Hautpilz verbreitet sich in Barbershops – "Ganz Deutschland betroffen"
Ein hochansteckender Hautpilz mit unangenehmen Symptomen breitet sich in Deutschland aus. Laut Experten infizieren sich junge Männer in Barbershops. Es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.
Es betrifft vor allem Männer und kann richtig unangenehm werden: Ein hochansteckender Hautpilz überträgt sich aktuell in Deutschland von Kopf zu Kopf. Eine Infektion zeigt sich durch Schuppen, rote Stellen und schlimmstenfalls sogar eitrige Haut. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Personen überwiegend in Barbershops infizieren. Inwieweit sich der Hautpilz auch die Region Heilbronn ausbreitet, ist unklar.
Hautpilz breitet sich in Deutschland aus – wie ist die Lage in der Region Heilbronn?
Wie viele Menschen in Deutschland mit dem Hautpilz "Trichophyton tonsurans" infiziert sind, ist schwer festzustellen. Denn: „Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind nur invasive Pilzinfektionen meldepflichtig, also Pilzinfektionen, die in Blutkulturen oder in Liquor nachgewiesen wurden", erklärt das Landratsamt Heilbronn auf Nachfrage der Heilbronner Stimme.
Und weiter: „Pilzinfektionen auf der Haut nach einem Besuch beim Barber fallen somit nicht darunter und es gibt daher auch keine konkreten Fallzahlen."
In Heilbronn gibt es inzwischen eine Menge Barbershops. Dem Landratsamt Heilbronn liegen bislang keine Meldungen von Hautpilz-Infektionen vor. Sollte eine derartige Meldung eingehen, würde das Gesundheitsamt „eine Begehung des betreffenden Barbershops vornehmen". Liegt tatsächlich ein Hygienemangel vor, würden entsprechende Maßnahmen getroffen werden.
Hautpilz überträgt sich schnell innerhalb von Familien und Gruppen
Das Problem an dem Hautpilz: "Trichophyton tonsurans" ist sehr ansteckend und kann auch innerhalb von Familien oder Gruppen von Kita-Kindern übertragen werden, die zuvor mit einer infizierten Person zusammen waren.
Wenn der Pilz nach dem Schnitt etwa mit einer Rasierklinge oder durch andere kleinere Verletzungen unter die Haut gerät, kann es auch zu eitrigen Pusteln, Vernarbungen und auch Haarausfall kommen. Eine Infektion sei gut behandelbar – äußerlich, aber auch von innen mit Tabletten.
Hautpilz breitet sich aus: "Inzwischen ist ganz Deutschland betroffen"
„Die steigende Zahl von Infektionen mit dem Pilz Trichophyton tonsurans ist ein richtiges Problem und erst in den letzten etwa drei Jahren aufgekommen", berichtet Pietro Nenoff, Laborarzt und Professor für Dermatologie an der Uni Leipzig, gegenüber der „dpa“. „Es gibt einen stetigen Anstieg." Ursache der Infektionen sei mangelnde Hygiene und unzureichende Desinfektion etwa von Rasiergeräten.
Alleine in seinem Labor "labopart" seien im vergangenen Jahr fast 350 Nachweise des Pilzes gelungen, führt Nenoff aus. „Das ist für diesen eigentlich eher seltenen Pilz wirklich viel." Bundesweit dürften es inzwischen tausende Infektionen sein.
Zunächst seien Erkrankungen vornehmlich aus den alten Bundesländern gemeldet worden, "inzwischen ist ganz Deutschland betroffen". Der häufige Zusammenhang zwischen den Infektionen und Besuchen im Barbershop sei mittlerweile unstrittig, erklärt Nenoff der „dpa“.
Mangelnde Hygiene-Standards die Ursache? Expertin kritisiert fehlendes Wissen
Möglicherweise mit ein Grund für die Verbreitung des Pilzes: Nichtwissen um hygienische Notwendigkeiten und die mangelnde Fortbildung von Mitarbeitern sowie die Beschäftigung ungelernter Mitarbeiter. Oft sei in Barbershops kein Friseurmeister vor Ort, der auf die Einhaltung hygienischer Standards achten könne, sagt die Obermeisterin der Friseurinnung Erlangen, Judith Warmuth der „dpa“.
Dazu gehöre die fachmännische Desinfektion von Maschinen und Scheren mit speziellen Mitteln oder auch Tauchbäder der Friseur-Utensilien in spezielle Desinfektionslösungen.
Es sei aber wichtig, dass Betriebe generell besser von der Handwerkskammer oder auch den Berufsgenossenschaften kontrolliert würden, findet Wartmuth. "Wir kämpfen darum, dass genauer hingeschaut wird."

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