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Neuer Standort für den Siegelsbacher Waldkindergarten

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Der Natur- und Waldkindergarten sollte eigentlich im Baugebiet Hinter der alten Schule entstehen. Jetzt hat sich der Gemeinderat umentschieden. Auch wegen eines Plädoyers der Leiterin des evangelischen Kindergartens.

In vielen Gemeinden gibt es mittlerweile Waldkindergärten. So auch in Untergruppenbach. Dort wird auch bei eisigen Temperaturen draußen gespielt.
Foto: Archiv/Zwingmann
In vielen Gemeinden gibt es mittlerweile Waldkindergärten. So auch in Untergruppenbach. Dort wird auch bei eisigen Temperaturen draußen gespielt. Foto: Archiv/Zwingmann  Foto: Zwingmann

Eigentlich war es beschlossene Sache: Im vergangenen September sprach sich der Siegelsbacher Gemeinderat mehrheitlich für einen Naturkindergarten auf einer Wiese in unmittelbarerer Nähe zu der evangelischen Betreuungseinrichtung aus. Denn laut Kindergartenbedarfsplan fehlen in Zukunft zahlreiche Plätze. Eine bauliche Erweiterung war nicht zustande gekommen.

Besser Wahl als im Baugebiet

Die Entscheidung über die geeignete Lage wurde jetzt allerdings revidiert. "Nach Gesprächen mit der Leitung und einem Vor-Ort-Termin kam ein Alternativstandort auf den Plan", fasste Bürgermeister Tobias Haucap zusammen. Der liegt direkt am Wald und ist laut Heike Erlewein eine wesentlich bessere Wahl als die Ursprungsvariante. "Die faszinierende Natur kann man nur im Wald erleben, nicht auf einer Wiese im Gewerbegebiet", erklärte die Leiterin des evangelischen Kindergartens. Seit über 20 Jahren besuche sie gemeinsam mit den Kindern zu fast jeder Jahreszeit den Wald, was alle Beteiligten genießen und dort viele Erfahrungen sammeln würden.

Von dem Standort ebenfalls überzeugt zeigte sich Martin Huber. Der Architekt aus Mosbach bezeichnete die Lage als seinen Favoriten, denn der erforderliche Abstand zum Wald - 30 Meter müssen es sein - sei gegeben, das Areal gut erreichbar aber trotzdem abgeschieden. "Planerisch spricht viel dafür."

 


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Nutzfläche werde aus dem Verkehr gezogen

Auch wenn die meisten Gemeinderäte dem Konzept zugestimmt haben: Gunter Koos enthielt sich bei der Entscheidung über den neuen Standort. "Ich möchte deutlich sagen, was ich über diese Wahl denke", so das langjährige Gremiumsmitglied. Besonders wichtig war ihm darauf hinzuweisen, dass ein halber Hektar Nutzfläche "aus dem Verkehr gezogen" werde. "Wir machen unnötigerweise mit, obwohl es eine Brachfläche beim Baugebiet gibt, die im September noch geeignet war." "Reine Heuchelei" sei es, dass Millionen Menschen auf der Welt Hunger leiden, aber in Siegelsbach Ackerland entzogen wird. Wenn man so agiere, dürfe man Politik und Kirche nicht als Frontmann gegen den Hunger sehen.

Auch eventuellen Vandalismus durch die abgelegene Lage führte Gunter Koos an. Was ihn allerdings besonders störte: "Es ist alles andere als amüsant, wie die Standortwahl am Beschluss des Gemeinderats vorbeigegangen ist." Er wolle das Projekt nicht kaputt reden, aber "es gibt Dinge, die deutlich dagegen sprechen".

Kaum Vandalismusgefahr

Monique Phillips gab ihrem Gemeinderatskollegen zwar im Punkt der vorhandenen Fläche hinter dem Kindergarten Recht. "Aber wir müssten dann eine normale Kita bauen, was lange dauert und viel kostet." Sie spreche sich klar für den neuen Standort aus. Einer, der von vornherein für eine Fläche am Waldrand plädierte, ist Bernd Widmann. Er glaubt nicht, dass der Ort, so abgelegen er auch sein mag, in den Fokus von Personen rücken wird, die den Bauwagen beschädigen wollen.

Das Flurstück wird die evangelische Kirchengemeinde von dem Eigentümer pachten, die Gemeinde Siegelsbach beteiligt sich monatlich mit 50 Euro. Die Investitionskosten übernimmt die Gemeinde. Für die kommenden zehn Jahre fließen außerdem FAG (Finanzausgleichumlage)-Mittel. Laut Verwaltung entspräche das zum jetzigen Zeitpunkt einem Gegenwert von rund 115.500 Euro. "Wenn die Fläche irgendwann nicht mehr für den Waldkindergarten gebraucht wird, kann sie wieder landwirtschaftlich genutzt werden", erinnerte Tobias Haucap.

Bio-Toilette, Photovoltaik und Platz für 22 Kinder

Nach der Standortwahl entschied sich der Gemeinderat einstimmig, einen Bauwagen für circa 120.000 Euro anzuschaffen. Er bietet Platz für 22 Kinder und soll mit einer Bio-Toilette sowie einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ausgestattet werden.

"Es gibt viele Anbieter", sagt Siegelsbachs Hauptamtsleiterin Daniela Quintana Leiva. Einige hätten allerdings lange Lieferzeiten, weshalb man zeitnah bestellen müsse. Insgesamt fünf Anbieter sollen angeschrieben werden. Außerdem wird ein Tipi-Zelt mit einem Durchmesser von acht Metern für den Waldkindergarten gekauft. Das Zelt wird circa 4000 Euro kosten und bietet ganzjährig einen Sonnen- und Regenschutz. Eröffnet werden soll der Waldkindergarten am 1. September 2023, also zum Ende der Sommerferien.

 

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