Heuschnupfen
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Beginn der Pollensaison: Warmes Wetter sorgt in Heilbronn für Früh-Start

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Mit dem warmen Wetter startet für Allergiker die Heuschnupfensaison auch früher. Erste Pollen von Haselnuss und Erle sind auch in der Region Heilbronn und in Hohenlohe angekommen und bringen die ersten juckenden Nasen und Augen.

Von red/dpa

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Super, endlich ist es wärmer! Im Raum Heilbronn und Hohenlohe wird sogar erstmals die 20 Grad-Marke geknackt. Die meisten Leute freuen sich darüber. Für manche bedeutet das aber auch: Es geht los mit ihrer Pollen-Allergie.

Denn jetzt fangen zum Beispiel Haselnuss und Erle an zu blühen. Ihre Pollen fliegen in der Luft herum. Von diesen winzigen Schwebeteilchen bekommen allergische Menschen eine laufende Nase oder juckende Augen. 

Nach schwankenden Temperaturen im Raum Heilbronn: Pollenflug beginnt

Eine Expertin für Pollen sagt: Sie fliegen, weil es Temperaturschwankungen nach oben gibt. „Wenn es so schlagartig ist wie jetzt, dann werden die auch schlagartig freigesetzt.“ Wird es also plötzlich deutlich wärmer, fliegen auch mehr Pollen herum.

Sobald diese aus den Blüten austreten, können sie von starken Winden mitgerissen werden. In höheren Luftschichten legen besonders kleinere und leichtere Körner über mehrere Tage und Ländergrenzen hinweg Hunderte Kilometer zurück, bevor sie zu Boden fallen.

Bei Birkenpollen wird in Modellstudien von Transportstrecken im Bereich von rund 1000 Kilometern ausgegangen. Mitunter werden dann Pollen in Regionen registriert, in denen die Bäume erst Tage später überhaupt zu blühen beginnen.

Die Pollen atmet dann jeder ein. Bei Menschen, die dagegen allergisch sind, reagiert der Körper über. Er aktiviert Abwehrmechanismen gegen die eigentlich harmlosen Pollen. Die Nase zum Beispiel versucht, die Teilchen mit Hilfe von Schleim wieder loszuwerden. Das nennt man auch Heuschnupfen.

Der Körper ist also sehr mit dem Abwehren beschäftigt. Das kann dazu führen, dass man unkonzentriert wird. Als Allergiker hat man außerdem wenig Lust, nach draußen zu gehen. Ist es richtig schlimm, bekommen die Betroffenen Husten und können schlecht Luft holen. 

Pollensaison jedes Jahr früher: Klimawandel ist schuld

Der Beginn der Pollensaison verschiebt sich durch den Klimawandel seit Jahren immer weiter nach vorn. Dass Pollenallergiker im Januar erste Probleme mit tränenden Augen und laufender Nase haben, ist laut Experten inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. 

Die Leidenszeit für Allergiker beginnt heutzutage laut Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des DWD generell früher, aber mit Pausen und Unterbrechungen durch entsprechend kühlere und nasse Wetterphasen. „Die nasse Witterung wäscht die Pollen aus, dadurch ist die Belastung deutlich reduziert.“ Früher seien die Wintermonate eine Art Verschnaufpause für Allergiker gewesen. 

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben allergische Erkrankungen über die vergangenen Jahrzehnte weltweit stark zugenommen und stagnieren zurzeit auf einem hohen Niveau. Schätzungen zufolge seien insgesamt rund 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland von Allergien betroffen, wobei das Alter bei Beginn einer Allergie tendenziell abnehme. „Die Zunahme allergischer Erkrankungen ging mit zeitgleich stattfindenden Veränderungen in Lebensstil und Umwelt einher“, heißt es in einer RKI-Veröffentlichung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf allergische Erkrankungen in Deutschland aus dem Jahr 2023. Viele damit verbundene Faktoren konnten mit dem vermehrten Auftreten von Allergien in Zusammenhang gebracht werden.

Nach Hasel und Erle kommen Esche und Birke. Sie seien in der Belastung stärker als Hasel und Erle. Vor allem das Allergen der Birke sei sehr stark. Mitte oder Ende April sind die Gräser laut Endler dran. Im Spätsommer tauchen die Vertreter der Kräuter auf, Ambrosia und Beifuß. Auch diese Belastung läuft überlappend. 

Gezielte Behandlung gegen Pollen ist nur möglich nach Allergietest

Wer denkt, dass er eine Pollen-Allergie hat, sollte sich genau untersuchen lassen. Ärzte, die auch Allergie-Fachleute sind, können feststellen, wogegen genau jemand allergisch ist. Dann kann man den Menschen gezielt behandeln.

Für Pollen-Allergiker gibt es unter anderem spezielle Nasensprays, Augentropfen und Tabletten. Manche haben Nebenwirkungen. Sie können zum Beispiel etwas müde machen. Grundsätzlich helfen solche Medikamente aber dabei, dass Allergiker sich besser fühlen.

An der Ursache setzt eine Immuntherapie etwa mit Spritzen oder Tabletten (Hyposensibilisierung) an. Allergiker sollten sich zudem möglichst wenig den Pollen aussetzen, indem sie Fenster geschlossen halten, vor dem Schlafengehen die Haare waschen und getragene Kleidung außerhalb des Schlafzimmers lagern. Auch mechanische Barrieren wie Pollenschutzgitter an Fenstern können helfen, Pollen aus der Wohnung fernzuhalten.

Frei verkäufliche Arzneimittel gibt es in der Apotheke: Vorsicht bei Nasenspray

Laut Karl-Christian Bergmann, Professor für Atemwegs- und Lungenkrankheiten an der Berliner Charité und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, erhalten Allergiker in der Apotheke sehr gut wirksame und frei verkäufliche Arzneimittel. Lediglich mit abschwellenden Nasensprays, die auch im Winter gegen Schnupfen helfen, sollte man vorsichtig sein. Die Gefahr, dass man sie während des Pollenflugs zu lang einnehme und damit nachhaltig die Nasenschleimhaut schädige, sei groß.

In jedem Fall rät der Experte allen Betroffenen, den Gang zum Arzt nicht zu lang aufzuschieben. „Bei jedem dritten Patienten entwickelt sich aus einem Heuschnupfen ein Asthma, wenn man sich nicht behandeln lässt“, mahnt er.

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