Menschenmassen beim Leiergassenumzug in Eppingen
Mehr als 6000 Besucher und Hunderte Aktive genießen den Leiergassenumzug in Eppingen. Die Veranstaltung stand dieses Mal unter dem Motto "Unten". Das waren die spektakulärste Eindrücke.

Hunderte aktiver Teilnehmer und laut Polizei mehr als 6000 Zuschauer haben Sonntagnachmittag den Leiergassenumzug in Eppingen genossen. Währenddessen jubelten rund 15.000 Besucher dem Faschingsumzug in Bad Wimpfen zu. Angemeldet waren in Eppingen etwa 20 Vereine und Gruppierungen. Doch es blieb nicht dabei. Wie viele es tatsächlich waren, konnte selbst Organisator Peter Wieser, der mit seinen Vereinskameraden als Biomöhre verkleidet war, nicht genau sagen.
Die Polizei sprach abends nach Rücksprache mit der Stadt von etwa 30 Gruppen. Von ihrer Dimension her erinnerte die Veranstaltung an den großen Festumzug zum Höhepunkt der Heimattage im Gartenschaujahr 2022. Das Motto des aktuellen Leiergassenumzugs lautete "Unten". Wer die Gelegenheit hatte, verfolgte das Spektakel allerdings von oben, am offenen Fenster.
Leiergassenumzug in Eppingen: Diese Gruppen beteiligen sich an regionaler Faschings-Tradition
Vorweg marschierte die Stadtkapelle, dahinter rollten fantasievoll geschmückte Wagen. So bewegte sich die Jugend-Feuerwehr in einer rollenden Fischstäbchen-Packung. Die Carneval-Gesellschaft Kirchardt hatte eine rollende Narrenkappe dabei sowie mehrere Abteilungen ihrer Tanzgarden. Die Freunde des Bürgerparks waren als Gartenzwerge und Schweinchen gekleidet ("Unter aller Sau"). Sie schenkten Getränke aus Gießkannen aus. Einer der spektakulärsten Beiträge hieß "Unter dem Tisch". Dabei wurde ein überdimensionales Tischgestell in erhobener Position durch die Gassen geschoben.
Die Kolpingfamilie, Hauptausrichterin des Leiergassenumzugs, hatte mehrere Beiträge am Start. Einer davon war eine Bergbaulore. Die jungen Kerle darum, verkleidet als Diamanten, formierten sich in der Brettener Straße zur Freude des Publikums zur Pyramide. Zahlenmäßig eine der größten Gruppen neben der Stadtkapelle waren die Tanzbienchen Elsenz, die mit 40 jungen Tänzerinnen erschienen waren.
Pink Panther und Kostüme aus viktorianischer Zeit: So aufwendig sind die Besucher des Faschingsumzugs in Eppingen verkleidet
Aus Fürfeld war eine Gruppe angereist, die mit ihren Trachten am ehesten die schwäbisch-alemannische Fastnacht verkörperte: Die Sumpfhexen waren im traditionellen Häs verkleidet, die Gesichter waren mit handgeschnitzten Masken verdeckt. "Wir sind das erste Mal dabei", berichtete Christian Fischer, der mit 15 Kollegen erschienen war.
Zu den Routiniers zählten die Freude des Albertsberg, die immer schon beim Leiergassenumzug dabei waren. Die Mitglieder der eher kleinen Gruppe hatten sich in orangefarbenen Skianzüge gezwängt. Auch im Publikum sah man aufwändig verleidete Gestalten. So wie Familie Daub, die dem Umzug in Roben aus viktorianischer Zeit beiwohnte. "80 Prozent davon entstammt unserem Kleiderschrank", versicherte Saskia Daub. Als Pink Panther verkleidet war Michael Heil aus Bockschaft. Für ihn als ehemaligen Eppinger sei es "eine Ehrensache", am Umzug teilzunehmen. Abgesichert wurde die Veranstaltung unter anderem durch ehrenamtliche Helfer des DRK. So schoben in der Brettener Straße Jasmin Dech aus Kirchardt sowie Kai Liebisch aus Neuenstadt Dienst.
Straßen in Eppingen voll mit Bonbons: "Man soll ruhig sehen, dass Fasching war"
Der Umzug bewegte sich von der Leiergasse erst in westliche Richtung und dann durch die Brettener Straße zurück in die Bahnhofstraße. Am Rathaus war es proppenvoll. In diesem Bereich hat sich ein Viertel der gesamten Besucher aufgehalten. Dass der Umzug ohne Lautsprecher und Dauerbeschallung auskam, werden die meisten Besucher als angenehm empfunden haben. Ziel des Umzugs war die Fußgängerzone in der Bahnhofstraße/Ludwigplatz. Hier warteten zahlreiche Buden auf Gäste. Die Freiwillige Feuerwehr betreute einen der Stände. "Bei uns gibt es Currywurst mit Brüstles Spezialsauce", bemerkte der stellvertretende Stadtkommandant Oliver Kohler. Am späten Nachmittag legte ein DJ stimmungsvolle Musik auf.
Mitarbeiter des städtischen Bauhofs reinigten unmittelbar nach dem letzten Wagen das Trottoir von liegengebliebene Bonbons. Dies ging Leiergassen-Anwohnerin Pia Piwecki dann doch ein bisschen zu schnell: "Man soll ruhig sehen, dass Fasching war."
Tradition des Leiergassenumzugs in der Faschingszeit in Eppingen
Der Leiergassenumzug ist seit dem Stopp des traditionellen Nachtumzugs der Kraichgauhexen die einzige derartige Faschingsveranstaltung in der Fachwerkstadt. Der Nachtumzug war nach einem tragischen Unfall im Jahr 2018, bei dem eine Zuschauerin schwer verletzt wurde, nicht mehr durchgeführt worden. Der Leiergassenumzug hatte 1996 seine Premiere. Weil er in der Coronazeit zwei Mal abgesagt werden musste, handelt es sich aktuell um die 26. Auflage der Traditionsveranstaltung.



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