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Amsterdam

Futuristisches Fahrradparken unter Wasser in Amsterdam

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Die niederländische Metropole eröffnet neben dem Bahnhof Amsterdam Centraal eine Garage für 7000 Räder. Eine zweite mit weiteren 4000 Plätzen soll demnächst folgen.

Das Innendesign ist futuristisch und in Kooperation mit einem Museum aus Amsterdam entstanden. Ein Licht-Leitsystem zeigt an, welche Abstellplätze noch frei sind.
Das Innendesign ist futuristisch und in Kooperation mit einem Museum aus Amsterdam entstanden. Ein Licht-Leitsystem zeigt an, welche Abstellplätze noch frei sind.  Foto: privat

Die Niederlande gelten gemeinsam mit Dänemark als die große Fahrradnation in Europa, mit mehr Rädern als das Land Einwohner hat und einer sicheren und exzellent ausgebauten Fahrrad-Infrastruktur in jedem Winkel des Königreichs. Das einzige Problem bisweilen: Die vielen parkenden Räder, die vor allem an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen oder in Innenstädten Gehwege und Plätze blockieren. In der Metropole Amsterdam soll damit jetzt Schluss sein.

Mehr Raum für Fußgänger, sichere Abstellmöglichkeiten für Radler

Am Wochenende ist die erste von zwei neuen, hochmodernen Fahrradgaragen am Hauptbahnhof Amsterdam Centraal in Betrieb gegangen. 7000 Räder können dort abgestellt werden, eine zweite für weitere 4000 Räder soll in wenigen Wochen folgen.

Die Stadtverwaltung will mit dem Projekt erreichen, "dass Fahrradfahrer schnell und sicher einen freien Parkplatz am Hauptbahnhof finden und dass dort weiter genügend Platz für Fußgänger ist", heißt es in einer Mitteilung zur Inbetriebnahme. Manchmal seien Fahrräder in der Innenstadt im Weg, "so wollen wir sicherstellen, dass der Platz an Reisende zurückgegeben wird".

Direkter, komfortabler Zugang zur Bahnstation

Die Stationsplein Garage ist die größte im 900.000 Einwohner zählenden Amsterdam und sie ist bestimmt die schönste, vertraut man auf die Pressebilder. Diese zeigen hohe, helle, mit Holz verkleidete Räume mit runden Oberlichtern und Kunst an den Wänden. Der eigentliche Superlativ ist aber ein anderer: Die Fahrradgarage befindet sich unter dem Wasser, denn das Bahnhofsareal liegt im Hafengebiet von Amsterdam und ist weitgehend von Wasser umgeben.

Es sei "die erste Fahrradabstellanlage weltweit, die unter Wasser errichtet wurde", heißt es denn auch stolz von der Stadtverwaltung bei der Eröffnung. Reisende oder Pendler haben von dort aus direkten Zugang in die zentrale Empfangshalle des Bahnhofs und damit zum U-Bahn- und Fernverkehr.

Einfaches Einchecken über einen Anhänger am Rad oder einen Bildschirm

Von außen ist das Parkhaus von den oberirdischen Fahrradwegen über befahrbare rollende Rampen erreichbar. Der Check-in geht elektronisch über einen Anhänger am Fahrrad oder einen Touch-Bildschirm. Bei der Einfahrt wird angezeigt, wie viele Plätze noch frei sind, ein Leitsystem aus grünen und roten Lichtern führt die Radler zu den Plätzen. Kostenfrei ist das Parken in den ersten 24 Stunden, danach fallen 1,35 Euro pro Tag an.

Über Rollrampen ist das neue unterirdische Parkhaus leicht zu erreichen. Oberirdisch ist es direkt an die Fahrradwege angeschlossen, die zum Bahnhof Amsterdam Centraal führen.
Über Rollrampen ist das neue unterirdische Parkhaus leicht zu erreichen. Oberirdisch ist es direkt an die Fahrradwege angeschlossen, die zum Bahnhof Amsterdam Centraal führen.  Foto: privat

60 Millionen Euro hat sich Amsterdam seinen unterirdischen Fahrrad-Tempel kosten lassen, zwölf Jahre wurde geplant, die reine Bauzeit betrug vier Jahre. Die Unterwasser-Fahrradgarage sei aufgrund der Gegebenheiten sehr schwierig zu verwirklichen gewesen, sagt Projektmanager Peter Visser im Instagram-Interview mit der "Dutch Cycling Embassy", einem niederländischen Netzwerk für Rad-Mobilität. Aber der Aufwand sei es wert gewesen: "Das ist schon eine große Leistung, und es ist ein wunderschöner Parkplatz entstanden".

Amsterdam dürfte damit im sogenannten Copenhagenize Index weiter punkten. Das ist ein Ranking für fahrradfreundliche Städte mit mehr als 600.000 Einwohnern, es wurde zuletzt 2019 aktualisiert, zählt aber zu den bekanntesten derartigen Einstufungen und bewertet Städte ausführlich anhand von 13 Kriterien. In dem Index kommt die dänische Hauptstadt Kopenhagen auf Rang eins, Amsterdam landet auf zwei, dicht gefolgt von der niederländischen Studentenstadt Utrecht. Die erste deutsche Stadt, Bremen, taucht in dem Index auf Platz elf auf.


Das Fahrrad ist in den Niederlanden mit 45 Prozent das mit Abstand am häufigsten genutzte Verkehrsmittel für kurze Strecken. In Deutschland tritt nur jeder fünfte Bürger (21 Prozent) dafür in die Pedale. Ein Drittel legt kurze Entfernungen stattdessen lieber zu Fuß (33 Prozent) oder mit dem Auto (31 Prozent) zurück.

Die Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom Mai 2022 hat außerdem ergeben, dass die Fahrradnutzung für Besorgungen oder den Arbeitsweg in den Ländern am höchsten ist, in denen das Rad als sicheres Verkehrsmittel wahrgenommen wird, wie in den Niederlanden. In Deutschland bemängeln 42 Prozent der Befragten dagegen, dass das Radfahren nicht sicher sei, 53 Prozent sind der Meinung, dass der Radverkehr bei neuen Straßen- und Verkehrsinfrastrukturprojekten Vorrang bekommen sollte. Insgesamt liegt dieser Wert in den 28 untersuchten Ländern bei 64 Prozent.

 

 

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