll verhindert werden, dass er wieder strandet.

Gegenüber dem WDR erneuerte Günther das Versprechen: "Mal gucken, ob wir ihn dabei begleiten müssen und ihm raushelfen müssen, angeboten haben wir es, aber jetzt ist er erst mal nicht mehr am Strand zu sehen." Es komme darauf an, dass der Meeressäuger "den richtigen Weg" findet. 

Rettungsaktion am Abend abgebrochen: Gestrandeter Wal konnte sich ein Stück bewegen

Der Buckelwal war Montagmorgen (23. März) auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. So war etwa am Dienstag ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben.

Meter um Meter hatte sich der Wal am Abend durch diese Rinne gekämpft. Auch ein größerer Bagger konnte schließlich von Land aus eingreifen, nachdem ein Damm aufgeschüttet worden war, um das schwere Gerät in Reichweite zu bringen.

Das Tier zeigte sich aktiver als in den Tagen zuvor. Die Helfer versuchten es am Abend auch, mit Lärm zu animieren – durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder lautes Brummen von sich. Am Ende hätten am Abend nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Die letzten Meter in tiefere Gewässer musste der Buckwal alleine schaffen – und hat es. 

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