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Fürfelder Bürgerinitiative sieht Chancen gegen Windräder nach Audi-Rückzug

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Die Windkraftgegner der Bürgerinitiative Pro Fürfeld befürchten eine Umzingelung ihres kleinen Ortes von zahlreichen Windrädern. Da sich Audi aus einem Projekt in Obereisesheim zurückzieht, sehen sie sich in ihrer Kritik bestätigt.


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Nachdem vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass sich Audi aus einem Windkraftprojekt im Dornet-Wald in Obereisesheim zurückzieht, ist die Bürgerinitiative Pro Fürfeld hellhörig geworden. Man hofft darauf, dass auch im Stöckachwald zwischen dem Bad Rappenauer Teilort Fürfeld und Heilbronn-Kirchhausen die Pläne für Windräder noch einmal überdacht werden.

Fragen nach Audi-Rückzug: Heilbronns OB Mergel antwortet auf E-Mail

In einer Mail an Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel fragen die Mitglieder der Bürgerinitiative, warum die Stadt Heilbronn das Vorhaben im Stöckachwald weiter betreibt, wenn Audi als betriebswirtschaftlich agierender Konzern statt der Windräder im Dornet-Wald lieber auf die werkseigene PV-Anlage setzt. Inzwischen liegt eine Antwort von Mergel vor.

Darin heißt es lediglich, dass der Stadt Heilbronn über die Hintergründe der Entscheidung von Audi keine Informationen vorlägen. Auch die Antworten auf weitere Nachfragen der Bürgerinitiative fallen knapp aus. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Fragen bleibt weitgehend aus.

Wie berichtet, zog sich Audi kürzlich aus den Planungen für den „Windpark Dornet Obereisesheim“ zurück. Das Projekt war gemeinsam mit dem Stromversorger Zeag und der Stadt Neckarsulm verfolgt worden. Nach Prüfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sei man zu dem Ergebnis gekommen, es nicht weiterzuverfolgen, hieß es seitens des Automobilherstellers.

Die Bürgerinitiative Pro Fürfeld setzt sich gegen Windräder ein, die um den Ort herum entstehen sollen - und wirbt für ihr Anliegen auch auf Bannern.
Die Bürgerinitiative Pro Fürfeld setzt sich gegen Windräder ein, die um den Ort herum entstehen sollen - und wirbt für ihr Anliegen auch auf Bannern.  Foto: Hoffmann, Adrian

Bürgerinitiative Pro Fürfeld stellt kritische Nachfragen an Landratsamt und Stadt Heilbronn

Die Fürfelder Bürgerinitiative will vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wissen, wer für Wald- und Naturschäden und für einen Rückbau haftet, wenn die von der Stadt gegründete Gesellschaft insolvent geht. Mergel dazu: In Windkraftprojekten bestehe die Pflicht, eine Rückbaubürgschaft zur Verfügung zu stellen. Diese stelle sicher, dass die Anlagen nach Stilllegung zurückgebaut und die Grundstücke in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. „Das ist bei allen Windkraftprojekten Standard.“ Konkrete Angaben zur Höhe oder Absicherung dieser Bürgschaft macht die Stadt jedoch nicht.

Und wie grundsätzlich üblich, „finden vor der Erteilung einer Genehmigung keine baulichen Maßnahmen statt“, so Mergel weiter. Gleiches gelte bei fehlender Wirtschaftlichkeit eines Projekts, antwortet er auf die Frage, wer für Waldschäden hafte, falls Genehmigungen für Windrädern nicht erteilt oder sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht gebaut werden. 

Behörden: Noch keine Baumfällarbeiten für geplante Windkraft-Standorte genehmigt

Auch an das Landratsamt adressiert die Fürfelder Bürgerinitiative eine Mail. Im Umfeld der Bürgerinitiative war vermutet worden, dass bereits Baumfällungen für geplante Windradstandorte genehmigt worden sein könnten. Im Stöckachwald seien zuletzt Fällungen beobachtet worden, sagt eine Mitbegründerin von Pro Fürfeld, die namentlich ungenannt bleiben möchte.

Im Landratsamt verneint man allerdings einen Zusammenhang. „Es wurden noch keine Baumfällarbeiten für die geplanten Standorte für Windkraftanlagen genehmigt“, teilt Behördensprecher Andreas Zwingmann mit. Diese dürften erst erfolgen, wenn eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zur „Waldumwandlung“ oder eine eigene forstrechtliche für die Zufahrt zu einer geplanten Anlage vorliege.

Heilbronns OB Mergel: Keine Baumfällarbeiten im Stöckachwald für Windkraftanlagen 

Ebenso verneint Heilbronns OB Mergel, dass im Stöckachwald zwischen Fürfeld und Kirchhausen sowie Massenbachhausen bereits Baumfällarbeiten für die geplanten Windkraftanlagen vorgenommen worden sind.  

Eine weitere Frage, die sich der Bürgerinitiative stellt, ist der Genehmigungsstand von geplanten Windrädern rund um Fürfeld im Allgemeinen – insbesondere in Schwaigern, Kirchardt und Massenbachhausen. Auch dazu antwortet Zwingmann. Für die genannten Gemarkungen seien bisher noch keine Windkraftanlagen genehmigt worden, sagt er. „Ein Zeithorizont, sprich, wann die Genehmigungen letztlich erfolgen, kann zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.“

Unterstützer der Bürgerinitiative sehen durch Windräder ihre Lebens- und Wohnqualität bedroht

Zu Befürchtungen, wonach sich viele Windräder in räumlicher Nähe zueinander negativ auf das Mikroklima auswirken könnten, äußert man sich im Landratsamt derzeit nicht konkret. Man verweist stattdessen auf spätere Prüfungen. Diese Themen würden im Genehmigungsverfahren behandelt – sofern eine Betroffenheit vorliege. Übersetzt: Erst wenn ein Problem eindeutig nachgewiesen ist, wird es überhaupt berücksichtigt.

Die Bürgerinitiative Pro Fürfeld hat sich Anfang 2024 gegründet. Die zahlreichen Unterstützer wehren sich gegen eine befürchtete Einkesselung Fürfelds durch eine Vielzahl von Windrädern. Sie sehen die Lebens- und Wohnqualität in Fürfeld bedroht durch die Windradpläne. Außerdem beklagen sie eine Zerstörung großer Waldflächen. Sie setzen darauf, den Bau von Windrädern verhindern zu können. Ob dieses Ziel angesichts der laufenden Planungen realistisch ist, bleibt offen.

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