Audi SQ6 E-Tron: Schnell fahren, schnell laden
Im Frühjahr hat Audi sein Elektro-SUV Q6 E-Tron vorgestellt. Vorläufig markiert der SQ6 die Spitze des Modellprogramms. Was kann der Stromer im Test?
An einem kraftvollen Antritt mangelt es keinem Elektroauto. Da das maximale Drehmoment bei Stromern aus dem Stand weg zur Verfügung steht, geht es pfeilschnell vorwärts. Beeindruckend ist das aber vor allem dann, wenn man in einem 4,77 Meter langen SUV sitzt, das mit der schweren Batterie im Fahrzeugboden rund 2,4 Tonnen auf die Waage bringt. Da erwartet der Fahrer durchaus eine gewisse Schwerfälligkeit.
Die lässt der Audi SQ6 E-Tron (ab 93.800 Euro) aber zu keiner Zeit erkennen. Zusammen liefern die beiden E-Motoren 360 kW/489 PS Leistung – mit aktivierter Launch Control gar 380 kW/517 PS. Je ein Elektromotor sitzt vorne und hinten: Sie machen den Wagen, der am Stammsitz in Ingolstadt gebaut wird, zum Allradler. Eine Kraftverteilung auf alle vier Räder braucht es auch, wenn der Fahrer den SQ6 mit maximal 855 Newtonmeter Drehmoment von der Kette lässt. Dabei bleibt der Wagen völlig stabil ohne durchdrehende Räder, in nur 4,3 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Während viele andere Hersteller ihre E-Autos bei mehr oder weniger 200 km/h abregeln, lässt Audi dem SQ6 E-Tron Auslauf bis Tempo 230.

Audi SQ6 E-Tron: 800-Volt-Technik für schnelles Laden
Zügig beschleunigen und schnell fahren können auch andere E-Autos. Den wirklichen Unterschied macht der Halt an der Ladesäule. Die neu entwickelte Lithium-Ionen-Batterie im Unterboden verfügt über eine Kapazität von 100 kWh und wiegt 570 Kilogramm. Wie beim E-Tron GT aus Heilbronn setzt Audi auch beim SQ6 E-Tron auf 800-Volt-Technik, die das Laden mit bis zu 270 kW möglich macht. Dieser maximale Wert (Peak) liest sich zwar schön, wird aber wie bei anderen Stromern nur kurz erreicht.
Viel wichtiger ist der Verlauf der Ladekurve. Wie gut der Audi lädt, hängt von vielen Faktoren ab – in erster Linie auch von der Ladesäule selbst und davon, ob sich die Batterie im optimalen Temperaturfenster befindet. Daher sollte man einen Ladestopp stets per Navigation ansteuern, damit die Elektronik den Akku entsprechend vorbereitet.
In einer Viertelstunde 55 kWh im Audi SQ6 E-Tron nachgeladen
Sind mal acht von acht Ladesäulen besetzt, dann fließen mitunter auch mal nur 100 kW oder weniger in den SQ6 E-Tron. Mehr gibt das deutsche Stromnetz unter Volllast dann nicht her. Im besten Fall haben wir während unserer Testfahrten in 15 Minuten ganze 55 kWh für mehr als 300 Kilometer Strecke nachgeladen. Das entspricht einem Durchschnitt von 220 kW Ladeleistung. Ziemlich beeindruckend, das schaffen nicht sonderlich viele E-Autos. Für eine Standard-Ladung von zehn auf 80 Prozent Akkustand nennt Audi unter optimalen Bedingungen 21 Minuten.
Clever ist auch, dass sich die Batterie an 400-Volt-Ladesäulen in zwei Bänke aufteilen kann, die dann jeweils mit bis zu 135 kW beladen werden können. Der Fortschritt zum ersten E-Auto von Audi, dem E-Tron, ist nach Angaben des Herstellers enorm: Im Vergleich ist das Gewicht des Akkus um 15 Prozent gesunken, die Ladezeit hat sich um etwa 30 Prozent verkürzt.
Audi-SUV: 440 Kilometer im Test
Wie weit man mit dem SQ6 E-Tron kommt, hängt wie bei einem Verbrenner von der Fahrweise ab. Audi nennt 560 bis 598 Kilometer, bei gemischter Fahrweise notierten wir 440 Kilometer. Wer es richtig laufen lässt, muss 70 bis 120 Kilometer abziehen. Dann steigt auch der Verbrauch auf deutlich mehr als 20 kWh pro 100 Kilometer an. Wer den rechten Fuß im Griff hat, kommt bei konstant 120 auf der Autobahn auch mit 17 kWh und weniger aus.
Ab Werk gibt es auf den Akku eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern Laufleistung. Serienmäßig sind zwei Ladeports hinten rechts und links, allerdings ist nur einer für Schnelllader genormt. Viel Arbeit wurde von Audi auch in die Rekuperation gesteckt. Energie wird nicht nur übers Bremsen zurückgewonnen, sondern immer, wenn das Elektro-SUV verzögert.
Harmonisch abgestimmtes Fahrwerk
Alle Q6-Modelle von Audi teilen sich die Plattform mit dem Porsche Macan. Beide Fahrzeuge basieren auf der Premium Platform Electric (PPE), die von den beiden Marken des VW-Konzerns gemeinsam entwickelt wurde. Der Audi ist weniger spitz abgestimmt, er fährt sich harmonischer als sein Pendant von Porsche.
Die Marke mit den vier Ringen hat die Abstimmung hin zu mehr Komfort geschoben, ohne aber beim S-Modell die Fahrdynamik zu vernachlässigen. Das Fahrwerk beim SQ6 E-Tron ist straffer, die Lenkung arbeitet sehr präzise und gibt dem Fahrer eine gute Rückmeldung. Ein Kurvenräuber ist das SUV freilich nicht, er lässt sich aber leichtfüßiger durch Biegungen dirigieren, als es Ausmaße und Gewicht vermuten lassen.
Neue Optik für Audis Elektroautos
Optisch ist der SQ6 E-Tron sofort als Audi erkennbar. Er zeigt die Formensprache für die E-Autos der Marke. Typisch sind der geschlossene Kühlergrill, ein langer Radstand (2,90 Meter), die kurzen Überhänge sowie die rundherum optimierte Aerodynamik.
Richtig viel Aufwand haben die Licht-Ingenieure betrieben – und zwar vor allem für Tagfahrlicht und Rückleuchten. Bis zu acht verschiedene Grafiken können über das Infotainmentsystem oder die Audi-App ausgewählt und der SQ6 E-Tron damit individualisiert werden. Vorne arbeiten klassische LED, hinten sogenannte OLED, also organische Leuchtdioden.
Gestochen scharfes Bild
Innen setzt Audi auf ein vollständig digitales Cockpit (11,9 Zoll), das fließend in ein 14,5 Zoll großes, gewölbtes Display übergeht und stark dem Fahrer zugeneigt ist. Die Darstellung ist gestochen scharf, vieles lässt sich selbst konfigurieren und Favoriten hinterlegen. Gut gelungen: Die wichtigsten Funktionen für die Klimaautomatik sind grundsätzlich im unteren Bereich des großen Displays fest hinterlegt. Auf Wunsch lässt sich für den Beifahrerplatz ein eigenes 10,9-Zoll-Display ordern.
Der Passagier dort kann dann zum Beispiel einen Film schauen. Der Clou dabei: In den Kopfstützen befinden sich Lautsprecher, so dass jeder an seinem Platz nur das hört, was ihn betrifft. Auf eine neue Ebene hebt Audi die Sprachsteuerung. So kann man sich mit dem Q6 E-Tron fast wie mit einem Menschen unterhalten. „Öffne das Fenster einen spaltbreit.“ „Mir ist kalt.“ Rund 800 Funktionen sind so ansteuerbar. Das System lernt mit der Zeit und passt sich an.
Gutes Platzangebot, hohe Preise
Dank des langen Radstands sitzen auch die Passagiere in Reihe zwei gut. In der Mitte allerdings wird es etwas eng, wenn rechts und links schon zwei Erwachsene Platz genommen haben. Das Kofferraumvolumen liegt bei 517 Litern. Wer die Rückbank umklappt, vergrößert den Stauraum auf bis zu 1529 Liter. In den sogenannten Frunk – einen weiteren Gepäckraum unter der Fronthaube – passen weitere 64 Liter rein.
Ob man nun zum SQ6 E-Tron von Audi greift oder zu einem der Konkurrenzmodelle der deutschen Hersteller oder Tesla: Ein gut gefülltes Konto oder ein entsprechender Dienstwagenanspruch ist nötig, um das Audi-SUV fahren zu können. Denn der Wagen fährt und lädt nicht nur schnell, er lässt sich mit ein paar Extras auch schnell über die Grenze von 100.000 Euro treiben.
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