Warum Sinsheims OB Jörg Albrecht auf sein Amt verzichtet – "Es gab Schlüsselerlebnisse"
Von Oberbürgermeister Jörg Albrecht fällt eine große Last nach der überraschenden Verkündung, auf sein Amt verzichten zu wollen. Sinsheims OB gibt zu: "Es ist ein hartes Geschäft geworden."

Betroffenes Schweigen herrschte im Sitzungssaal des Rathauses, nachdem OB Jörg Albrecht in einer gut vierminütigen Rede seinen Amtsverzicht zum 31. August angekündigt hatte. Ausschließlich persönliche und familiäre Gründe führt der Vater zweier erwachsener Töchter ins Feld, die ihn zu diesem reiflich überlegten Entschluss geführt hätten.
"Seit etwa einem Jahr treibt mich das um", erklärt der 55-Jährige im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. "Es gab Schlüsselerlebnisse, durch die man einen anderen Blick auf die Sache bekommt und merkt, es gibt ein Leben vor dem Tod aber nach der politischen Karriere."
Sinsheimer OB Albrecht zu seinem Amtsverzicht: "Ist ein hartes Geschäft geworden"
Nach dieser Erkenntnis sei es "Schritt für Schritt" gegangen. Unumwunden sagt der Vollblut-OB: "Es ist ein hartes Geschäft geworden, die Gesellschaft hat sich verändert, und wenn es dann an und in die Familie geht, dann muss man die Konsequenzen ziehen."
Nach Verkündung seiner Entscheidung wirkt Albrecht so, als sei eine Riesenlast von ihm abgefallen. Das bestätigt er auch. "Meine Entscheidung stand Ende November, Anfang Dezember fest, es ging nur noch um die Frage, wann ist der richtige Zeitpunkt, sie zu verkünden."
Für die verbleibende Amtszeit verspricht er: "Ich werde bis zum letzten Tag engagiert und motiviert weiterarbeiten. An der vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit zum Wohl der Stadt auch mit dem Gemeinderat soll sich in den nächsten Monaten nichts ändern."
Reaktionen von Weggefährten zum Amtsverzicht von Sinsheims OB Albrecht
Und wie reagieren Weggefährten? "Ich bin total überrascht", sagt Rohrbachs Ortsvorsteher Friedhelm Zoller (CDU): "Damit hätte ich nicht gerechnet." Florian Hummel (CDU) gesteht, "ich bin geschockt", zollt dem Stadtchef jedoch "Respekt für die Entscheidung. Sie spricht für den Menschen Jörg Albrecht."
Ähnlich äußert sich Dührens Ortsvorsteher Alexander Speer (FW). "Ich habe Respekt und auch durchaus Verständnis für seinen Schritt. Mit etwas Empathie konnte man aber schon seit geraumer Zeit eine gewisse Veränderung feststellen. Richtig übel und völlig daneben und unfair finde ich allerdings die Kommentare, die aktuell im Netz nach dem Rücktritt kursieren. Das deckt sich aber mit meinen eigenen Erfahrungen - leider der aktuelle Zeitgeist. Und genau da schließt sich der Kreis."
Nur "gering überrascht" zeigt sich FW-Gemeinderat Harald Gmelin. "Jörg Albrecht hat in den letzten Wochen und Monaten immer wieder anklingen lassen, dass sich was ändern werde. Ich persönlich bedauere den Schritt sehr." Gmelin beschreibt Albrecht als "enorm fleißig, kompetent und engagiert".
Lob von Bürgermeisterkollegen im Kraichgau
Eine Charakterisierung, die Ittingens Bürgermeister Kai Kohlenberger, selbst lange Jahre im Sinsheimer Rathaus tätig, unterschreiben würde. "Ich habe ihn als sehr engagierten Chef und später als Kollegen kennengelernt. Wenn jemand wie Jörg Albrecht die Reißleine zieht, dann gibt einem das zu denken."
Wie Kohlenberger kam auch für Eppingens OB Klaus Holaschke der Schritt überraschend. "Ich werde das sehr gute Miteinander der beiden Großen Kreisstädte vermissen. Sein authentischer Charakter und seine verbindliche Art haben Jörg Albrecht oft zum Türöffner und Impulsgeber gemacht, auch auf regionaler Ebene wie beim Kinderhilfefonds Kraichgau."
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