Spektakuläre Kranarbeiten in Eppingen: Palmbräu investiert 2,5 Millionen Euro
Palmbräu installiert in Eppingen neue Anlagen und modernisiert alte: Die 2,5 Millionen-Euro-Investition ist die größte seit 13 Jahren. Die Kranarbeiten zum Einbau der neuen Großanlagen verliefen spektakulär.

Am 44,5 Meter lang ausgefahrenen Ausleger des Schwerlast-Autokrans baumelt ein 22 Tonnen schweres Ungetüm. Kranfahrer Uwe Siebig von der Spezialfirma Gräser Eschbach bewegt den Joystick mit höchster Konzentration. Millimeter für Millimeter schwebt die sperrige Fracht in Richtung Abfüllhaus.
Dessen Fassade war vor vier Wochen auf einer Fläche von 48 Quadratmetern geöffnet worden, um die alte Anlage zu entfernen. Die Fassade gehört zu Eppingens Traditionsbrauerei Palmbräu, bei der hängenden Last handelt es sich um eine nagelneue Flaschenwaschanlage: ein Geschirrspüler im Großformat, gewissermaßen.
Weitere Maschinen werden ausgetauscht oder ertüchtigt
Außer dem Ungetüm erhält die Brauerei an diesem winterlich-kalten Mittwoch auch eine neue Abfüllanlage sowie einen 14 Meter langen Tunnelpasteur. Dabei handelt es sich um eine Maschine, mit der das Bier, das kurz zuvor in die Flaschen gefüllt wurde, kurz erhitzt wird, um so die weitere Gärung zu stoppen.
"Vor dem Einbau der neuen Anlagen haben wird die Fertigungshalle komplett saniert", berichtet Palmbräu-Prokurist Oliver Kohler: neuer Boden, neue Wandfliesen, alles wurde lebensmittelgerecht abgedichtet. Alle Anlagen, die weiter genutzt werden, werden laut Kohler generalüberholt. Dazu zählt beispielsweise die Etikettiermaschine. Während der Zeit des Umbaus wird das Bier in anderen Brauereien und einem Abfüllzentrum verarbeitet.
Die neuen Anlagen seien produktiver und dabei energieeffizienter, so Kohler. Ende Januar waren die alten Maschinen mit Hilfe von zwei Autokränen aus dem Gebäude gehievt worden. Wie bei der Demontage war auch dieses Mal, beim Einbau, die Zufahrt zur Adelshofer Straße gesperrt.
Die neuen Maschinen, die bei der Krones AG in Flensburg gebaut wurden, haben Eppingen in zwei nächtlichen Schwertransporten mit Tiefladern erreicht. Für die Arbeiten bleibt die Adelshofer Straße bis einschließlich 16. Februar gesperrt.
Palmbräu kann in Bügelflaschen abfüllen
Palmbräu investiert in diesen Tagen an seinem angestammten Standort die stolze Summe von 2,5 Millionen Euro. "Unsere größte Einzelinvestition seit 13 Jahren", bilanziert der Prokurist. Gemeint ist das Vergleichsjahr 2010. Damals erhielt der Betrieb eine gebrauchte Flaschenabfüllanlage. Mit der wurden bisher alle 14 Standard-Getränkesorten abgefüllt und zusätzlich einige weitere Produkte aus dem Scheidtweiler-Sortiment, etwa das Hatz-Moninger-Bier.

"Wir besitzen die Kapazität, Bügelflaschen zu bearbeiten", erläutert Kohler. Das könne heutzutage nicht mehr jede Brauerei. Bevor Palmbräu 2010 die gebrauchte Anlage übernahm, wurde das Eppinger Bier bei Weldebräu in Plankstadt abgefüllt.
Pils in der Bügelflasche ist der Bestseller
Etwa 38.000 Hektoliter Bier produziert Palmbräu in Eppingen jährlich. Rund 30 Mitarbeiter sind im Betrieb beschäftigt. Die aktuelle Investition wertet Kohler als Bekenntnis der Brauerei und ihrer Eigentümer zum Gründungsstandort. Seit 2016 ist Zdenek Prokop Braumeister. Bestseller in der Getränkefamilie sei die Pilssorte "Unser Bestes" in der 0,33 Liter Bügelflasche, berichtet Kohler.

"Die Brauerei Palmbräu prägt seit jeher Eppingen sowie die Region und ist ein Aushängeschild für traditionsreiche Unternehmen im ländlichen Raum", würdigt Eppingens OB Klaus Holaschke die Rolle des Unternehmens. Der Ausbau und die Investitionen der Brauerei sowie auch die Führung durch Familie Scheidtweiler spreche für Eppingen: "Darüber freuen wir uns als Wirtschaftsstandort natürlich sehr."
Bewegte Firmengeschichte
Die Brauerei wurde 1835 von Jakob Zorn (1812-1882) in seiner Weinstube in Eppingen gegründet. Unter seinem Sohn Franz (1839-1917) expandierte der Betrieb, es wurden bis zu 1000 Liter Bier ausgeschenkt. Franz Zorn war es auch, der Palmen aus Italien mitbrachte, und das Gasthaus "Zur Palme" umbenannte. Die Hausbrauerei entwickelte sich in Familienhand, insbesondere unter den Nachfahren Emil und Reinhold Zorn, zu einem Großbetrieb. 2002 musste der Betrieb Insolvenz anmelden. 2009 übernahm Wolfgang Scheidtweiler die Brauerei.


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