Zaun um Gartenschau in Eppingen sorgt für Ärger bei Anwohnern
Wegen der Gartenschau in Eppingen ist eine wichtige Verbindungsstraße per Zaun gesperrt worden. Anwohner ärgern sich nun über längere Wege zum Einkaufen und zum Bahnhof. Wie die Stadt zur Kritik Stellung nimmt.

Ursula Michenfelder zieht einen Handwagen voller Einkäufe durch die Eppinger Nordstadt. Die Fuhre ist voll beladen, eine Packung Küchenkrepprollen ragt oben heraus. Seit der Altstadtring wegen der Gartenschau gesperrt ist, hat die 92-Jährige, einen weiten Weg, um zum Kaufland, den für sie nahesten Einkaufsmarkt, zu gelangen. "Unbequem, sehr hinderlich", kommentiert die Seniorin.
Erst nach der Eröffnung der Gartenschau wird sich für Ursula Michenfelder die Lage bessern. Dann nämlich wird sie das umzäunte Gelände durch die beiden Haupteingänge am Altstadtring durchqueren können. "Meine Tochter Agnes hat mir eine Dauerkarte geschenkt", ist die Eppingerin, die in der Kneippstaße wohnt, dankbar. Die Karte werde sie aber auch mal benutzen, um die Gartenschau selbst in Augenschein zu nehmen.
Was die Anwohner als Zumutung empfinden
Die 95-jährige Margarethe Wöhrle, ihre 82 Jahre alte Nachbarin Marietta Rahm und der 89-jährige Herbert Hörn dagegen haben jetzt schon die Nase voll von der Gartenschau. Alle drei wohnen in der Kettengasse, grenzen also direkt an das Gelände. Margarethe Wöhrle ist auf den Rollator angewiesen, ihre Nachbarin kann noch ohne technische Hilfe gehen, wegen eines Leidens an der Ferse allerdings eher schlecht als recht. Herbert Hörn benutzt einen Stock, um sich zu bewegen. Er leidet an einer chronischen Muskelentzündung im Oberschenkel.
Allein für die Einkäufe eine Dauerkarte zu erstehen? Das kommt für die drei nicht in Frage. Am liebsten wäre es dem Trio, die Stadt würde für gehbehinderte Anwohner, die jetzt längere Wege ertragen müssen, einen Passierschein ausstellen, mit dem man das Gelände durchqueren kann. "Die fragen nach den Alten ja gar nicht mehr", beschwert sich Margarethe Wöhrle.
Warum manche genervt sind
Die Anwohner der Kettengasse sind durch die lange Bauzeit auf dem Gelände, die durch die Verlegung der Großveranstaltung um ein Jahr noch länger ausfiel, eh schon genervt. "Die ganze Zeit über haben wir den Staub und Krach ertragen. Und jetzt sollen wir Geld bezahlen, nur um einkaufen zu gehen?", fragt Marietta Rahm. Herbert Hörn findet deutliche Worte: "Das ist eine Sauerei." Immerhin hat er von seinen Töchtern Renate, Martina und Elke eine Dauerkarte geschenkt bekommen, damit er mit seinen Einkäufen nicht durch die Kettengasse bis vor zur Sparkasse und dann die ganze Bahnhofstraße bis zum Kaufland gehen muss.
Deutliche Worte eines Pendlers
Barbara (82) und Matthias (85) Kerner sind über die längeren Einkaufswege auch nicht begeistert. Dennoch freut sich das Ehepaar, dass das Gelände vor ihrer Haustüre so schön gestaltet worden ist. Ob sie die Gartenschau auch mal als Gäste besuchen? "Wir sind noch am Überlegen", so Barbara Kerner.
Auch Jüngere sind von der Umzäunung der Gartenschau, die wie ein Riegel wirkt, betroffen. Fatih Sahin wohnt in der Scheuerlesstraße. "Eine Frechheit, Unverschämtheit", entfährt es ihm, als er mitbekommt, worüber die Personengruppe in der Kettengasse gerade redet. Er fährt täglich mit der Bahn nach Heilbronn zum Arbeiten. Jetzt muss er mehr Zeit einplanen, um zum Bahnhof zu gelangen.
Was der Betriebsleiter der Gartenschau antwortet
Eppingens Baubürgermeister Peter Thalmann, gleichzeitig Betriebsleiter der Gartenschau, relativiert die Kritik der Anwohner von Kettengasse und Nordstadt. Er verweist auf das Angebot des Bürgerbusses. Dieser könne helfen, die längeren Distanzen während der Sperrung des Altstadtrings zu überwinden. Der Bürgerbus steuere unter anderem Einkaufsläden und den Bahnhof an. "Es gibt Zustiegsmöglichkeiten im Linsenviertel, in der Bahnhofstraße oder am Markt", stellt Thalmann klar. Der Bürgerbus fahre jede Stunde. Die ehrenamtlich betriebene Linie halte auch an Zielen in der Nordstadt, etwa in der Scheuerlesstraße.
Thalmann nimmt zu den Vorschlägen der Bürger Stellung. Ein Passierschein, etwa für mobilitätseingeschränkte Personen, sei nicht realisierbar. "Wo sollte man das Angebot denn abgrenzen?" Generell hofft er, dass sich die Bürger mit dem blühenden Großereignis identifizieren: "Die ganze Stadtgesellschaft muss zusammenhalten, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen."


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