Gesundheitliche Notlage

Entwicklungen zu Mpox im Newsblog: Ärzte ohne Grenzen wegen schneller Verbreitung besorgt

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Die WHO hat wegen Mpox-Ausbrüchen die höchste Warnstufe ausgerufen. Auch in Europa ist inzwischen ein Fall bestätigt. Alle Entwicklungen im Newsblog.

von unserer Redaktion und dpa

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sorgt sich vor einem internationalen Ausbruch des Mpox-Virus, früher auch bekannt als Affenpocken. Ende 2023 wurde in der Demokratischen Republik Kongo eine neue Virus-Variante entdeckt, die potenziell gefährlich sein soll. Auf dieser Grundlage hat die WHO die höchste Alarmstufe aktiviert und eine "Gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite" (PHEIC) ausgerufen.

Die WHO sieht das Risiko, dass der Erreger sich auf der ganzen Welt ausbreiten könnte, wie es 2022 schon einmal geschah. Damals gab es Fälle in mehr als 60 Ländern, auch in Deutschland. Die Ansteckungen gingen auf Klade II zurück, die weniger starke Krankheitsverläufe verursacht. Die Ausbrüche konnten in den meisten Ländern mit Impfstoffen unter Kontrolle gebracht werden. Die Notlage wurde im Mai 2023 aufgehoben. Nun ist sie wieder aktiviert. Wie ist die Lage in Deutschland und der Welt? In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellsten Entwicklungen.

Ärzte ohne Grenzen: Alarmierend schnelle Verbreitung von Mpox

Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist besorgt über die Geschwindigkeit, mit der sich die Krankheit Mpox insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo ausbreitet. "Sorge bereitet uns neben der jüngsten Mutation auch die Tatsache, dass die Krankheit in den Geflüchtetencamps rund um Goma aufgetreten ist, wo Menschen auf engstem Raum leben und sich die Krankheit rasant ausbreiten könnte", sagte Jasmin Behrends, Expertin für globale Gesundheit der Organisation in Deutschland.

Ärzte ohne Grenze hat nach eigenen Angaben seit zwei Monaten die Arbeit mit Notfallteams im Ostkongo intensiviert, wo die Mehrheit der durch bewaffnete Konflikte vertriebenen Binnenflüchtlinge in oft beengten Verhältnissen lebt.

"Ohne einen verbesserten Zugang zu Impfstoffen werden tausende Menschen keinen Schutz vor einer Infektion erhalten können, darunter auch Kinder unter 15 Jahren", sagte Justin  Eyong, epidemiologischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo. Dabei sei diese Altersgruppe besonders stark von Mpox betroffen. Sie mache 56 Prozent aller Mpox-Fälle beziehungsweise 79 Prozent aller Todesfälle in diesem Jahr aus.

Lauterbach: Mpox für Bevölkerung momentan keine große Gefahr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht nach dem Auftreten eines ersten Mpox-Falls in Europa in Schweden keinen Grund für Beunruhigung. "Mpox stellen für unsere Bevölkerung momentan keine große Gefahr dar", teilte der SPD-Politiker in Berlin mit. Der Fall in Schweden ändere nichts an dieser Risikoeinschätzung für Deutschland und Europa. Denn dabei handele es sich um eine Virus-Variante, die bislang nur in Teilen Zentralafrikas endemisch sei. 

Als endemisch werden laut Definition des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung Krankheiten bezeichnet, wenn sie dauerhaft gehäuft in einer begrenzten Region oder einer Population vorkommen. 

"Deutschland hat den ersten Ausbruch der damaligen Mpox-Variante im Jahr 2022 erfolgreich in den Griff bekommen. Wir verfolgen die Lage trotzdem weiterhin aufmerksam und sind vorbereitet, falls sich die Lage ändert", sagte Lauterbach. Nach Angaben seines Ministeriums haben einige Bundesländer noch Impfstoffe von 2022 vorrätig. Auch der Bund hat demnach noch rund 117.000 Impfstoffdosen. Eine weitere zentrale Beschaffung sei derzeit nicht vorgesehen.

Behörde erwartet mehr eingeführte Mpox-Fälle in Europa

Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC erwartet, dass mehr Menschen mit der neuen Mpox-Variante nach Europa kommen. Das teilte die Behörde mit Sitz in Schweden mit, nachdem am Donnerstag in dem nordeuropäischen Land der erste Mpox-Fall der neuen Variante außerhalb des afrikanischen Kontinents bestätigt wurde. Die infizierte Person hatte sich zuvor in Afrika aufgehalten.

Die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Übertragung in Europa sei allerdings sehr gering, sofern importierte Fälle schnell diagnostiziert und Kontrollmaßnahmen umgesetzt würden, teilte die ECDC mit. Die neue Variante ist Fachleuten zufolge wahrscheinlich ansteckender als bisherige Varianten und kann eine schwerere Infektion auslösen. Allerdings ist Mpox, das früher Affenpocken genannt wurde, generell nicht so leicht zu übertragen. Dafür ist direkter Kontakt nötig.

Die Gesundheitsbehörde empfiehlt den europäischen Staaten, Reisehinweise für Personen herauszugeben, die in die vom Ausbruch betroffene Gebiete reisen oder von dort zurückkehren. Für Menschen, die enge Kontakte zu Personen pflegen, die möglicherweise oder sicher eine Mpox-Infektion aus Afrika importiert haben, sei die Ansteckungsgefahr mäßig.

Mpox in Schweden: Erster Virus-Fall außerhalb Afrikas bestätigt

In Schweden gibt es nach dortigen Regierungsangaben den ersten bestätigten Mpox-Fall der neuen Variante Klade I außerhalb des afrikanischen Kontinents. Das teilte der schwedische Sozialminister Jakob Forssmed auf einer Pressekonferenz mit, die im schwedischen Fernsehen übertragen wurde. Der Fall wurde demnach in der Region Stockholm festgestellt. "Das ist natürlich etwas, das wir ernst nehmen", sagte Forssmed. Die infizierte Person habe sich zuvor in Afrika aufgehalten.

Olivia Wigzell von der schwedischen Volksgesundheitsbehörde zufolge besteht keine Gefahr, dass der Fall Auswirkungen auf die breite Bevölkerung hat. "Der Fall selbst erfordert unserer Einschätzung nach derzeit keine weiteren Infektionsschutzmaßnahmen, wir verfolgen die Entwicklung aber natürlich aufmerksam", sagte Wigzell bei der Pressekonferenz mit dem Sozialminister.

In Afrika fehlt Mpox-Impfstoff. (Archivbild)
In Afrika fehlt Mpox-Impfstoff. (Archivbild)  Foto: Moses Sawasawa/AP

WHO ruft Notlage aus – Sorge wegen neuer Mpox-Variante

Ende 2023 wurde im Osten der Demokratischen Republik Kongo eine neue Variante von Mpox entdeckt. Es handelt sich um eine Sublinie der Mpox-Klade I (römisch eins), namens Ib. Sie könnte ansteckender sein als bisherige Varianten und schwerere Krankheitsverläufe auslösen. Detaillierte Studien dazu stehen noch aus. Mpox der Klade I wurden in den vergangenen Wochen erstmals auch in Uganda, Ruanda und Burundi sowie Kenia entdeckt. 

Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC hat das Risiko einer Ausbreitung der neuen Variante in Europa Ende Juli als "sehr gering" eingeschätzt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gibt es bislang keine bekannten Fälle der Klade I in Deutschland. 

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