Entsetzen über Schäden an Kirchenoase der Gartenschau
Unbekannte haben den Ausstellungsbeitrag der Kirchen auf der Gartenschau an mehreren Stellen beschädigt. Tage zuvor war einer bepflanzen Wanne in der Altstadt ein Bein abgerissen worden. Dennoch hält der Betriebsleiter das Sicherheitskonzept für ausreichend.

Unbekannte haben die Kirchenoase auf dem Gartenschaugelände in Eppingen an mehreren Stellen beschädigt. Ein Kirchengemeinderat spricht von Zerstörungen und Vandalismus. Tage zuvor war in der Leiergasse eine bepflanzte Wanne beschädigt worden. Trotzdem sieht die Stadt derzeit keinen Anlass, das Sicherheitskonzept anzupassen.
Gartenschau-Betriebsleiter Peter Thalmann hat sich die Schäden am Montag angesehen und relativiert deren Ausmaß. Von Zerstörungen und Vandalismus könne nicht die Rede sein: "Die Kirchenoase sieht geordnet aus." Eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen aufgrund des aktuellen Falls sei nicht angemessen.
Was alles kaputt gemacht wurde
Unbekannte haben in dem Ausstellungsbeitrag "Kirche auf der Gartenschau" zwischen Sonntagabend und Montagmorgen unter anderem eine gelbe Keramikkugel zerstört. Sie wurde von der Adelshofener Keramikerin Rosemarie Funk geschaffen. Außerdem wurde ein hölzernes Kissen aus einer Installation entfernt, die ein Fischerboot symbolisiert.
Das Objekt fand sich mit Algen "verziert" an anderer Stelle des Ausstellungsbeitrags wieder. Die Urheber der Schäden haben Holzhackschnitzel, mit denen der Boden der Kirchenoase ausgestreut ist, in den Brunnen hineingeworfen. Die Edelstahlhalterung einer Keramikhand wurde herausgerissen und in ein nahe gelegenes Beet gesteckt, Wurzelholz vor die Bühne geworfen.
Wann die Schäden entdeckt wurden

Entdeckt wurden die Schäden am Montag von dem evangelischen Kirchengemeinderat Roy Jastrow bei der Morgenkontrolle. Von ihm stammt die gestalterische Konzeption der Kirchenoase. Außer der evangelischen Kirchengemeinde Eppingen sind die katholische Kirchengemeinde, die evangelisch-methodistische und die Freie christliche Gemeinde Vineyard an der Kirchenoase beteiligt. Jastrow verständigte umgehend die Stadtverwaltung und die beteiligten kirchlichen Gemeindeverwaltungen.
Eine polizeiliche Anzeige sei bisher nicht gestellt worden. "Es gibt einen materiellen Schaden, aber der ideelle ist weit höher", so Jastrow. Für einen antichristlichen oder kirchenfeindlichen Hintergrund hat Jastrow keinen Hinweis gefunden. Er hält einen bösen Streich für möglich. Inzwischen kursiert auch die Version, spielende Kinder könnten hier über die Stränge geschlagen haben.
Wie das Gelände nachts gesichert wird
Hans-Jörg Gebhardt, der 30 Jahre lang evangelischer Kirchengemeinderat in Eppingen war, bringt in einer Mail an die Stadtverwaltung die Installation von Überwachungskameras ins Gespräch. Auch müsse man über nächtliche Kontrollgänge durch Ordnungspersonal nachdenken.
Nächtliche Streifen sind laut Thalmann längst Realität. Der private Sicherheitsdienst Kötter sei mit dem Objektschutz beauftragt. "Die sind auch nachts permanent auf dem Gelände unterwegs." Aufgrund der aktuellen Beschädigungen Überwachungskameras zu installieren, hält der Betriebsleiter für "zu hochgefahren". Außerdem sei es rechtlich gar nicht so einfach, Kameras im öffentlichen Raum zu installieren. Die Streifen zu intensivieren, sei nicht zielführend: "Wer sagt denn, dass diese Dinge nachts passiert sind?"
Wozu der Sicherheitsdienst befugt ist
Wie der Eppinger Revierleiter der Polizei, Fred Walko mitteilt, könne der private Sicherheitsdienst Platzverweise erteilen. Notfalls werde die Polizei hinzugezogen, um diese durchzusetzen. Die Sicherheitskräfte inklusive Polizei und Feuerwehr besitzen Schlüssel zu allen Zu- und Ausgängen.
Walko bestätigt, dass der aktuelle Fall nicht polizeilich angezeigt wurde. Auch seien der Polizei keine weiteren Fälle von Sachbeschädigung im Zusammenhang mit der Gartenschau zur Kenntnis gegeben worden. Dies betrifft auch die bepflanzte Badewanne in der Leiergasse, der Unbekannte ein Bein abgerissen hatten.
Was die Keramikerin zu ihrem zerstörten Objekt sagt
Die Keramikerin Rosemarie Funk, die die gelbe Brunnenkugel der Kirchenoase geschaffen hat, äußerte sich am Montag entsetzt. "Wie kann das passieren, das Gelände ist doch umzäunt?" fragt die Adelshofenerin. "Sinnlos, bedauerlich", schüttelt die Keramikerin den Kopf.
Pfarrer Friedhelm Bokelmann von der evangelischen Kirchengemeinde in Eppingen sieht "keinen Anschlag gegen die Institution Kirche". Schließlich seien keine speziell-christlichen Symbole beschädigt worden. "Wir werden jetzt natürlich alles reparieren." Auch für die zerstörte Keramikkugel werde es Ersatz geben.




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