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Wal "Timmy" im Livestream: Einsatz am Buckelwal läuft auf Hochtouren

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Der neue Rettungsplan steht: Die große Aktion rund um den gestrandeten Buckelwal "Timmy" ist am Dienstagvormittag gestartet. Ein Livestream zeigt die Arbeiten der Helfer vor Ort.

Der Dienstag (28. April) soll der entscheidende Tag sein: Die große Rettungsaktion für den vor Wismar gestrandeten Buckelwal ist am Vormittag gestartet. „Timmy“ – auch „Hope“ genannt – liegt noch immer im flachen Wasser vor der Insel Poel. Nun sind jedoch Helfer bei ihm – im Gepäck haben sie spezielle Gurte, mit denen sie "Timmy" aus dem flachen Wasser ziehen wollen. 

Läuft alles nach Plan, soll der knapp zwölf Tonnen schwere Meeressäuger noch am Abend seine Reise Richtung Nordsee antreten. Das Unterfangen soll mit Hilfe einer sogenannten Barge – eines Lastkrans – gelingen. Ein Livestream zeigt „Timmy“ am Dienstag.

Livestream zeigt Buckelwal: Die große Rettungsaktion für „Timmy“ am Dienstag


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Während Tausende Menschen den Livestream rund um „Timmy“ verfolgen, rät das Deutsche Meeresmuseum von einem Lastkahn-Transport des Buckelwals dringend ab. Statt Rettungsversuche sollte dem Tier Ruhe gegönnt und es palliativ versorgt werden. 

Bis zuletzt war offen, ob es überhaupt zu dem Versuch kommt. Bis zum späten Montagnachmittag wurden nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums trotz mehrfacher Nachfragen keine Unterlagen für den Einsatz des Gurtes eingereicht. Auch am Dienstagmorgen sollen den Angaben nach noch Unterlagen geprüft werden. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.


Rettungsaktion könnte knifflig werden: "Timmy" im Livestream verfolgen

Den Großwal in die sogenannte Barge zu bekommen, dürfte knifflig werden. Zunächst wollte das Team das Tier rückwärts mittels einer Plane in eine Art schwimmendes Becken bugsieren. Am Vortag gab die beteiligte Tierärztin Kirsten Tönnies dann eine Planänderung bekannt. Das Tier soll vorwärts mittels eines Gurtes durch eine eigens im flachen Wasser geschaffene Rinne zur und in die Barge gelenkt werden.

Am Montag war vor der Insel Poel wieder ein Bagger aktiv geworden, der weiter an der Rinne Richtung tieferes Wasser gearbeitet hatte. Immer wieder waren Helfer am Wal zu sehen – „Timmy“ wird regelmäßig mit Wasser benetzt, um seine aus dem Wasser ragende Haut zu schonen. Am Sonntag haben Helfer den Wal mit Medizin versorgt. Weiter weg laufen die Vorbereitungen für die große Rettungsaktion

Im Seehafen von Wismar soll der Lastkahn nach Eintreffen laut Aussage des beteiligten Tauchunternehmers Fred Babbel für die Aufnahme des Wals vorbereitet werden. Laut Schiffsortungsdiensten hatte der Schlepper „Robin Hood", der die sogenannte Barge zieht, am Montag Fehmarn passiert. Die Geschwindigkeit des Verbands ist nach früheren Aussagen Babbels wegen der Barge begrenzt.

Seit dem Start der Rettungsbemühungen der privaten Initiative Mitte April kam es wiederholt zu Verzögerungen und Planänderungen – unter anderem, weil der Wal sich vor einer Woche nach einem Ansteigen des Pegels selbst in Bewegung gesetzt hatte, später aber wieder festsaß.

Lastkahn unterwegs zu „Timmy“: Rettungsaktion soll Dienstag starten – Transport dauert Tage

Mit Sand gefüllte „Big Bags“ im Wasser sollen „Timmy“ aktuell in seiner Kuhle stützen und von noch flacherem Gewässer fernhalten, wie die Deutsche Presse-Agenur (dpa) berichtet. Tagelang ist an einer Rinne gearbeitet worden, durch die das Tier am Dienstag Richtung Fahrwasser bewegt werden soll. 

Im Fahrwasser soll ein 50 mal 13 Meter großer, mit Wasser gefüllter Lastkahn warten, der den Meeressäuger – wenn alles glattläuft – in Richtung Nordsee schippern wird. Durch eine geöffnete Klappe am Heck soll der Wal entweder selbstständig in den Kahn schwimmen oder behutsam hineinbugsiert werden.

Wal soll in stählernes "Aquarium" gesperrt werden

„Notfalls müssen wir diese Hilfsmittel, diese weichen Schlingen, mit dazunehmen, vielleicht kriegen wir’s auch so hin“, sagte die an der Aktion beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies. Der Walbulle soll in eine Art stählernes Aquarium gesperrt, tagelang bis in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee oder sogar in den Atlantik transportiert werden.

Eine solche Barge werde sonst etwa zum Abtransport von Schiffen verwendet. Sie habe eine Ladekapazität von 400 Tonnen. Durch Wassertanks in den Seiten könne man die Barge absenken und anheben. Im Innenraum bietet sie in der Länge etwa 47 Meter und in der Breite etwa 11 Meter Platz. "Die Barge hat insgesamt einen Ladetiefgang von vier Metern."

Eine Karte zeigt die geplante Route des Wal-Transports

Die Grafik zeigt die geplante Route des Wal-Transports in die Nordsee.

Walforscher blickt kritisch auf die geplante Rettungsaktion: „Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke"

Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bleibt mit Blick auf den neuen Rettungsversuch des vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwals skeptisch. „Der Zustand des Waldes ist nach wie vor auch prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich und da jetzt mit großem, schwerem Gerät, mit vielen, vielen Menschen und viel Geld das Allermöglichste zu versuchen – ich glaube, wir laufen da Gefahr, dem Wal auch zu schaden", sagte der Mitgründer und zweite Vorsitzende des gemeinnützigen Wal- und Delfinschutzvereins M.E.E.R. im ZDF-Morgenmagazin. 

Vor allem der lange Transport in dem Lastenkahn könne das Tier sehr stressen, ist Ritter überzeugt. „Was mir Sorgen macht, ist die Lautstärke. Das wird sehr laut für den Wal. Und Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich." Das wäre so, als würde man einem Menschen drei Tage lang eine helle Lampe ins Gesicht halten, sagt er.

Zudem könne man den Buckelwal nach drei Tagen nicht einfach anschubsen und davon ausgehen, dass er einfach losschwimmt. „Man muss darauf achten, dass er bewegungsfähig ist. Idealerweise hat man auch festgestellt, dass er Nahrung tatsächlich zu sich nehmen kann. Und was mir immer noch fehlt, sind tatsächlich die Ergebnisse einer Blutprobe oder dass die Blasluft analysiert wird."

Wie geht es „Timmy“ wirklich? Lautstärke bedeutet „enormen Stress" für den Wal

Seit Tagen sind sehr häufig Menschen in unmittelbarer Nähe des Buckelwals, zudem lärmen Boote und technisches Gerät. Der Wal scheint das gelassen und ruhig hinzunehmen – Experten zufolge kann dieser Eindruck aber schwer täuschen. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte, dass Kontakt zu Menschen für Wildtiere immer Stress bedeute. Ein physisches Eingreifen direkt am Wal solle nur in Ausnahmesituationen, mit möglichst wenig Einsatzkräften und für kurze, gezielte Maßnahmen erfolgen.

„Wildtiere sind grundsätzlich nicht an Menschen gewöhnt, das heißt, jede Annäherung und insbesondere Lärm bedeuten enormen Stress und lösen meistens Fluchtverhalten aus", hieß es auch vom Deutschen Meeresmuseum. „Die Möglichkeit der Flucht hat der Buckelwal in seiner jetzigen Lage nicht, was die Situation für ihn noch dramatischer macht." 

Der laut Backhaus rund vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf; später saß er weiter westlich vor Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein) fest. In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er sie gezielt immer wieder aufgesucht haben könnte, weil er schwer erkrankt Ruhe suchte. (lis/migro/dpa) 

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