Fallen die Spritpreise weiter? Was ein Tankstellen-Experte erwartet
Die Waffenruhe im Iran sorgt für einen sinkenden Ölpreis. An den Tankstellen kommt es aber erstmal wieder zum 12-Uhr-Preissprung. Doch wie werden sich die Preise entwickeln?
Die Waffenruhe im Iran-Konflikt lässt Öl- und Gaspreise deutlich fallen. Bringt das nun die erhoffte Wende bei den Tankstellenpreisen? Hoffnung ist da – aber auch Skepsis.
Wirkt sich gesunkener Ölpreis auf Tankstellen in Heilbronn aus?
„Wir haben einen massiv gesunkenen Ölpreis, die weltpolitische Lage hat sich etwas entspannt – doch die Preise haben sich kaum nach unten bewegt“, sagt Herbert Rabl auf Anfrage der Heilbronner Stimme. Er ist Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV), der vor allem Pächter der großen Marken vertritt.
Dass die Konzerne die Preise bei externen Ereignissen nach oben schießen lassen, bei sich entspannenden Lagen aber nur sachte nach unten korrigieren, nennt sich Raketen-und-Feder-Effekt. „Das ist eine sehr charmante Umschreibung“, sagt Rabl. „Eigentlich müssten die Preise bereits massiv gefallen sein“, sagt er am Mittwochmorgen gegen 11 Uhr im Gespräch mit der Stimme.
Zu diesem Zeitpunkt lag die 12-Uhr-Marke, an der Tankstellen neuerdings nur noch ihre Spritpreise erhöhen dürfen, noch in der Zukunft. Rabl erwartete erneut eine Erhöhung – und die zeigte sich dann auch in Heilbronn.
12-Uhr-Regelung beim Tanken gescheitert? Entwicklung der Preise
Laut dem ADAC gingen die Preise am Mittag bundesweit durchschnittlich um gut fünf Cent nach oben – in den Tagen zuvor waren es in Heilbronn beim Diesel schon mal 20 Cent. „Die Befürchtung des ADAC, dass Mineralölkonzerne die einmal tägliche Erhöhungsmöglichkeit für einen Risikozuschlag nutzen könnten, bestätigt sich also zusehends“, teilte der Automobilclub mit. Ursprünglich Befürworter des Österreich-Modells, hat sich Rabls Sichtweise nun gewandelt. „Das neue Gesetz hat auf den Markt gesetzt, doch der Markt ist dysfunktional.“

Ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie sagte zur 12-Uhr-Regelung hingegen: „Die Tankstellenpreise sinken bis 12 Uhr, um dann einmalig zu steigen. Dass die Preise schon kurz nach 12 Uhr Schritt für Schritt wieder zurückgehen, unterstreicht deutlich, dass der Wettbewerb um die Tankkundschaft nach wie vor voll intakt ist.“
Die Einführung hält der Verband aber für verfehlt: „Beim Vorbild Österreich gibt es keinen Beleg, dass das Tanken durch die 12-Uhr-Regel günstiger wurde, weswegen unser Verband im Vorfeld davon abgeraten hatte.“
Funktioniert der Tankstellen-Markt? Steuern erhöhen Preise massiv
Rabl sieht Probleme beim Wettbewerb in der Branche. „Der Mineralölmarkt ist kein Markt, er ist ein Kartell.“ Der Sprecher hofft nun auf das Bundeskartellamt, dessen Befugnisse jüngst erweitert wurden. „Durch die Beweislastumkehr haben sie eigentlich ein gutes Instrumentarium an der Hand.“
Auch aus Sicht des ADAC ist ein Eingreifen der Kartellbehörde dringend erforderlich. Der Technik- und Verkehrspräsident Karsten Schulze forderte: „Die Politik hat das Bundeskartellamt mit höheren Befugnissen ausgestattet. Es ist nicht nachzuvollziehen, dass davon nicht Gebrauch gemacht wird und die Behörden in der Beobachterrolle bleiben.“
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie ist der Sichtweise, die Mineralölunternehmen würden sich an der aktuellen Krise bereichern, entgegengetreten. „Staatliche Abgaben und Kosten dominieren die Kraftstoffpreise – vor und auch während der Krise.“ Rund zwei Drittel des Benzin- und mehr als die Hälfte des Dieselpreises würden aus Energiesteuer und Co. bestehen. „Die Konzerne zielen weiter auf das Thema ab, dass die Steuern runter müssen – aber das ist nicht der ganze Grund“, sagt Rabl hierzu.
Sinkende Spritpreise: Luxemburg- statt Österreich-Modell?
Doch wie lassen sich die Spritpreise nun senken? „Das geht nur, wenn wir den Konzernen die Preise diktieren und die Bürger bei der Besteuerung entlasten.“ Der TIV-Sprecher führt als Beispiel Luxemburg an und denkt an die heimischen Betriebe: „Die Wirtschaft hält einen Dieselpreis von um die 2,50 Euro/Liter nicht lange aus.“
Dass in Deutschland auf die im Spritpreis enthaltenen Energiesteuer und die CO2-Abgabe noch Mehrwertsteuer anfällt, hält Rabl für ein Unding. „Wir sollten jetzt die Chance nutzen, um das alles neu zu strukturieren. Dass die Regierung den Mut dazu hat, erwarte ich bedauerlicherweise aber nicht.“
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